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Samstag, 17. Februar 2018

Agritechnica 2013

Präzise Landtechnik schont Böden und Landwirts Rücken

Von P. Trechow | 22. November 2013 | Ausgabe 47

Die Landwirtschaft erlebt einen Modernisierungsschub. Elektronik, Digitalisierung und elektrische Antriebe steigern die Effizienz von Bodenbearbeitung bis Ernte. Die Folge: stetig steigende Erträge trotz rückläufigem Einsatz von Saatgut, Dünger und Diesel. Bodenschonung rückt in den Fokus.

Streifenbearbeitung
Foto: Amazone

Präzision ist Trumpf in der Landwirtschaft von heute: Bei der Streifenbearbeitung finden viele Arbeitsschritte in einem Gang statt. Moderne Technik sorgt für bisher ungeahnte Genauigkeit bei Aussaat und Düngung. Am Ende schließen Verdichterrollen den Boden.

Warum mit hohem Energieaufwand tief pflügen, eggen und dann flächendeckend teuren Dünger streuen, wo gezielte Bearbeitung schmaler Streifen für die Aussaat reicht? Landwirte sprechen von "Strip Till", d. h.: Streifenbearbeitung. Landmaschinenhersteller liefern die nötige, hochpräzise Technik dafür. Diverse Hersteller präsentierten auf der vergangenen Samstag zu Ende gegangenen Leitmesse Agritechnica in Hannover moderne "Strip-Till"-Technik.

Grafik Landmaschinen
Foto: VDI nachrichten

Neue Möglichkeiten für den Landwirt: Bei der „XTill“ genannten Methode werden die Pflanzstreifen getrennt vorbereitet. Über das unterirdische Düngerdepot (s. Pfeile) können Nährstoffe gezielt zugeführt werden.

Die Maschinen bearbeiten parallel sechs bis acht Furchen und lassen dabei eine ganze Kaskade von Arbeitsschritten in einem Durchgang ablaufen. So etwa "Kultistrip" von der norwegischen Kverneland Group. Das Gerät öffnet zunächst per Schneidscheibe den Boden. Nachfolgende Räumsterne befreien das Saatbett von Ernteresten, ehe eine nachgelagerte Schar eine bis zu 30 cm tiefe Furche zieht. Dabei wird wahlweise Dünger oder Gülle in den gelockerten Boden injiziert – das Nährbett für die danach abgelegte Saat. Zuletzt verdichten Andruckrollen die Furche. Diese Prozesskette läuft bei Überfahrgeschwindigkeiten bis 12 km/h ab, wobei sechs Streifen mit jeweils 45 cm bis 75 cm Abstand bearbeitet werden.

In der Regel sind die Streifenbearbeiter modular aufgebaut, um Rollen, Schare und Scheiben je nach Bodenbeschaffenheit im Handumdrehen wechseln zu können. Vorteile des Verfahrens: Stoppeln und Bewuchs zwischen den Streifen bleiben, was Erosion minimiert. Die Bodenstruktur samt Regenwürmern & Co. bleibt anders als beim Pflügen intakt, die natürliche Humusbildung geht schneller. Und nicht zuletzt sinkt gegenüber vollflächiger Bearbeitung der Bedarf an Dünger, Saatgut und Kraftstoff.

Der niedersächsische Landtechnikspezialist Amazone verfolgt den Strip-Till-Ansatz gemeinsam mit Vogelsang. Ein Ergebnis ist der neue "XTill". Weil Anbauversuche gezeigt haben, dass Bearbeitung und Aussaat in einem Arbeitsgang nicht für alle Standorte geeignet ist, setzen die Partner auf getrennte Vorbereitung der Streifen. Erst später wird gesät, wobei Amazone Potenzial des Systems vor allem im Anbau von Mais, Sonnenblumen, Soja, Raps und Rüben sieht.

Beim zeitverzögerten Säen exakt in den vorbereiteten, gedüngten Streifen helfen GPS-Systeme in Kombination mit digitalen Karten und Lenkautomaten. Lenken müssen Landwirte beim Ackerbau nicht mehr. Dank der standardisierten Isobus-Kommunikationswege regeln zudem immer mehr Anbaugeräte auch das Traktor-Tempo. Maßstab ist dabei ihr eigenes Arbeitstempo, etwa beim Streuen von Dünger, beim Säen oder beim Pressen und Wickeln von Stroh- oder Heuballen.

Gerade Sätechnik wird immer präziser. Kverneland zeigte in Hannover mehrere Lösungen, darunter eine Einzelkornsämaschine mit Kamerasystem, das über die gleichmäßige Verteilung teurer Gemüsesaat wacht. Es erkennt Leerstellen wie Mehrfachbelegung auf der Säscheibe und informiert den Fahrer, der dann vom Traktor aus eingreifen kann.

Zur präzisen Dosierung zeigte Kvernelands Sätechnik-Center aus Soest ein elektrisch angetriebenes Dosiergerät für pneumatische Drillmaschinen. Es dosiert Saatgut oder auch Dünger exakt zwischen 1 und 360 kg/ha und ist mit Kornvereinzelung die Basis des "GeoSeed"-Systems des Herstellers. Dieses erlaubt zentimetergenauen Gemüseanbau in absolut gleichmäßigen Quadrat- oder Dreiecksmustern.

Einzelkornsaat mit pneumatischen Drillmaschinen zeigte auch Horsch mit einem Hochleistungsdosierer für Getreide und Raps. Bei bis zu 12 km/h legt er 120 einzelne Körner pro Sekunde. Ein System der Alois Pöttinger Maschinenfabrik erlaubt es, vom Traktor aus einzelne Saatreihen "abzuschalten". Dafür sind die Auslässe am Verteilerkopf einzeln schaltbar geschlossen lassen sie keine Körner mehr in Richtung Boden durch.

Wo Pflanzen wie am Lineal gezogen wachsen und alle Arbeitsschritte digital kartiert sind, wird Ackerbau besser planbar. Die Lenksysteme erlauben es, immer gleiche Fahrspuren zu nutzen und dort nicht zu säen. Damit der Boden in der Spur nicht allzu sehr verdichtet wird, setzen die Maschinenhersteller auf breite Reifen und teils auch Raupenfahrwerke, um die Last besser zu verteilen.

Umfragen der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) zeigen, dass die Nachfrage nach digitaler und elektronischer Landtechnik steigt. Allerdings sind die Systeme inzwischen so komplex, dass nur noch perfekt geschulte Fahrer ihre Vorteile nutzen und den fehlerfreien Einsatz gewährleisten können. Wolfgang Jung, bei der Bernhard Krone GmbH Geschäftsführer für den Bereich Service&Parts, berichtete am Rand der Messe, dass die Kunden in den neuen Schulungszentrum des Unternehmens Schlange stehen.

Auch Claas und Kverneland reagieren auf den gestiegenen Schulungsbedarf -und zwar mit Simulatoren. Claas zeigte eine Online-Lösung, an der Maschinenführer vor der Saison den Einsatz auf Mähdrescher, Feldhäcksler und Traktor trainieren können. Das Tool von Kverneland erlaubt "Training on the job", sprich: Simulation direkt auf dem Traktor. Dafür wird es in dessen Isobus-Buchse eingesteckt und kann dann sämtliche Anbaugeräte des Unternehmens bequem simulieren. Auf Komfort zielt auch ein Traktorsitz von Grammer, der sich beim Schulterblick auf Anbaugeräte automatisch an den verdrehten Rücken anpasst. Das freut nicht nur die Berufsgenossenschaft, sondern auch Bauers Bandscheibe. P. TRECHOW

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