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Mittwoch, 24. Januar 2018

Energiespeicher

Softwareschmiede baut passgenaue Batterieparks

Von O. Klempert | 25. Oktober 2013 | Ausgabe 43

Das junge Berliner Unternehmen Younicos hat sich auf die Fahnen geschrieben, den Markt der erneuerbaren Energien durch neue Speichertechnologien und eine intelligente Steuerungssoftware aus der Krise zu holen.

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Endlich war es so weit: Der erste Spatenstich für das deutsche Vorzeigeprojekt des jungen Unternehmens Younicos aus Berlin erfolgte vor wenigen Wochen. In Schwerin, im Stromnetz des kommunalen Energieversorgers Wemag, hat seitdem die Errichtung eines Batterieparks zum Ausgleich kurzfristiger Netzschwankungen begonnen.

"Die Wemag errichtet zusammen mit Younicos den größten kommerziellen Batteriepark Europas", sagt Philip Hiersemenzel, Sprecher von Younicos. Dafür hat das auf Speichertechnologien spezialisierte Unternehmen einen schlüsselfertigen Batteriepark mit mehr als 25 000 von Samsungs Lithium-Ionen-Akkus mit 5 MWh Kapazität geliefert. Vor Ort wurden die Zellen auf verschiedenen Ebenen, unter anderem in Module, verschaltet

Younicos besitzt die Expertise, um solch große Batterieparks aufzustellen – die Firma schreibt auch die Steuerungssoftware für die Batterieparks selbst. Ziel ist es, die Lebensdauer der Batterie zu maximieren. Zudem hat das junge Unternehmen Geschäftsmodelle entwickelt, um Batterien möglichst lange wirtschaftlich einsetzen zu können.

Eine riesige Werkshalle steht für die damit verbundene Entwicklung in Berlin-Adlershof. Sie beherbergt Hunderte Batterien diverser Typen, die hier umfangreichen Tests unterzogen werden – Lithium-Zellen werden seit 2007 etwa durch künstliche Alterung auf Herz und Nieren getestet.

Die Demonstrationshalle steht in unmittelbarer Nähe zum Solarmodulhersteller Solon, den Clemens Triebel, einer der Gründer und Vorstand von Younicos, damals mitgründete. "Schon vor Jahren hatte ich versucht, mit anderen Solarfirmen einen gemeinsamen Fonds aufzulegen, um Speichertechnologien voranzubringen", sagt Triebel. Dies sei jedoch nicht gelungen, "da es innerhalb der Solarbranche keine einheitliche Richtung gab", so Triebel. Umso wichtiger sei es daher, nun die Bedeutung von Speichertechnologien aufzuzeigen.

Von seiner Arbeit bei Solon bringt Triebel wie die anderen Younicos-Gründer langjährige Erfahrung in den Bereichen erneuerbare Energien, Speichertechnologien und Steuerungstechnik mit.

Younicos war 2008 in dem Bewusstsein ins Leben gerufen worden, dass Speicher und Netzmanagement der Schlüssel zu einer nahezu vollständigen Stromversorgung aus Wind- und Sonnenenergie sind. Gemeinsam mit Partnern, die Komponenten wie Batteriehardware zur Verfügung stellen, entwickelt das noch recht junge Unternehmen "schlüsselfertige Energiesysteme".

"Wir müssen schnell mehr und vor allem intelligente Speicher ans Netz bringen, wenn es uns mit dem Umstieg in eine erneuerbare Energiewirtschaft ernst ist", fordert Triebel. "Speicher können eine flexible, bedarfsgerechte Einspeisung von erneuerbaren Energien sicherstellen und deren Einspeisung ausbalancieren." Anstatt erneuerbare Energie bei einem Überangebot abzuregeln, können Wind- und Sonnenenergie gespeichert werden.

"So stehen sie zur Verfügung, wenn sie benötigt werden", erklärt Clemens Triebel. Er war im Jahr 2006 aus Solon ausgestiegen, um sich detaillierter mit dem Thema Speicher zu beschäftigen – das war die Zeit, in der die Idee zu Younicos geboren wurde. Geschäftsmodelle und Namen kamen im Jahr 2009 hinzu.

In Berlin-Adlershof betreibt das Unternehmen heute die nach eigenen Aussagen einzige Demonstrationshalle im MW-Bereich weltweit. 70 Mitarbeiter testen die Speichertechnologien auf vielfältige Weise und nach verschiedenen Konzepten. Seit 2012 ist dort zudem die europaweit erste Großbatterie am Regelenergiemarkt im Einsatz. Die getesteten Batterien haben Speicherkapazitäten um 6 MWh.

In der Halle hat Younicos darüber hinaus die geplante Anlage seines aktuell größten Projekts im Maßstab eins zu drei nachgebaut. So sollen technische Machbarkeit und Energieflüsse des Systems nachgewiesen werden. Bis 2016 möchte Younicos auf der kleinen Azoreninsel Graciosa ein leistungsfähiges Energiesystem errichten, das vorrangig auf Sonnen- und Windenergie setzt.

"Mittels einer intelligenten Leistungssteuerung und eines eigens entwickelten Systems für das Energiemanagement wird das bestehende Stromnetz dort dezentral", erklärt Sprecher Philip Hiersemenzel. Ein 2,7-MW-Batteriespeicher mit einer Kapazität von 10 MWh erlaube die Errichtung eines 5,4-MW-Windparks und eines 1-MW-Photovoltaikkraftwerks auf der Insel. "Außer einer Leitung zum Windpark müssen keine neuen Leitungen gelegt werden", ergänzt Hiersemenzel. So könnten im Jahresdurchschnitt 70 % des auf der Insel benötigten Stroms aus Erneuerbaren gedeckt werden – bei Einsatz von Biosprit für die Back-up-Generatoren sogar 100 %.

Auch in England ist Younicos derzeit aktiv. Gemeinsam mit der britischen Firma S&C Electric Europe und Samsung SDI wird das Berliner Unternehmen bis Ende 2016 den bislang größten europäischen intelligenten Netzspeicher errichten. Ein "6 MW/10 MWh Smarter Network Storage"-Batteriekraftwerk für den landeseigenen Stromanbieter UK Power Networks soll am Umspannwerk in Leighton Buzzard installiert werden.

Das Projekt wird von der britischen Regierung mit 13,2 Mio. £ (etwa 15,5 Mio. €) gefördert und soll das übergeordnete Stromnetz entlasten. Überschüssige Energie wird gespeichert und bei Bedarf wieder abgegeben.

Durch Frequenzregulierung und Verschiebung von Lastspitzen können in Zukunft Kapazitätsengpässe kompensiert und gleichzeitig die schwankende Einspeisung erneuerbarer Energien ins Netz ausgeglichen werden. Darüber hinaus erforderliche Netzausbaumaßnahmen in Höhe von über 6 Mio. £ (etwa 7 Mio. €) sollen dadurch eingespart werden können.

Zunächst wird Younicos aber im Batteriepark in Schwerin den aktiven Einsatz von Speichern im Stromnetz erproben. Der Großspeicher mit einer Kapazität von 5 MWh soll ab September 2014 die Stromerzeugung aus Wind und Sonne in der Region unterstützen. O. KLEMPERT

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