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Donnerstag, 14. September 2017, Ausgabe Nr. 37

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Software

SAPs neue Business-Plattform stößt nicht bei allen Anwendern auf Zuneigung

Von Michael Matzer | 20. Februar 2015 | Ausgabe 08

Der deutsche Softwarekonzern SAP hat kürzlich die vierte Generation seiner Suite von betriebswirtschaftlichen Anwendungen vorgestellt. S4/Hana soll die „digitale Transformation“ von Unternehmen fördern. SAP-Anwender hingegen betrachten S4 als geeignet nur für den kleinen Kreis „visionärer Unternehmen oder Vorreiter“.

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Foto: SAP

SAP-Chef Bill McDermott sieht in S4/Hana den nächsten großen Schritt der Walldorfer Softwareschmiede.

Ob Warenwirtschaft, Buchhaltung oder Personalbeschaffung – seit über 40 Jahren erstellt SAP betriebswirtschaftliche Standardsoftware (ERP, siehe Kasten) für alle Unternehmensbereiche und Branchenlösungen für rund 25 Wirtschaftszweige. Die Version R/3 war die erfolgreichste Version dieser Softwareplattform und machten die Walldorfer zum größten europäischen Softwarehersteller (Umsatz in 2014: 17,56 Mrd. €, Gewinn vor Steuern 4,36 Mrd. €).

Was ist Hana?

Die jetzt vorgestellte Anwendungsplattform S4/Hana stellt die nächste Generation der Unternehmenssoftware dar. Sie folgt drei Prämissen, wie der SAP-Vorstandsvorsitzende Bill McDermott sagte: „S4 unterstützt das in Echtzeit agierende Unternehmen; sie arbeitet vernetzt, um Cloud-Software von SAP zu unterstützen; und sie arbeitet so einfach wie möglich.“ Denn Cloud-Unternehmen und solche, die die digitale Transformation im Auge haben, würden jedwede Komplexität scheuen.

Für diese drei Ziele hat SAP mehrere Entwicklungen der letzten Jahre zu einem neuen Angebot zusammengeführt. Das bedeutet: ERP, die Datenbanktechnologie Hana und neue verbesserte Anwendungen verschmelzen in einem Produkt, das über den Browser genutzt werden kann. Nichts davon ist wirklich neu außer dem stark verringerten Platzbedarf. Alle Anwendungen SAPs werden auf die Datenbankplattform Hana portiert (siehe Kasten). Somit kann Hana seine großen Leistungsvorteile für diese Anwendungen ausspielen.

Was ist ERP?

Der verringerte Speicherbedarf erlaube es nach den Worten des Aufsichtsratsvorsitzenden Hasso Plattner künftig, Transaktions- und historische Daten im gleichen System auf einem Endgerät von der Speicherkapazität eines Smartphones oder Tablets mit mindestens 8 GByte Arbeitsspeicher (RAM) bereitzustellen. Dort laufe die Datenverarbeitung bzw. das Reporting drei- bis fünfmal schneller als bisher. Reports lassen sich sogar auf einer Smartwatch abrufen. Durch Parallelverarbeitung auf dem Server sollen Datenauswertungen um den Faktor 1800 beschleunigt werden können, etwa für Simulationen und Vorhersagen, beispielsweise im Bereich der vorausschauenden Wartung.

Doch die Anwender, die in der Deutschsprachigen SAP Anwendergruppe DSAG organisiert sind, sehen S4 mit kritischen Augen. Sie erkennen die Fortschritte an, die S4/Hana innerhalb der Strategie von SAP mit sich bringt, pochen aber auf die Einhaltung von Vereinbarungen, die ältere Versionen der Business Suite betreffen.

„Die Strategie der SAP, S4/Hana ihren Kunden sowohl im eigenen Haus als auch in der Private und in der Public Cloud zur Verfügung zu stellen, ermöglicht den Unternehmen, das für sie sinnvolle Betriebsmodell zu wählen“, so Gerhard Göttert, DSAG-Vorstand für das Anwendungsportfolio. Damit spiele SAP in der gleichen Liga wie seine großen Rivalen Microsoft und Oracle. Diese verfügen ebenfalls über Cloud-fähige Suiten für Standardsoftware. „Diesen Trend treibt die Nachfrage nach Cloud-fähigen Anwendungen aus den USA ganz klar voran“, so der Analyst Rüdiger Spies von Pierre Audoin Associates.

Doch DSAG-Vorstandsvorsitzender Marco Lenck kritisiert, dass S4/Hana „sich nur für visionäre Unternehmen bzw. Vorreiter eignet, für die innovativ abgebildete Geschäftsprozesse einen großen Wettbewerbsvorteil darstellen“. Deshalb winkt er für die Mehrheit der Anwender dankend ab: „Für den Großteil der Unternehmen dürfte das Produkt noch Zukunft bleiben. Ihre Prioritäten liegen eher auf klassischen Projekten rund um das ERP-System.“

IDC-Analyst Matthias Zacher pflichtet diesem kritischen Urteil bei: „Aktuell profitieren vor allem diejenigen Unternehmen von S4/Hana, die auf die Karte Digitalisierung setzen, die also ihre Geschäftsprozesse unter den Aspekten Flexibilität und Performance redesignen, oder die sich in einer Transformationsphase befinden.“

Das Preismodell ist seit jeher ein Zankapfel zwischen der DSAG und den Walldorfern, daher mant Andreas Oczko, Vorstand für Operations/Service & Support bei der DSAG, bereits im Vorfeld: „Wir als DSAG sind davon überzeugt, dass die Kunden ein Anrecht darauf haben, dass über die Datenbank hinaus keine weiteren Lizenzkosten für S/4Hana entstehen.“ Das heißt, dass die Anwender für die zusätzliche Software nicht mehr zahlen wollen als das, was in ihrem Wartungsvertrag vereinbart ist.

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