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Mittwoch, 20. Februar 2019

Elektronikfertigung

Kfz-Elektronik treibt Wachstum

Von Werner Schulz | 29. Mai 2015 | Ausgabe 22

Aus dem deutschen Markt für elektronische Bauelemente und Baugruppen kommen positive Signale: Für 2015 werden Wachstumsraten von mehr als 8 % avisiert, getrieben vor allem von Anwendungen in der Kfz- und Industrieelektronik.

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Foto: Andreas Gebert/dpa

Leistungshalbleiter finden in der Kfz-Elektronik ebenso Einsatz wie in der Industrieelektronik. Beides Felder, in denen die deutsche Industrie stark ist.

Mit 172 Mrd. € im letzten Jahr trägt die Elektroindustrie nach den neuesten Marktdaten des ZVEI etwa 10 % des Industrieumsatzes in Deutschland. Aus diesem stabilen und zugleich hoch innovativen Umfeld kommen derzeit durchweg positive Zeichen: Der Inlandsmarkt für elektronische Bauelemente und Baugruppen ist trotz aller finanz- und geopolitischen Krisenszenarien in einer erfreulichen Wachstumsphase.

Dazu tragen vor allem die Bereiche Kfz-Elektronik mit rund der Hälfte der Umsätze und die Industrieelektronik mit mehr als einem Viertel der Umsätze bei. Es folgen Datentechnik, Telekommunikation und Konsumelektronik. Der Absatz von elektronischen Bauelementen – dazu zählen die Halbleiter, die passiven und elektromechanischen Komponenten, Schaltungen auf Keramiksubstraten und unbestückte Leiterplatten – soll in diesem Jahr um 8,5 % steigen, auf insgesamt 19,6 Mrd. €. Als Ausgangsbasis zeigen dabei die Halbleiter alle Anzeichen eines weltweiten Booms. Ihr Markt wird 2015 in Deutschland mit 12,3 Mrd. € den Löwenanteil des Geschäfts mit den Bauelementen ausmachen – mit einem fetten Plus von 11,5 %.

Auch die Baugruppen als nächsthöhere Fertigungsstufe der Elektronikproduktion – im Wesentlichen die bereits fertig bestückten Leiterplatten, entweder in Eigenfertigung der Systemanbieter oder von Subunternehmern als Auftragsfertiger beigesteuert – werden laut ZVEI in diesem Jahr mit 8,6 % Zuwachs auf 27,8 Mrd. € Umsatz klettern.

Einzig der Markt für die Keramik- oder Schichtschaltungen dürfte in diesem Jahr um etwa 2 % fallen. Doch das sei eher ein gewollter Technologieübergang von den Keramiksubstraten auf neuere Hochtemperaturplatinen, konstatiert Wolfgang Bochtler, seit sechs Jahren Vorsitzender des Fachverbands PCB and Electronic Systems im ZVEI und im Hauptberuf verantwortlich für das Automobilgeschäft der japanischen Mektron-Gruppe.

Gerade bei den flexiblen Leiterplatten, die in miniaturisierten Geräten und kompakten Systemen vermehrt Eingang finden, macht die Technologie rapide Fortschritte in Richtung Langlebigkeit und Robustheit. „Flex-Schaltungen überleben heute in Festplattenlaufwerken für Datengeräte leicht 100 Mio. Biegezyklen“, erläutert Bochtler. Für Anwendungen im Automobil würden sie erfolgreich auf Temperaturen von 150 °C getestet. Kein Wunder, dass Flex im Weltmarkt bereits einen Anteil von 20 % einnimmt.

Dass der weltweite Markt für Bauelemente und Baugruppen zu beinahe 60 % in der Region Asien-Pazifik lokalisiert ist, ist kein Geheimnis. Schließlich konzentriert sich dort auch die Fertigung von elektronischen Massenprodukten. Dennoch konnte die Produktion von Leiterplatten in Deutschland zwischen 2002 (mit 1,027 Mrd. €) und 2014 (mit 825 Mio. €) vergleichsweise stabil gehalten werden, denn im europäischen Wirtschaftsraum ging sie im gleichen Zeitraum von 3,2 Mrd. € auf 1,8 Mrd. € deutlich stärker zurück. Für Bochtler ist das ein willkommenes Anzeichen der Kontinuität im deutschen Markt: „Das muss man extrem positiv bewerten, dass es trotz des Trends, alles aus Asien zu beziehen, gelungen ist, über zehn Jahre das Produktionsvolumen zu halten.“

Ist die deutsche Leiterplattenindustrie also besonders gut aufgestellt oder besonders innovativ? „In erster Linie“, so Bochtler, „ist es die starke und nahe gelegene Kundenbasis, die ihrerseits sehr innovativ ist.“ Das sei der Schlüssel zum Erfolg. „Diese starke Wertschöpfungskette müssen wir unter allem Umständen in Europa erhalten.“