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Donnerstag, 19. Oktober 2017, Ausgabe Nr. 42

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Automatisierung

Schon bald ist China das Land mit den meisten Industrierobotern

Von H. Weiss | 30. August 2013 | Ausgabe 35

In den USA und in Asien boomt der Markt für Roboter. Bei den Industrierobotern sorgt vor allem die wieder erstarkte Automobilindustrie für einen neuen Höhenflug. Ergänzt wird dieser Aufwärtstrend durch einen neuen Schub bei den Servicerobotern, die in immer neue Anwendungsfelder vordingen – bis hin zur Hamburger-Zubereitung und dem Erdbeerpflücken.

Schon bald ist China das Land  mit den meisten Industrierobotern

Schnelle, flexible Industrieroboter haben derzeit Konjunktur rund um den Globus – mit Schwerpunkten in den USA und China. Im Bild das Handling von Gussteilen. Foto: M. Ciupek

Ende vergangenen Jahres waren über 1,2 Mio. Industrieroboter in der Welt im Einsatz und bis 2015 sollen es 1,58 Mio. Systeme werden, berichtet der Branchenverband International Federation of Robotics (IFR), Frankfurt.

Weltweit wurden 2012 im vorigen Jahr 200 000 Roboter abgesetzt, ergänzt das Forschungsinstitut IMS Research.

Führendes Herstellerland ist weiterhin Japan. So kamen von dort im letzten Jahr 31 000 Systeme. Auf Platz 2 liegen die USA mit 28 000 Robotern. Dort boomt wieder der Inlandsmarkt. Nach deren Handelsorganisation Robotic Industries Association (RIA) wurden in den USA im letzten Jahr 22 598 Roboter im Wert von 1,48 Mrd. $ verkauft. Das entsprach einem Umsatzplus von 17 %.

Dabei entwickelte sich das Geschäft im Jahresverlauf immer besser und schloss mit einem Rekordergebnis im vierten Quartal ab. Auch die weiteren Aussichten sind sehr gut. Die US-Marktforscher von Freedonia schreiben in ihrer jüngsten Studie, dass "die USA am Beginn einer förmlichen Marktexplosion bei Robotern stehen".

Laut IFR wird China schon im nächsten Jahr das Land mit den meisten Industrierobotern sein. Der dortige Markt boomt. Laut Wang Ruixiang, Präsident der China Machinery Industry Federation hält das Land bereits jetzt einen weltweiten Marktanteil von 20 %. Kuka in Augsburg meldete, dass man im vorigen Jahr 15 000 Roboter nach China verkauft habe und in diesem Jahr sollen es 20 000 Systeme werden. Auch Fanuc, ABB und Yaskawa berichten von einem riesigen chinesischen Absatzmarkt.

Unklar ist aber weiterhin, welche Bedeutung der Elektronikhersteller Foxconn dabei haben wird. In den Statistiken über den Absatz von Robotern nach und in China spielen deren Roboter keine Rolle, da alle Systeme, die ein Unternehmen zum Eigenbedarf produziert, nicht erfasst werden. Das könnte bedeuten, dass China bereits der größte Anwender von Industrierobotern ist

Denn Foxconn-Chef Terry Gou hatte vor zwei Jahren angekündigt, dass man bis 2014 "1 Mio. Roboter im Einsatz haben wird". Doch das war vermutlich nur ein PR-Gag oder eine Kampfansage an die eskalierten Probleme mit den Mitarbeitern, den Gewerkschaften und mit den US-Auftraggebern. Gemäß dem damaligen Plan sollten bis Ende 2012 bereits 300 000 Roboter bei Foxconn im Einsatz sein, doch bis jetzt sollen es 20 000 sein, also nur 7 % der Zielvorgabe.

Es ist auch kaum vorstellbar, dass ein einziges Unternehmen innerhalb von nur drei Jahren den gesamten weltweiten Bestand an Robotern nahezu verdoppeln kann. Auch die Finanzanalysten waren von Anfang an skeptisch. Foxconns Eigenentwicklung, der Foxbot, kostet in der Eigenherstellung etwa 20 000 $ bis 25 000 $. Für 1 Mio. solcher Systeme müsste Foxconn also innerhalb von 3 Jahren 20 Mrd. bis 25 Mrd. $ investieren – und das ohne die Installations-, Schulungs- und Anlaufkosten.

Neben den Industrierobotern, deren Märkte teilweise schon gesättigt sind, gibt es eine andere dynamische Entwicklung bei den Servicerobotern. Hier sind die Aussichten noch um einiges besser als bei den bekannten Systemen in den Fertigungsstraßen. Einer Studie von Wintergreen Research zufolge wird es bei den Servicerobotern bis zum Ende des Jahrzehnts ein durchschnittliches jährliches Plus von 17,4 % geben. Die zukünftigen Haupteinsatzgebiete sind im zivilen und militärischen Rettungsdienst zu finden. So wie es bei den Reinigungs- und Aufräumarbeiten in den kontaminierten Kernkraftwerkblöcken von Fukushima bereits geschah.

Darpa, die Forschungsabteilung des Pentagons, hat für diese Art Serviceroboter bereits attraktive Förderungs- und Preisgelder ausgeschrieben. Das gegenwärtige Flaggschiff-System heißt Atlas und kommt von Boston Dynamics. Dieser Humanoid gilt allgemein als der derzeit intelligenteste menschenähnliche Roboter. In einem bevorstehenden Wettbewerb soll Atlas mit anderen ähnlichen Systemen komplexe Befehle ausführen können. Beispiele hierfür sind: "Öffne die Tür", "Gehe die Treppe hinauf", "Öffne das Fenster" oder "Werfe den Gegenstand, der vor deinen Füßen liegt, aus dem Fenster".

Ein weiteres großes Betätigungsfeld ist das Gesundheitswesen. So werden in den USA immer häufiger Roboter als Chirurgen für einfache Operationen eingesetzt. Die vielen Kriegsverletzung der letzten Jahre haben dort auch einen Boom im Bereich Bionik ausgelöst. So werden die Prothesen immer intelligenter und lassen sich immer perfekter mit dem menschlichen Körper integrieren.

Ein ganz anderes Einsatzfeld für die Serviceroboter sind Restaurants. Hier könnten bald viele Roboter in der Küche stehen, so die Prognosen der Experten. Derzeit testet das Start-up Momentum Machines ein System, das Hamburger zubereitet. Der Roboter schafft nach Firmenangaben 360 Hamburger/h, wobei er alle Zutaten, wie Tomaten und Zwiebeln, frisch schneidet und anrichtet. Sobald die Tests erfolgreich abgeschlossen sind, will das Unternehmen eine eigene Hamburgerkette starten, bei der in der Küche nur noch Roboter arbeiten.

Die Zukunft der Roboterforschung fokussiert sich in den USA aber auch auf die Landwirtschaft – und zwar auf den komplizierten Bereich der Obst- und Gemüseernte. Im Test befinden sich bereits Roboter für die Salaternte und für das Pflücken von Erdbeeren. Hierzu werden in Kalifornien Systeme des spanischen Herstellers Agrobot getestet, die mit 24 Armen ausgestattet sind. Das System verfügt über optische Sensoren und die Erdbeeren werden nach Farbe, Reife und Größe ausgewählt. Doch bis zur Serienreife dieser Systeme ist es noch ein langer Weg. Experten schätzen, dass es je nach Obst-oder Gemüseart noch drei bis zehn Jahre dauern wird. H. WEISS

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