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Donnerstag, 21. März 2019

Hannover Messe 2014

Partnerland Niederlande treibt Roboterforschung voran

Von Th. A. Friedrich | 28. März 2014 | Ausgabe 13

Der ausrangierte mattgraue Kampfjet F 16 in Originalgröße unter dem riesigen Dach der Fakultät für Weltraum Ingenieurwesen an der Technischen Universität Delft sieht ziemlich alt aus gegen die flinken sechsarmigen Miniroboter und libellenartigen Flugroboter, die in der riesigen Halle umherschwirren. Hinter einem haushohen schwarzen weitmaschigen Netz lebt ein Schwarm von Kleinstrobotern in dem Anfang März eröffneten CyberZoo – dem ersten in Europa.

„Zebros“-Roboter
Foto: Thomas A. Friedrich

Unermüdlicher Krabbler: Die „Zebros“-Roboter der Universität Delft können notfalls auch über Unebenheiten klettern.

Das Partnerland der Hannover Messe, die Niederlande, zeigt hier ein Beispiel für interdisziplinäre Forschung. Besucher können im Luftfahrtgebäude der TU Delft in einem Karree von 10 m mal 10 m das autonome Leben von "Zebros" und "DelFlys" beobachten. Die Cybertiere schlafen nicht. Sie sind rastlos Tag und Nacht in Bewegung.

Da krabbeln am Boden sechsarmige schachbrettgroße Maschinen namens "Zebros" umher und über ihnen flattern die filigranen 20 g leichten "DelFlies" wie von Geisterhand gesteuert. Eben fast wie in einem Zoo, nur bewohnt von Robotern.

Etwa 22 Delfter Technikstudenten füttern die Boden-ZeBros mit Daten und Computerbefehlen und 25 Jungwissenschaftler entwickeln "E noses" für die smarten Flugroboter, um sie mit Sensoren als Riechnasen auszustatten. 24 Infrarotkamera-Augen über dem Cyberlabor installiert, überwachen jede Bewegung und Interaktion der rund 20 "Robotertiere" untereinander. So können die Roboter mit einer 3-D-Animation jederzeit verfolgt und ihre Zusammenarbeit dokumentiert werden.

"Wir haben immer geglaubt, dass Intelligenz am besten in einem großem Roboter untergebracht werden kann, aber wir befassen uns heute mit der Idee, dass eine Gruppe kleiner, einfacher Roboter viel smarter ist", erklärt Chris Verhoeven, als Teamleiter am TU-Delft-Robotik-Institut. Der niederländische Ingenieur und Professor an der Fakultät für Elektroingenieurwesen, Mathematik und Computerwissenschaften (EEMCS) lässt sich dabei von der Natur inspirieren. Bienen, Ameisen oder Fische können, wenn sie als Gruppe arbeiten, viel komplexere Aufgaben bewältigen als einzelne Individuen.

"Unser Roboterschwarm muss in der Lage sein, auf gleichem Niveau zu arbeiten", steckt Verhoeven das Ziel ab und nennt Beispiele. Im letzten Jahr erprobte die TU Delft mit der Feuerwehr am Ort mit zwölf Flugrobotern vom Typ X100 die Detektion von Waldbränden. So konnten die Einsatzkräfte gezielt zu Brandherden geführt und die Ausbreitung von Flächenbränden minimiert werden.

Auf der Hannover Messe wird die TU Delft neben anderen Ausstellern aus den Niederlanden zeigen, was das Partnerland zu bieten hat. TH. A. FRIEDRICH