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Mittwoch, 24. Januar 2018

IFA 2010

Navigation passt sich dem Menschen an

Von R. Bönsch | 10. September 2010 | Ausgabe 36

Wer sich auf der IFA länger in der Halle 9 umsah, dürfte es gemerkt haben: Navigation und die damit verbundenen Geräte werden in Riesenschritten komfortabler. Doch der Weg dorthin ist bei Tomtom, Garmin, Navigon & Co. durchaus verschieden.

"In 50 m nach rechts auf den Kurfürstendamm abbiegen." Geht es nach dem Anbieter von Karten- und Navigationssoftware Navteq, dann sollen in Kürze solche Anweisungen nur noch von möglichst wenigen Navigationsgeräten kommen. Stattdessen sagen sie: "Biegen Sie am gelben Geschäft nach rechts ab." Natural Guidance nennen die Amerikaner ihr Produkt, das sie nun den Herstellern anbieten. "Wir haben Referenzpunkte mit hohem Wiedererkennungswert für die Ansagen herausgesucht", erklärte Andreas Erwig, Leiter des europäischen Produktmanagements. Er weiß, was Studien belegen: Verbraucher wünschen sich intuitivere und praxisorientiertere Fahrhinweise. Und, sie wollen vor allem einfache, komfortable und übersichtliche Navigation.

Das weiß auch Susanne Crefeld, Geschäftsführerin von Garmin Deutschland. Stolz präsentierte sie auf der Berliner Funkausstellung ein neues Feature des weltgrößten Anbieters: die Photo-Real-3-D-Kreuzungsansicht. Was kompliziert klingt, soll vereinfachen. Dafür sind Garmin-Mitarbeiter durch Deutschland gereist und haben 7500 Kreuzungen fotografiert.

Doch das reale Bild reicht nicht, mancherorts verwirrt die kurze Einblendung in die Navigation eher. Die Bilder wurden daher nach Taiwan geschickt und nachgebessert: Da wurden Baumstrukturen verändert, Häuser hervorgehoben und Spuren verstärkt. "Rechts geht es nach Großhadern", bemerkte Crefeld begeistert. Die Kreuzungssituation in der retuschierten 3-D-Ansicht lässt keinen Zweifel zu. Sie wird mit dem nächsten Update auf Highendgeräte von Garmin geladen.

Je mehr Funktionen und Bilder auf die PND, die Personal Navigation Devices, kommen, desto eher scheinen Verbraucher auf größere Bildschirme erpicht zu sein. "5-Zoll-Geräte liegen im Trend", heißt es bei den beiden großen Anbietern Garmin und Tomtom. Und, sie sind sich auch bei einem weiteren Trend einig: Für gute Navigation sind Verbraucher bereit zu bezahlen.

Das Messehighlight Navigon 70 Premium Live zeigt, wohin der Trend bei PNDs, den auf Navigation spezialisierten Geräten, geht. Da zeigt der Active
Lane Assistent die Spuren dynamisch an, über den Bewegungssensor erweitert das Navi mit einer Handbewegung seine angezeigten Menüfunktionen. Ganz besonders beim deutschen Anbieter: Navigon setzt in Städten auf 3-D, allerdings in semitransparenter Ausführung. So ist die Straßenführung hinter den Gebäuden zu erkennen. Neue Dienste wie "Tanken Live" mit aktuellen Spritpreisen und "Events Live" mit Konzerten, Partys und Ausstellungen bereichern wie bei anderen auch das Angebot.

Europas Nummer eins, Tomtom, verkündete auf der IFA eine Kooperation mit Sony. Die beiden Unternehmen haben gemeinsam ein In-Car-Entertainment-System konzipiert, das fest ins Auto integriert wird. Außerdem begrüßten die Niederländer den millionsten HD-Traffic-Kunden in Europa. Denn, so viel steht fest, gerade in Ländern wie Deutschland und den Niederlanden mit ihren immerwährenden Staugefahren sind mehr Informationen gefragt. Die u. a. durch Mobilfunkkunden gewonnenen Daten sind aktueller und aussagekräftiger als TMC Pro. "Je mehr HD-Traffic-Kunden Tomtom hat, desto qualitativ besser, desto genauer werden auch die Prognosen", beschrieb Pressesprecherin Sarah Schweiger. Grund genug für Tomtom, den Dienst auf seinen Highendgeräte wie dem Go 940 Live vorzuinstallieren und den Käufern ein kostenfreies Schnupperabo anzubieten.

Doch der bislang einzigartige Dienst bekommt demnächst Konkurrenz. Navteq gewinnt mittlerweile aus den GPS-Daten von Nokia-Handys sehr genaue Verkehrsdaten. Tomtoms Konkurrent Garmin wird diese Informationen ab Ende September/Anfang Oktober auf seinen Premium-Geräten anbieten.

Eine andere Form von Wettbewerb dürfte sich in den nächsten Jahren zwischen PND und Smartphone abspielen. "In zwei Jahren wird jeder vierte Deutsche ein Smartphone haben", erklärte Navigon-Chef Egon Minar. Grund genug für den hiesigen Navigationsspezialisten, auf die kleinen Geräte zu drängen. Schließlich würden bereits 70 % aller Smartphone-Besitzer ihre Geräte auch zur Navigation nutzen. Die Hamburger waren die Ersten, die auf dem iPhone waren, noch immer ist ihre Navigationssoftware unter den Top 25 der umsatzstärksten Apps zu finden.

"Mehr als 1 Mio. iPhone-Besitzer sind Navigon-Kunden", berichtete Minar stolz. Mehr noch: Navigon ist auf dem neuen Betriebssystem iOS4 des Apple Kulthandys zu finden. Doch Minar und seine Mitarbeiter machen beim iPhone nicht halt. Seit sechs Monaten gibt es die Navigon-App auch auf dem zurzeit erfolgreichsten mobilen Betriebssystem Android von Google.   R. BÖNSCH

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