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Sonntag, 21. Januar 2018

Informationstechnologie

SDN: Riesiges Potenzial, aber Vorsicht bei der Einführung

Von Harald Weiss | 20. September 2013 | Ausgabe 38

Software-definierte Netzwerke (SDN) revolutionieren derzeit das seit Jahrzehnten kaum veränderte Netzwerkmanagement. Doch die Einführung will wohl überlegt sein, denn falsche Architekturentscheidungen können verheerende Folgen haben.

SDN: Riesiges Potenzial, aber Vorsicht bei der Einführung

Software-defined Networking gehört Experten zufolge die Zukunft. Doch die Einführung ist nicht ohne. Foto: Panthermedia

Glaubt man IDC-Analyst Rohit Mehra, wird der weltweite Markt für Software-defined Networking (SDN) von derzeit 400 Mio. $ bis 2016 auf 3,7 Mrd. $ ansteigen.

"SDN erlebt die mit Abstand größten Steigerungsraten, die wir jemals in der IT-Welt gesehen haben", lautet seine Zusammenfassung über die jüngste IDC-Marktuntersuchung. Hintergrund für den Boom ist laut Mehra, dass "die Anforderungen an die Rechenzentren im Zeitalter des Cloud-Computing nur noch mit SDN erfüllt werden können" – eine Einschätzung, die von vielen Netzwerkexperten geteilt wird.

Bei SDN handelt es sich um eine völlig neue Netzwerktechnologie, die sehr viele Vorteile bietet. Sie ermöglicht Netzwerkadministratoren, das Netzwerk einfacher zu verwalten, indem untere Funktionsebenen in virtuelle Services abstrahiert werden. Die Hardware muss also nicht mehr wie bisher manuell konfiguriert werden. Richtig eingesetzt, macht SDN die IT-Netze flexibler, verkürzt die Inbetriebnahme von Netzwerkkomponenten, erhöht die Servicequalität (QoS), reduziert die Betriebskosten und macht die Netze sicherer.

Fehlende Standards und konkurrierende Architekturen sorgen für Verwirrung

Doch die Beschaffung und Einführung von SDN gestaltet sich schwierig, was unter anderem an den unvollständigen Standards sowie an den vielen verwirrenden Ausführungen der Anbieter liegt. Wer die Einführung von SDN plant, muss sich auf einen Schlingerkurs gefasst machen, der viel Geduld erfordert.

Doch worauf müssen IT-Chefs und Netzwerkadministratoren achten, wenn sie sich auf die SDN-Reise begeben?

Ganz allgemein gilt, dass sich die SDN-Technologie noch in einem sehr frühen Stadium befindet. Das bedeutet, dass es konkurrierende Architekturen gibt, die sorgfältig zu testen sind, bevor man sich festlegt. "SDN ist bislang nur ein Programmiergerüst, innerhalb dessen es viele verschiedene Ausprägungen und Netzwerkcontroller geben wird", prophezeit Dan Pitt, Chef der Open Networking Foundation.

Wie bei allen fundamentalen Infrastrukturprojekten ist zunächst eine Zielvorgabe zu erstellen. Es ist völlig unrealistisch, ein bestehendes Netz im Handumdrehen auf SDN umzustellen – auch wenn genau das viele SDN-Anbieter versprechen. Die Zielvorgabe muss deshalb mindestens vier Zahlen enthalten: Planungszeitraum, maximal verfügbare Mittel, geplante Einsparungen bei den Betriebskosten sowie die Mindest-QoS.

Experten erachten es als sinnvoll, zunächst eines der Ziele auf einem Teilgebiet zu erreichen. Beispielsweise eine neue QoS-Vorgabe über das gesamte private WAN hinweg. Auch Betriebsvorgaben sind ein guter Anfang. So kann man beispielsweise die Zeitvorgabe für das Einrichten einer neuen Netzwerkkomponente reduzieren. Ein großer Teil der Vorbereitung ist den bestehenden Switches und Routern zu widmen. Je nach dem, für welche SDN-Architektur man sich entschieden hat, können erhebliche Probleme bei der Koexistenz althergebrachter Netzwerkkomponenten mit den neuen SDN-Protokollen auftreten.

Der größte Vorteil von SDN sind die Kosteneinsparungen an den Netzwerkkomponenten. Es muss mit spitzem Bleistift ausgerechnet werden, was im geplanten Zeitraum eingespart werden kann, und diese Werte sind entsprechend dem Projektverlauf ständig anzupassen

Außer dem vereinfachten Netzwerkmanagement und deutlichen Kosteneinsparungen erlaubt SDN auch die Implementierung von neuen zentralen Sicherheitsfeatures, die einfacher zu verwalten sind und im Bedarfsfall schneller reagieren können

Schlussendlich muss auch der Faktor Know-how berücksichtigt werden. Da es innerhalb eines Unternehmens bislang noch wenige SDN-Experten gibt, muss man sich extern abstützen. Das kann eine auf SDN spezialisierte Servicefirma. Auf jeden Fall ist umgehend damit zu beginnen, eigenes Know-how aufzubauen. Hierbei sollte ein Strukturvorteil von SDN genutzt werden.

Diese neue Technologie ist praktisch eine höhere Netzwerk-Aggregationsebene. Es ist deshalb sinnvoll, dieses auch bei den personellen Zuständigkeiten zu berücksichtigen, indem man SDN in weitergehende Aufgabenbereiche eingliedert, beispielsweise in Verbindung mit Virtualisierung oder der Software-definierten Datenspeicherung.  HARALD WEISS

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