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Mittwoch, 17. Januar 2018

Halbleiter

Mikroelektronik wächst ab 2017 wieder

Von Werner Schulz | 29. April 2016 | Ausgabe 17

Sie zählt zu den festen Frühjahrsritualen zwischen Ostern und Pfingsten, Cebit und Hannover Messe – Die „Trendanalyse Mikroelektronik“ des ZVEI. Ihre neueste Ausgabe beschäftigt sich mit den Jahren bis 2020.

Mikroelektronik BU
Foto: Billerbeck

Automobilelektronik ist und bleibt in Europa das wichtigste Marktsegment für Chips.

Was sind die relevanten Trends der weltweiten Mikroelektronikindustrie und deren Implikationen für die deutsche Wirtschaft?

Trend 1: Die Halbleiterindustrie hat ein Reifestadium erreicht, das ihr langfristiges mittleres Wachstum von 15 % ab dem Jahr 2000 auf immer noch beachtliche 6 % reduziert. Mit signifikanten Ausreißern: „Im Moment sind wir in einer Phase eines Marktrückgangs“, sagt Ulrich Schaefer, Marktexperte beim ZVEI. „2016 ist ein echter Einbruch. Erst nach 2017 wird es wieder wie gewohnt nach oben gehen.“ Der Grund: die lustlos dümpelnde Weltwirtschaft, mit der die Halbleiterlage seit je korreliert. 2015 lag das Jahresvolumen des Halbleiterabsatzes weltweit bei 336 Mrd. $.

Signifikant, aber nicht neu ist das unterschiedliche Wachstum der Halbleiter-Produktgruppen – aktuell zugunsten der Optoelektronik. Sie nimmt heute knapp 10 % des Marktes ein, während die Speicherbausteine weiter zurücktreten. An der Konsolidierung der Speicherhersteller ist das abzulesen: 31 von ihnen gab es im Jahr 1990, 17 im Jahr 2000 und heute gerade noch vier.

Trend 2: Der Anstieg der ausgelieferten Stückzahlen geht, so Schaefer, seit den 1980er-Jahren mit einer mittleren Zuwachsrate von 9 % ungebrochen weiter. Klar: Immer mehr Chips werden in immer mehr Anlagen, Fahrzeugen, Geräten und Gadgets verbaut.

Trend 3: Die bereits angesprochene positive (0,68) Korrelation der Mikroelektronik mit der Weltwirtschaft ist intakt. Wenn auch mit aktuell untypischem Verlauf: Der Anstieg der globalen Wirtschaftsleistung um 3 % wird im Verlauf des Jahres 2016 nur als kurzer Anstieg der globalen Chipstatistik sichtbar sein.

Trend 4: Das regionale Driften der Anwendermärkte in die asiatisch-pazifischen Räume hält ungebrochen an. Es wird verstärkt durch den Zug nach China. Die Volksrepublik ist inzwischen mit 29,4 % der größte Abnehmer von Halbleitern der Welt. 2015 hat ihr Verbrauchsvolumen 98,6 Mrd. $ erreicht. Entsprechend geschrumpft ist der Anteil Europas: auf 10,2 %, und Deutschlands auf 4 %. Die USA sind mit 63,4 Mrd. $ stabil, Japan ist 2015 um 10,7 % auf 31,1 Mrd. $ abgefallen. Die EU steht mit einem Minus von 7,5 % auf 32,9 Mrd. $ nur geringfügig besser da. Allerdings, merkt Schaefer an, stecken in diesen Zahlen auch Währungsverschiebungen zuungunsten Europas.

Der Ausblick auf 2020: Schaefer erwartet für die Jahre 2015 bis 2020 ein mittleres regionales Marktwachstum zwischen 2,3 % (Europa) und 3,3 % (Amerika). China klettert 2020 auf 115 Mrd. $ Halbleiterabsatz, Asien-Pazifik auf 117,4 Mrd. $ und Amerika auf 81 Mrd. $. Dagegen ist in Europa (38 Mrd. $) und Japan (35 Mrd. $) Stagnation angesagt.

Auch bei den Marktsegmenten setzt sich die langfristige Verschiebung fort, in Richtung der Kommunikationstechnik – mit 37,3 % Anteil weltweit der Gewinner.

Signifikant und beachtenswert sind hier allerdings die regionalen Unterschiede bei der Bedeutung der Marktsegmente: Die Unterhaltungselektronik dominiert nach wie vor mit 36 % Weltmarktanteil in Asien-Pazifik. Die Automobilelektronik hat mit 28 % ihre stärkste Position in Europa. Und bei der „Government“-Elektronik, Verteidigung und Sicherheit, führen mit 50 % Weltmarktanteil die USA.

Für Deutschland gilt laut ZVEI die Prognose, dass der Halbleiterumsatz 2016 nur leicht über dem Wert von 2000 liegt. Den stärksten Zuwachs verbuchte in den Jahren von 2000 bis 2015 die Automobilindustrie mit 117 %, gefolgt von der Industrieelektronik mit 59 %. Alle anderen Segmente (Computer, Konsumelektronik, Kommunikation) kaufen 2016 weniger Halbleiter ein. Betrachtet man nicht den Verbrauch, sondern die Produktion, zeigen sich im Hinblick auf Firmensitz und Fertigungsstandort starke Divergenzen. Mehr denn je dominieren US-Firmen mit 52 % die Länderverteilung. Südkorea steigt mit 17 % Anteil auf den zweiten Platz. Japan fällt mit 12 % auf Platz drei. Und EU-Firmen fertigen jetzt, nach dem Aufkauf etlicher US-Unternehmen, 11 % aller Chips der Welt.

Schaut man auf den Standort der Waferfabs, ist das Bild anders: Japan liegt in der Produktionskapazität mit 20 % immer noch an der Spitze. Dichtauf ist Taiwan mit 18 %. Die USA halten 12 %. Und China beheimatet nach stellarem Aufstieg nunmehr 13 % der Fabs. Europa spielt mit 9 % derzeit unter „ferner liefen“.

Auto im Fokus: Noch ein Blick auf die Automobilelektronik, das Paradepferd der Europäer im Wettlauf der Technologien. Bis 2020 könnte die EU beim Verbrauch an Kfz-Halbleitern mit knapp 12 Mrd. $ mit Asien (16,8 Mrd. $) so einigermaßen Schritt halten. Doch die Wachstumsraten von 3,6 % bzw. 6,08 % deuten auf weitere Migrationsströme in Richtung Fernost.

 

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