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Mittwoch, 20. Februar 2019

Informationstechnologie

SAP: Hana und die Altlasten

Von Harald Weiss | 29. Mai 2015 | Ausgabe 22

Der Trend geht eindeutig zu neuen In-Memory-Systemen, bei denen die Daten entweder komplett oder zumindest überwiegend in schnellen Halbleiterspeichern gehalten und verarbeitet werden. Deutschlands Softwareunternehmen Nummer 1, die Walldorfer SAP, hat gleich zwei Probleme: Die Anwender steigen nicht in ausreichender Zahl auf SAPs In-Memory-Technologie Hana um, und das neue Credo „Run Simple“ zwingt Berater und Installationsprovider, die an der Implementierung von SAP bisher gut verdienten, sich neue Geschäftsmodelle zu suchen.

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Foto: Panther Media/everythingispossible

„Make it simple“ – vereinfache Dinge – lautet ein neues SAP-Credo. Doch die Berater, die an den Installationen bislang gut verdient hatten, sollen sich jetzt andere Geschäftsmodelle suchen.

Die Walldorfer Softwareschmiede SAP hat sich mit seiner weiteren Produktentwicklung festgelegt: Alles dreht sich in Zukunft nur noch um die In-Memory-Datenbank Hana.

Nachdem im Februar das neue System S/4 Hana vorgestellt wurde, präsentierte man auf der diesjährigen Kundenveranstaltung in Orlando ergänzende Komponenten sowie erste Erfahrungen und die weitere Roadmap. Konkret gab es die Ankündigung der Hana-Cloud, die vorgefertigte Lösungen für neun Fachbereiche enthält.

Dazu gehören unter anderen das Finanzwesen, die Instandhaltung, Forschung & Entwicklung, Vertrieb, Management der Lieferkette, Einkauf und Beschaffung sowie die Produktion. Wer Hana im hauseigenen Rechenzentrum betreibt, kann jetzt auf 25 Branchenlösungen zurückgreifen – also praktisch auf die gesamte SAP-Branchenpalette.

Gleichzeitig versucht der Softwareriese aus Walldorf mit dem alten Image aufzuräumen, wonach die SAP-Software zwar leistungsstark ist, doch leider auch kompliziert in der Installation und problematisch bei den Einstellungen. „In Zukunft wird alles ganz einfach“, hatte SAP-Chef Bill McDermott schon im vorigen Jahr seinen Kunden und Partnern versprochen. Danach folgten ein paar passende Produktnamen (Simple Finance) und ein neuer Slogan (Run Simple), mit denen die neue Strategie untermauert werden sollte.

Foto: H.Weiss

SAP-CEO Bill McDermott möchte dem Walldorfer Konzern ein neues Image geben: einfach zu installieren und unkompliziert in den Einstellungen.

Die Leidtragenden an dieser neuen Strategie sind vor allem die Zigtausend Berater, die an den SAP-Einführungen bislang gut verdienen. McDermotts Rat an diese wichtigen Partner ist dem ähnlich, was alle großen Anbieter derzeit ihren Beratern sagen. „Ihr müsst euer Geschäftsmodell ändern. Statt der Installation und Einstellung muss euer Beratungsfokus in Zukunft auf der Entwicklung von neuen Geschäftsmodellen liegen“, so sein Credo. „Lösungen also, mit denen sich der Kunde von der Konkurrenz abheben kann.“ Das wird sich vermutlich nicht so einfach umsetzen lassen, denn das erfordert einerseits viel mehr Wissen um die Geschäftsprozesse einer Branche und um deren Anwender und andererseits viel weniger IT-Kenntnisse.

Wie solche neuen Geschäftsmodelle konkret aussehen könnten, zeigte SAP an verschiedenen Beispielen: Logistikoptimierung im Hamburger Hafen, Einsatzoptimierung von Flugzeugen und Crews bei Störungen des Flugplans, ein Absatz-Vorhersagemodell beim Sportartikelhersteller Under-Armour und Echtzeit-Analytics bei Wal Mart. Laut SAP sind all diese Beispiele nur mit einem leistungsstarken Hana-System möglich. „S/4 Hana ist die ideale Startbahn für beschleunigte Anwendungen beim Internet der Dinge und bei allen Big-Data-Analysen; das System kann Daten 1800-mal schneller analysieren als die schnellsten Produkte unserer Konkurrenten“, lobte McDermott das neue System.

Viele Kunden halten noch an alten SAP-Lösungen fest

Doch trotz dieser modernen neuen Technologie hat SAP noch mit vielen Altlasten zu kämpfen, denn obwohl Hana bereits im November 2010 verfügbar war, nutzen es bislang nur 400 Unternehmen. Viele der knapp 300 000 SAP-Kunden sind sogar noch auf der Vor-Vorgänger-Version R/3 und haben noch nicht einmal die Umstellung auf die im Januar 2003 vorgestellte Netweaver-Plattform vollzogen.

Dann gibt es auch noch über 1000 SAP-Kunden, die die einstmals hoch gepriesene ERP-Suite „Business by Design“ (ByD) nutzen. Einer davon ist die Unternehmensberatung Roland Berger (RB). Deren CIO Daniel Gerster hat sich vor zweieinhalb Jahren für ByD entschieden. „Es ist die einzige komplette Enterprise-Solution in der Cloud“, erklärt er die Gründe für dieses SAP-Produkt, über das es viele Jahre kaum positive Nachrichten gab.

Das Problem der IT-Lösung bei RB ist, dass man zwischen die Stühle rutscht. Mit 2700 Mitarbeitern ist man eigentlich ein mittelständischer Betrieb, doch mit über 51 Büros in 36 Ländern betreibt man eine Infrastruktur, die einem globalen Großkonzern entspricht. Und so war auch der Rat seitens SAP zunächst nicht sehr ermutigend. Von dort hieß es, dass man für ByD „viel zu groß sei“. Heute arbeiten 800 Mitarbeiter mit dem System und die Erfahrungen sind gemischt.

„Ab und zu ist es sehr langsam und es mangelt bei SAP an qualifiziertem Know-how“, lautet die Kritik von Gerster. Das gegenwärtige Gerede um die „Einfachheit“ hält er für unnötiges Marketinggetöse. „Sie sollten lieber konkrete Vorteile von ihren Lösungen kommunizieren, so, wie es ihre Konkurrenten mit Erfolg machen“, war sein Kommentar zu McDermotts Eröffnungsrede.