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Sonntag, 18. Februar 2018

Photovoltaik

Solarboom in Japan kurbelt Modulherstellung in EU an

Von Stephan W. Eder | 11. Oktober 2013 | Ausgabe 41

Das Desaster des havarierten Kernkraftwerks Fukushima Daiichi hat Japan eine solare Sonderkonjunktur beschert. Dort heimische Solarmodulhersteller können über Auslastung nicht klagen. Kyocera lässt sogar inzwischen in Europa für Japan produzieren. Und das zu konkurrenzfähigen Preisen.

Solarboom in Japan kurbelt Modulherstellung in EU an

Solarmodulherstellung im tschechischen Kadan: Arbeiterinnen prüfen im Werk des japanischen Technologiekonzerns Kyocera ein halbfertiges 60-Zoll-Modul, bevor es mit einem Aluminiumrahmen versehen wird. Foto: Stephan W. Eder

Kadan liegt mitten im tschechischen Braunkohlerevier nahe der Grenze zu Sachsen. Seit 2005 stellt hier der japanische Technologiekonzern Kyocera Solarmodule her. Ursprünglich gedacht als Hub für den europäischen Markt. Heute gehen aus Kadan nach Angabe von Shigeru Koyama, Europapräsident von Kyocera Fineceramics, 70 % der monatlichen Fertigung von 16 MW nach Japan.

Das japanische Photovoltaikprogramm (VDI nachrichten, 7. 6. 13, S. 5) beschert Kyocera eine Sonderkonjunktur. "Der Solarenergiemarkt in Japan wuchs signifikant im Vergleich zum ersten Geschäftsquartal des Vorjahres, vor allem bedingt durch das Wachstum des Bedarfs seitens der öffentlichen Hand und der Wirtschaft infolge des Einspeisetarifs für erneuerbare Energien", heißt es im Bericht zum 1. Geschäftsquartal 2013 (1. 4. bis 30. 6. 13).

Zwar ist das Geschäft mit der Photovoltaik nicht explizit ausgewiesen, aber der Bereich Applied Ceramic Products, zu dem die Solarsparte gehört, legte im Quartalsvergleich um 44 % beim Umsatz zu und vervierfachte den operativen Gewinn. In Japan selbst überkompensierte der starke Solarmarkt die Verluste aus dem Telekommunikationsgeschäft.

Die Modulherstellung in Kadan ist nach Aussage von Europachef Koyama im Vergleich zur eigenen chinesischen Herstellung konkurrenzfähig, wie er Ende September während eines Ortstermins in Kadan mitteilte. Die Kosten von zwischen 60 Cent/W und 65 Cent/W für die Module ließen sich auch dort erreichen. Und es sei, so Koyama, günstiger, den größeren Teil der Komponenten (rund 60 %) aus Asien nach Kadan zu transportieren und die fertigen Module nach Japan zu verschiffen, als in Japan eine neues Werk zu bauen,

"Die Herstellung in Kadan ist flexibler als die in anderen Kyocera-Fabriken oder bei anderen chinesischen und europäischen Herstellern", sagte Koyama. Diese würden sich mit vollautomatisierten Fertigungsstraßen auf eine Modulgröße konzentrieren. Würde die aber am Markt nicht nachgefragt werde, fielen hohe Fixkosten an, ohne dass es eine Alternative gebe: "Bei einer Vollautomatisierung ist man nicht mehr so flexibel, wenn sich die Anforderungen an die Modulgröße ändern."

In Kadan fährt Kyocera zwei Linien, wobei eine stärker und die andere weniger automatisiert ist. Die Handarbeit ist dabei in Sachen Qualität auf Höhe mit der halbautomatisierten Linie, wie Produktionsleiter Michal Vafka betont. Speziell beim Löten der Stromanschlüsse für das Modul schneide das Handlöten besser ab als die parallel laufende automatisierte Linie, weiß Vafka.

Während der Rahmenbau prinzipiell automatisiert ist, hat sich Kyocera entschlossen, bei den großen 60-Watt-Modulen, derzeit das Brot- und-Butter-Modell des Werkes, zwei Verstärkungsstreben hinten quer in den Rahmen zu setzen. Das verringere die Bildung von Mikrorissen, die mittelfristig die Leistung bis zu einem Fünftel abfallen ließen, erheblich, so Wiebach. Nur lasse sich dieser Schritt nicht automatisieren.

Das Werk in Tschechien ist derzeit mit fast 500 Mitarbeitern voll ausgelastet. Mit optimierter Logistik soll zum Ende des Geschäftsjahres im März 2014 ein Ausstoß von 23 MW/Monat erreicht werden. Aber eine ganze Halle mit dreifacher Kapazität steht nebenan und als Reserve zur Verfügung. Falls der Solarboom in Japan anhält oder sich der europäische Markt wieder belebt. swe

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