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Dienstag, 23. Januar 2018

Energie

„Klassische Vollversorger sind chancenlos“

Von Christoph Böckmann | 11. März 2016 | Ausgabe 10

RWE muss sich neu erfinden. Mit dem konventionellen Geschäft kommt der Konzern auf keinen grünen Zweig.

„Energiewende heißt: Die Zukunft gehört den Erneuerbaren.“ Das weiß längst auch Peter Terium, Vorstandsvorsitzender bei RWE. Dass der Niederländer dies aber noch mal betonte, als er am Dienstag in Essen die Bilanz seines Unternehmens vorstellte, sollte deutlich machen, dass es nun auch der Versorger aus dem Revier verinnerlichen will.

RWEs aktuelle Zahlen sind verheerend. Der Konzern macht Miese, das Nettoergebnis ging 2015 auf -170 Mio. € zurück. Schuld ist der Margenverfall im konventionellen Geschäft. Mindestens 40 € für 1 MWh müssten die Braun- und Steinkohlekraftwerke bekommen, um rentabel zu sein, rechnet Terium vor. Momentan liegen die Erträge aber nur bei 20 €. Glück für den Konzern: Er hatte sich in der Vergangenheit mit Hedgingmaßnahmen abgesichert. RWE bekomme für 1 MWh aktuell noch 35 €. Doch diese Verträge laufen aus, wann genau, wollen die RWE-Vorstände nicht preisgeben. Sie betonen aber: Kraftwerke, die rote Zahlen schrieben, würde RWE langfristig nicht am Netz halten.

Foto: RWE

„Bei einem aktuellen Börsenstrompreis von 20 € verdient kein einziges Kraftwerk mehr Geld.“ Peter Terium, Vorstandsvorsitzender der RWE.

Welche Ausmaße das haben könnte, zeigt ein Blick auf die Zahlen. Zwar bezeichnet sich der Konzern als „grüner, als viele denken“, doch ist er ganz klar in der konventionellen Erzeugung zu Hause. Nur 10 % seiner Gesamtkapazität stammen bisher aus erneuerbaren Quellen, 90 % dagegen noch aus Braun- und Steinkohle- sowie Gas- und Kernkraftwerken.

Teriums aktuelle Erkenntnis lautet: „Klassische Vollversorger sind chancenlos auf dem Energiemarkt.“ Die Stromversorgung werde dezentraler und komplexer. So will RWE vom reinen Versorger zum Umsorger werden. Angebote wie Steuerungsboxen für das Energie erzeugende Eigenheim sollen Gewinne bescheren. Das Netzgeschäft vermehrt Geld in die Kassen spülen. Denn „Energiewende braucht Netzausbau“, da sind sich alle Experten einig. Auch den Energiehandel sieht RWE als profitables Geschäftsfeld und will es ausweiten. Daneben soll, wie bei Restrukturierungen üblich, kräftig gespart werden.

Im Zuge des Umbaus will Vorstandschef Terium den Konzern aufspalten. Neben der klassischen RWE, die sich weiter ums konventionelle Geschäft kümmert, wird es ab April die „RWE International SE“ geben. Die Ausgründung beheimatet die Zukunftsgeschäfte Erneuerbare Energien sowie Netze und Vertrieb und soll mit einem für Herbst geplanten Börsengang Geld in die Kassen des angeschlagenen Versorgers spülen.

Die Fragen sind nun aber: Werden Investoren zuschlagen oder die Anteilsscheine meiden? Und: Reichen die Umbaumaßnahmen, um das Ruder herumzureißen?

Mit den niedrigen Preisen für konventionell erzeugte Energie stehen die Sterne für RWE zurzeit schlecht. Doch die Essener haben für ihre Braunkohlekraftwerke einen Plan B. Sie könnten als Reserve für den Ökostrom fungieren – einspringen, wenn zu wenig Sonne scheint und zu wenig Wind weht: Kapazitätsmarkt ist das Fachwort dafür. Doch Berlin will davon nichts hören und hält den Geldbeutel geschlossen. RWE wird wohl neben Kohle auch weiter Geld verbrennen.

 CHRISTOPH BÖCKMANN

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