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Montag, 22. Januar 2018

Halbleiterfertigung

Semicon Europa: Aufbruchsignal für Europas Chiphersteller

Von W. Schulz | 25. Oktober 2013 | Ausgabe 43

Zur Semicon Europa in Dresden, der europäischen Messe des Weltverbandes der Ausrüster von Chipfabriken Semi (8. bis 10. Oktober), gaben sich die Europäer als Teil der globalen Chipindustrie selbstbewusst. Bis 2020 wollen sie ihren Weltmarktanteil verdoppeln.

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"Europa ist ein vitaler Teil des Halbleitermarktes", betonte Denny Mc Guirk, Präsident der Semi, des Verbandes der Hersteller von Chip-Fertigungsequipment und -Materialien, anlässlich der diesjährigen Kongressmesse Semicon Europa in Dresden. Angesichts eines europäischen Anteils von knapp 10 % an der weltweiten Fertigungskapazität ist das ein aufmunterndes Statement. Denn die europäischen Halbleiterstrategen wollen mehr. Bis 2020 sollen mit der ambitionierten "EU10/100/20"-Initiative zumindest 20 % der global produzierten Chips wieder in Europa entstehen. Angetrieben mit einem Fördervolumen von 10 Mrd. € nebst Beitrag der beteiligten Firmen von 100 Mrd. €.

Semicon Europa

Das ist beschlossene Sache, aber trotzdem auch Zukunftsmusik. Denn derzeit durchläuft das Geschäft der Equipmenthersteller einen Abschwung von 2 %. Ihren Abnehmern, den Chipmachern, geht es mit einem für ihre Verhältnisse bescheidenen Plus von prognostizierten 3,3 % im Jahr 2013 nicht viel besser. Dementsprechend halten sie sich mit Investitionen zurück. Doch schon 2014 soll es mit den anstehenden Erweiterungen der Kapazitäten im Zuge der Umstellung auf die riesigen 450-mm-Siliziumwafer wieder aufwärtsgehen. Den Fab-Ausrüstern verspricht McGuirk Zuwächse um 15 % – mit dem ironischen Zusatz, dass er jedes Jahr auf den Anstieg im nächsten Jahr verweise.

Die Position der Equipmenthersteller ist derzeit stark, aber gefährdet. Bislang, sagt Bas van Nooten, Direktor des europäischen Kooperationsprogramms
EEMI450, liefern weltweit drei große Anbieter – darunter ein europäisches Unternehmen – 50 % des gesamten Fertigungsequipments für die Chips. Auf der anderen Seite, so van Nooten, ist aber die Konsolidierung ihrer Abnehmer so weit fortgeschritten, dass nur noch drei Chipmacher 50 % der gesamten Equipmentfertigung abnehmen.

Van Nooten ist auch einer der führenden Köpfe hinter der Anerkennung der Halbleiterchips als Schlüsseltechnologie ("Key Enabling Technology") in der europäischen Politik. Denn damit sich die Lage der europäischen Chiphersteller und ihrer Zulieferer verbessert, sind gewaltige Investitionen vonnöten.

Eine Halbleiterfabrik kostet heute schnell 10 Mrd. $. In die Forschung und Entwicklung von Pilotlinien, etwa für die 450-mm-Wafer und deren EUV-Lithografie, fließen ähnliche, wenn nicht größere Summen. Sie sind nur durch öffentlich-private Partnerschaften realisierbar. Und die Konkurrenz schläft nicht: So erwägt z. B. der US-Staat New York die Investition von 45 Mrd. $ in einen neuen Campus nahe der Hauptstadt Albany, mit drei forschungs- wie fertigungsnahen Reinräumen für die neueste Wafergeneration.

"Solche Summen sind die neuen Richtgrößen unserer Industrie", sagt Andreas Wild, Exekutivdirektor des Gemeinsamen Unternehmens Eniac für die nachhaltige Entwicklung der Nanoelektronik in Europa mit Sitz in Brüssel. "Da ist ‚EU 10/100/20‘ ein strategisch wichtiger Neubeginn." Das Ergebnis, so Wild, müsse sein, dass sich Europa im internationalen Wettbewerb zurückmeldet. "Da sind Investitionen von 10 Mrd. € ungefähr so viel, wie in Deutschland ein Bahnhof kostet."

Für die Ansiedlung von neuen Chipfabriken, sagt Gerd Teepe, Director Design Engineering bei GlobalFoundries in Dresden, spielen die Arbeitskosten keine große Rolle, eher schon die Energiekosten. "Das Argument für Europa ist der hohe Ausbildungsstand der Ingenieure." Auch wenn derzeit, so Teepe, ein gewisser Mangel herrscht. "Die Lösung ist ein University Ranking. Wir brauchen Leuchttürme wie Harvard, Stanford und MIT, um Talente aus Asien oder Südamerika anzulocken."

Auch Heinz Martin Esser, Geschäftsführer der Roth & Rau – Ortner GmbH und Vorstand des Branchenverbandes Silicon Saxony e.  V., setzt seine Hoffnungen auf die nahe Zukunft. "Aufgrund unserer Situation hier in Sachsen und dank unseres Ministerpräsidenten finden wir in Berlin jetzt besser Gehör." Sein Appell zielt auf die im Vergleich zu anderen europäischen Staaten bislang moderate nationale Hightechförderung.

Gerade hat Frankreich sein "Nano2017"-Programm vorgestellt. Eine neu aufgestellte Bundesregierung könnte dem nacheifern. Da habe sich, so Esser, in den letzten Monaten in bestimmten Äußerungen schon etwas abgezeichnet. "Ich bin optimistisch, dass die Technologie ein wesentlicher Part des Standorts Deutschland ist." W. SCHULZ

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