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Mittwoch, 20. Februar 2019

Messe Productronica

Sicherheit für Industrie 4.0 eröffnet neue Märkte

Von Jens D. Billerbeck | 20. November 2015 | Ausgabe 47

Spezialmaschinenbauer für die Elektronikfertigung profitieren derzeit von Trends wie Industrie 4.0 oder der wachsenden Zahl von Assistenzsystemen im Auto. Damit wird aber auch die Absicherung der Systeme gegen Cyberkriminelle immer wichtiger.

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Foto: Billerbeck

Das Tablet informiert über den Zustand der Fertigungslinie. Den Vorteilen der Vernetzung stehen aber auch neue Sicherheitsrisiken gegenüber.

Mit rund 6,5 Mrd. € Umsatz und etwa 20 000 Mitarbeitern (Zahlen von 2014) ist der Bereich Productronic nur ein kleiner Teil des gesamten deutschen Maschinenbaus. Dieser setzte im vergangenen Jahr immerhin 212 Mrd. € um und beschäftigte im August 2015 über 1 Mio. Menschen. Doch die Productronic, also der Spezialmaschinenbau für die Fertigung elektronischer Komponenten und Baugruppen, ist als Zulieferer nicht nur das Fundament der Elektronikindustrie, sondern auch einer der wesentlichen Treiber des Erfolgs im gesamten Maschinenbau.

„Es sind unheimlich viele Chancen da, die unser Geschäft voranbringen“, bilanzierte Rainer Kurtz, Fachbeiratsvorsitzender der Münchener Fachmesse Productronica (10. bis 13. November) und Vorsitzender des Fachverbandes Electronics, Micro and Nano Technologies im VDMA, am Ende der diesjährigen Veranstaltung. Industrie 4.0 sei ein noch junger Markt, aber das Segment mit dem größten Wachstumspotenzial. „Und im Bereich Automobilelektronik treiben die ganzen Fahrerassistenzsysteme erheblich die Elektronikproduktion an“, so Kurtz.

Aktuelle Zahlen der VDMA-Geschäftsklimaumfrage belegen dies. Laut Studie werden Wachstumsraten von rund 15 % bis 2018 erwartet – unter anderem durch Industrie 4.0, Automobilindustrie, drahtlose Netzwerktechniken und mobile Kommunikation. Für die Jahre 2015 und 2016 liegen die Umsatzerwartungen im Bereich Productronic laut Kurtz über dem Durchschnitt des gesamten Maschinenbaus.

Allgegenwärtig war auf der Messe das Thema Industrie 4.0. Das ist kein Wunder, gilt doch die Elektronikfertigung als Vorreiter einer allumfassenden Vernetzung von Maschinen, Werkstücken und Unternehmens-EDV. Vor allem die Sicherheitsrisiken, die sich dadurch eröffnen, wurden im traditionellen CEO-Panel am ersten Messetag thematisiert. Denn vernetzte Infrastrukturen sind einer Vielzahl von Attacken ausgesetzt, daran ließ Claudia Eckert, Leiterin des Fraunhofer-Instituts für Angewandte und Integrierte Sicherheit (Aisec), in München keinen Zweifel. „Für Kriminelle ist das mittlerweile Big Business, sie verdienen richtig Geld damit.“ Etwa, indem Angreifer Unternehmensdaten heimlich verschlüsseln und nur gegen Zahlung eines „Lösegeldes“ diese Daten wieder freigeben.

Reflexartig, so berichtete Lutz Jänicke von Innominate Security Technologies, würden gerade mittelständische Maschinenbauer da trotz aller Vorteile der Vernetzung sagen: „Das kommt mir nicht in meine Werkshallen.“ Denn wenn z. B. Fernwartung angeboten werde, dann löse das vor allem Sorgen aus. Der Lieferant erfahre dann, was der Kunde mit seinen Maschinen anfange, und das sei für viele Firmenchefs eine ganz neue Erfahrung.

Es gelte ein Bewusstsein für Gefahren zu entwickeln, ohne in Angststarre zu verfallen, unterstrich Willy Van Puymbroeck von der EU-Kommission. Und Lars Reger vom Chiphersteller NXP wies vor allem auf die Chancen hin, die sich in neuen Sicherheitstechnologien auftun.

Reger und seine Mitdiskutanten warben für ein ganzheitliches Risikomanagement. Man müsse analysieren, wo Angriffspunkte im Unternehmen seien, wo die wirklich wertvollen Daten lägen und welche Restrisiken tolerierbar seien. Auch Aisec-Chefin Eckert sieht hier Chancen für neue Märkte, z. B. Sicherheitsdienstleistungen. Innominate-Cheftechnologe Jänicke konstatierte hier ein Defizit: „Der Security-Officer existiert zwar in der digitalen Bürowelt, aber noch nicht in der Fabrik.“

100 %ige Sicherheit kann es nicht geben, darin waren sich alle Diskussionsteilnehmer einig. NXP-Mann Reger: „Das zu denken, wäre die größte Gefahr.“ Man müsse das Restrisiko akzeptieren, sich technologisch dagegen wappnen und sich der Gefahren bewusst sein. Aisec-Chefin-Eckert: „Ziel muss es ein, die Hürde für den Angreifer so hoch wie möglich zu machen.“