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Mittwoch, 20. Februar 2019

Wärme

Ökowärmegesetz vom Ländle für den Bund

Von Kathleen Spilok | 5. Juni 2015 | Ausgabe 23

Die Neufassung des Erneuerbare-Wärme-Gesetzes in Baden-Württemberg fordert mehr von Hausbesitzern. Per Ordnungsrecht sollen Sanierungspotenziale gehoben und die Klimaziele doch noch erreicht werden. Dafür darf es auch in kleinen Schritten gehen. Der Bund will prüfen, ob Teile des Gesetzes auch für ganz Deutschland sinnvoll sind.

schwäbisch BU
Foto: Zukunft Altbau

In vielen Heizungskellern muss noch Einsparpotenzial gehoben werden, damit die Klimaziele im „Ländle“ 2050 erreicht werden.

Die Schwaben sind ehrgeizig, ganz besonders wenn es um die Energiewende geht. Das haben sie auf eine einfache Formel gebracht: 50–80–90. Halb so viel Energie wie heute will man im Jahr 2050 noch verbrauchen, 80 % der Energie sollen aus Erneuerbaren kommen und 90 % weniger Treibhausgase dann emittiert werden.

Wärmegesetz 2.0

Allerdings steht fest, dass die bisherigen Gesetze nicht ausreichen, um die gesteckten Klimaziele zu erreichen. In den Gebäuden im Ländle wird oft wenig effizient geheizt: Es gibt noch 1 Mio. Ölheizungen und 800 000 alte Gasheizungen, rund 300 000 Wohnungen werden mit Nachtstromspeicheröfen beheizt.

Daher arbeitet die Landesregierung Baden-Württemberg eifrig an Lösungen und setzt dabei auf die Ordnungspolitik. Ab Juli werden sich die Schwaben mit einem erweiterten Erneuerbare-Energien-Gesetz (EWärmeG) anfreunden müssen.

Darin wurde der Pflichtanteil für Ökowärme von 10 % auf 15 % erhöht. Das heißt, in Zukunft soll mehr Wärme durch erneuerbare Energie erzeugt werden. Außerdem will das Land den Energieverbrauch in sämtlichen beheizten Bestandsbauten senken. Es geht um 2,3 Mio. Wohngebäude und erstmals um 440 000 Nichtwohngebäude. Zusammen verursachen sie rund 30 % des CO2-Ausstoßes.

Vorerst ist Baden-Württemberg das einzige Bundesland mit einem EWärmeG. Aber: Ein Teil davon interessiert auch den Bund brennend. „Wir blicken sehr interessiert auf den baden-württembergischen Sanierungsfahrplan“, äußerte sich Alexander Renner, Referent für Energiepolitische Grundsatzfragen im Gebäudesektor beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.

Der Fahrplan für die Sanierung enthält Vorschläge und Kostenabschätzungen für einzelne Sanierungsschritte und wird von einem Energieberater erstellt. Bei Wohngebäuden erfüllt allein das Erstellen des Sanierungsfahrplans 5 % der Anforderungen an Ökowärme. Bei Nichtwohngebäuden können mit der Planerstellung die Anforderungen komplett erfüllt werden. Das könnte für Büros, Gewerbeimmobilien, Hotels und Krankenhäuser bis zu 20 000 € kosten. Unbeheizte Gebäude wie Fabrik- oder Lagerhallen sind vom Gesetz ausgenommen.

„Aus unserer Beratungspraxis wissen wir, dass gerne schrittweise saniert wird. Da soll der Sanierungsfahrplan ansetzen“, erklärt Martin Pehnt, Geschäftsführer des Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (Ifeu). Es hat den Plan gemeinsam mit den Energieberatern von Econsult aus Rottenburg entwickelt.

Das Beratungsprodukt ist ein sechsseitiger Bericht, der am Kühlschrank hängen könnte – gleich neben den wichtigsten Telefonnummern und dem Einkaufszettel. Der Sanierungsfahrplan schärfe das Bewusstsein für langfristige Erfordernisse und nehme gleichzeitig den Eigentümer an die Hand. „Er zeigt ihm, was er als Erstes tun sollte“, erläutert Pehnt.

Die Vorteile sieht man auch beim Bund. Vor allem, nachdem die steuerliche Förderung von Sanierungsmaßnahmen endgültig vom Tisch ist, braucht er dringend neue Ideen. „Wir setzen auf bewährte Maßnahmen, sehen aber die Notwendigkeit, auch neue Maßnahmen zu beschließen, um ans Klimaziel zu kommen“, erklärt Referent Renner. Ein Gutachten soll untersuchen, wie der Sanierungsfahrplan in die Gebäudestrategie eingepasst werden kann.

Hauseigentümer in Baden-Württemberg haben ab diesem Sommer 14 Möglichkeiten, wenn der Kessel im Heizungskeller den Geist aufgibt oder ein Heizungstausch ansteht: Solarpaneele auf dem Dach, hocheffiziente Wärmepumpen, Kraft-Wärme-Kopplung, Bioöl oder Biogas im Haus oder Dämmstoffe in die Geschossdecken sind ein Teil der Erfüllungsoptionen. Einzeln oder kombiniert müssen sie mindestens 15 % der Wärme aus erneuerbarer Energie erzeugen oder deutlich Wärme einsparen. 2010 wurde das erste EWärmeG verabschiedet. Der Monitoringbericht ein Jahr später weist Fortschritte auf: Die Zahl der Pelletheizungen stieg beispielsweise. Spätestens zur nächsten Auswertung Ende 2018 wird sich zeigen, ob das EWärmeG als schwäbische Spezialität ebenso wie Spätzle und Maultaschen als Exportschlager taugt.K.