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Samstag, 20. Januar 2018

Automation

Produktion wird durch Roboter wieder attraktiv

Von Martin Ciupek | 8. Juli 2016 | Ausgabe 27

Wie die Zukunft der Robotik aussehen wird, diskutierten Ende Juni hochrangige Vertreter von Herstellern und Anwendern auf der Messe Automatica in München. Dazu eingeladen hatte die International Federation of Robotics (IFR).

IFR-BU
Foto: M. Ciupek

Branchentrend: Die Interaktion zwischen Menschen und Robotern soll die Arbeitswelten in den Fabriken verändern.

„Wir alle hassen es, die gleichen Produkte zu haben, wie unsere Nachbarn“, sagt Stefan Lampa, Vorsitzender der Geschäftsführung Kuka Roboter GmbH in Augsburg. Die daraus resultierende Mass-Customization sei der Grund, warum der Bedarf an flexiblen Automatisierungslösungen für die industrielle Produktion kontinuierlich steige. „Die Fabrik der Zukunft wird roboterisiert sein“, zeigt er sich überzeugt.

Er glaubt, dass die Industrie hier noch am Anfang stehe. Menschen würden künftig verstärkt mit Robotern zusammenarbeiten und dabei den kreativen Teil der Arbeit übernehmen, während die Maschinen den anstrengenden, gefährlichen und schmutzigen Teil erledigten.

Per Vegard Nerseth, der die weltweiten Roboteraktivitäten bei ABB in Zürich verantwortet, sieht ein weiteres Argument für den Einsatz kollaborierender Roboter. Es geht um die Attraktivität der Arbeitsplätze. Und Esben Østergaard, Mitgründer von Universal Robots (UR) aus Dänemark fügt hinzu: „Die industrielle Produktion bot in der Vergangenheit keine attraktiven Karriereperspektiven für junge Menschen.“ Das sei nun anders. Østergaard sieht dabei keine Konkurrenz zwischen Robotern und menschlichen Arbeitskräften. Im Gegenteil: Gerade kleinere Betriebe profitierten von den Lösungen seines Unternehmens und seien damit in der Lage, sogar zusätzliche Mitarbeiter einzustellen, berichtet er.

Attraktiv sind Roboter für Unternehmen insbesondere dann, wenn sie leicht zu bedienen sind und sich einfach in digitalisierte Produktionsabläufe integrieren lassen. „Ich bin davon überzeugt, dass die Mitarbeiter mit der neuen Technologie schnell umgehen können, wenn sie so einfach funktioniert wie ein Smartphone“, sagt dazu Daniel Magnin, der beim Schweizer Nestlé-Konzern für Abfüll- und Verpackungstechnologien zuständig ist.

Grundsätzlich sind die Roboter der führenden Hersteller nach deren Einschätzungen gut auf die Digitalisierung vorbereitet. Aber: „Sie brauchen auch ein Umfeld, welches das ebenfalls ist“, verdeutlicht Kuka-Manager Lempa. Wichtig ist für ihn, dass auch Greifer und andere Geräte in der Produktion ihre Daten aufbereiten und auf einfache Weise kommunizieren können.

Das ist auch im Sinne von Nestlé. „Wichtig ist für uns, dass die Lösungen offen und die Daten verfügbar und leicht zugänglich sind, damit wir die Geräte mit einander verbinden können“, so Magnin.

Foto: Messe München

„Wichtig ist für uns, dass die Lösungen offen sowie die Daten verfügbar und leicht zugänglich sind, damit wir die Geräte miteinander verbinden können.“ Daniel Magnin, verantwortlich für Abfüll- und Verpackungstechnologie bei Nestlé.

Masahiro Ogawa, bei Yaskawa in Japan für das Robotergeschäft verantwortlich, sieht zwischen zwei Geräten bereits gut gelöst. Schwierig sei es aber bei der Definition komplizierter Bewegungsabläufe über verschiedene Ebenen hinweg räumt er ein. „Die zentrale Herausforderung besteht also darin, sowohl die Programmierung als auch die Weitergabe von Programmen zu vereinfachen“, bringt er den Anspruch seines Unternehmens auf den Punkt. Kunden sollten damit befähigt werden ihre Roboter einfach selbst zu programmieren.

Laut Lempa verfolgen Unternehmen bisher zwar unterschiedliche Standards. Es hätten in diesem Fall jedoch alle ein Interesse an einem gemeinsamen Standard. Das „Internet der Dinge“ sei die Basis dafür. UR-Gründer Østergaard erwartet eine baldige Lösung für das aktuelle Durcheinander: „Ich hoffe, dass wir uns schnell auf eine Programmierschnittstelle einigen können. Denn unser Ziel ist es, möglichst viele Roboter zu verkaufen.“ Er weiß aber auch: „Wer am Ende die Programmierschnittstellen kontrolliert, hat einen Geschäftsvorteil.“ ABB-Manager Nerseth rechnet indes damit, dass bereits in fünf bis zehn Jahren jeder Fabrikmitarbeiter einen Roboter per Tabletcomputer bedienen könne.

Im Wandel ist derweil auch der für die Roboterbranche wichtigste Wachstumsmarkt China. Zwar ist die Zahl der dort installierten Roboter im Jahr 2015 um 17 % gestiegen, blieb aber deutlich hinter den von der International Federation of Robotics (IFR) prognostizierten 30 % zurück. Nach Einschätzung der Branchenexperten liegt das einerseits an Überkapazitäten in der chinesischen Automobilindustrie und andererseits an einem langsameren Wachstum der dortigen Elektronikproduktion.

Gleichzeitig wächst der Anteil einheimischer Roboterlieferanten. 2015 betrug dieser 30 %. Daokui Qu, Präsident des chinesischen Roboterherstellers Siasun, erwartet, dass der Anteil bis 2020 auf 50 % steigen wird. Die Chinesische Regierung habe Roboter als strategischen Industriezweig identifiziert und stärke sie im Rahmen des neusten Fünf-Jahresplans. Zudem sei das chinesische Unternehmen Midea dabei, einen großen Anteil an Kuka zu übernehmen. Er könne aber nicht abschätzen wie sich das auf die Marktentwicklung in China auswirke.

UR-Chef Østergaard, rechnet zudem damit, dass sich um die neuen Roboterkonzepte auch neue Geschäftsmodelle entwickeln, wie die Bezahlung pro Handhabungsvorgang oder die Bezahlung für die Fernüberwachung der Anlagen. Durch einem Systemanbieter wurde so etwas mit UR-Robotern bereits realisiert. „Wir arbeiten in einem EU-Projekt zudem mit dem Arbeitsvermittler Randstad zusammen. Sie vermitteln etwa 200 000 Jobs. Einige davon könnten auch Szenarien für Roboter sein.

 Østergaard glaubt, dass viele Länder den Wert der lokalen Produktion erkennen werden und zum Ergebnis kommen: „Wir wollen keine Gesellschaft ohne Produktion.“

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