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Mittwoch, 24. Januar 2018

EMO 2013

RFID-Technik drängt in die Werkzeugmaschinen

Von Ulrich W. Schamari | 20. September 2013 | Ausgabe 38

Ob in der Produktionslogistik, der Sicherheitstechnik oder in der Instandhaltung: Immer mehr Metallbearbeiter nutzen RFID-Systeme. Denn die Kosten für die Technik sinken, die möglichen Reichweiten hingegen steigen. Insbesondere der Markt der gedruckten Elektronik möchte auf Radiowellen nicht mehr verzichten.

$Bild2$RFID-Reader entlang einer Fertigung im Siemens-Werk Amberg erfassen die auf den Werkstückträgern angebrachten Informationen– auch bei kurzen Taktzeiten. Foto: Siemens

Für Peter Früauf vom Fachverband Elektrische Automation im VDMA, Frankfurt, hat die Technologie der Radio Frequency Identification ihren Durchbruch in der Metallbearbeitung geschafft. "RFID ist in der Praxis angekommen", betonte er im Vorfeld der EMO.

Diese Aussage belegten die Berichte über RFID-Anwendungen in der Praxis – von der Lokalisierung von Werkstücken im Produktionsfluss, über die Werkzeugidentifikation und die Wartung von Baumaschinen bis hin zur Kommissionierung. In Einzelfällen sei sogar die Verknüpfung ganzer Prozessketten umgesetzt worden. Die RFID-Technik mache vor allem den Produktionsablauf sicherer und vermeide kostspieligen Ausschuss sowie Fehlbedienung.

Speziell für den Bereich der industriellen Sicherheitstechnik spielt RFID eine immer größere Rolle, berichtet Franz Kretzschmar vom Euchner, Leinfelden-Echterdingen. "Bereits jetzt wird eine große Anzahl an Sicherheitsschaltern mit RFID-Technologie ausgestattet", so der Spezialist für Positionserkennung. Sicherheitsschalter mit RFID werden demnach bereits seit zehn Jahren entwickelt. Grund für den Einsatz dieser Technologie seien die stetig steigenden Anforderungen an das Sicherheitsniveau sowie die Bedienbarkeit der Sicherheitsschalter.

Auch der technologische Fortschritt im Bereich der gedruckten Schaltungen kommt dem zunehmenden RFID-Einsatz zugute. Hierzu erläuterte Christina Petzhold von Polytec in Waldbronn: "Für den neu entstehenden Markt der gedruckten Elektronik werden elektronische Schaltungen wie zum Beispiel RFID-Antennen auf flexible Untergründe wie Papier, Folien oder Stoffe gedruckt." Als Leiterbahnen würden dazu in der Regel metallische Nanopartikel-Tinten verwendet. Diese erreichten eine gute Leitfähigkeit, indem man sie nach dem Drucken sintere. Mit der Sinter-Methode "verbacke" man sie unterhalb ihres typischen Schmelzpunkts zu einem Festkörper.

Dass sich die RFID-Technologie in den letzten Jahren immer mehr durchgesetzt hat, bestätigte auch René Dünkler vom Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen (IIS) in Erlangen. "Speziell in Logistikanwendungen, aber auch in Zugangssystemen wird RFID vermehrt eingesetzt", betonte er. Dies liege an sinkenden Kosten, an der Erweiterung der Frequenzen und damit möglichen höheren Reichweiten, aber auch schlicht an der Erkenntnis, dass RFID für die Optimierung von Prozessen einen Mehrwert geben könne. Verschiedene technologische Erweiterungen, so Dünkler, begleiten und verstärken diesen Trend: die Kombination von RFID und Sensorik, die Integration von RFID in Materialien wie Faserverbundwerkstoffe und Metalle, die Erweiterung der Standards – etwa die Integration von Near Field Communication ins Handy – ebenso wie die Nutzung von Polymeren und anderer neuer Materialen, die Erweiterung um Ortungsfunktionen und schließlich die Entwicklung hin zu Sensornetzwerken.

Die technischen Möglichkeiten der RFID-gestützten Messstellenerkennung bieten insbesondere im Bereich der Inspektionsüberwachung Vorteile. Michael Nöth, Maintenance Consultant bei SKF in Schweinfurt, stellte fest: "Hier werden mittels Hard- und Software gewisse Anlagenparameter inspiziert. Speziell Industriezweige, in denen schmutzige Einsatzbedingungen vorherrschen, weisen einen Bedarf nach dieser Technologie auf." Auch Anwender, die aufgrund von Hitze Probleme mit der Messstellenerkennung via Barcode hätten, würden immer wieder nach RFID-Systemen fragen.

Obwohl die RFID-Technik schon seit Jahrzehnten im Einsatz ist, hat sie in den letzten Jahren einen wahren Entwicklungsschub erfahren. Laut Markus Weinländer von der Siemens Industry Automation Division in Nürnberg sind RFID-Systeme längst industrietauglich. Dazu hätten etwa intelligente Algorithmen zur automatischen Anpassung der Reader-Einstellungen an sich verändernde Umgebungsbedingungen sowie spezielle, hitzefeste Einmal-Transponder geführt. Doch RFID habe mehr zu bieten als Kostenvorteile: Als Technik zur automatischen Identifikation von Teilen aller Art sei sie der Kernbaustein für eine variantenreiche Fertigung bis zur "mass customization" – und damit ein wichtiges Instrument zur Umsetzung einer Unternehmensstrategie.  ULRICH W. SCHAMARI

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