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Mittwoch, 24. Januar 2018

Solarthermie

Solarbranche will Industrie Dampf machen

Von Eva Augsten | 6. Juni 2014 | Ausgabe 23

Wärme für Produktionsprozesse gilt unter Experten als Zukunftsmarkt. Spezialunternehmen wollen mit konzentrierenden Kollektoren punkten – vor allem in der Lebensmittelindustrie und in sonnigen Ländern.

Solarthermische Kollektoren
Foto: Industrial Solar

Solarthermische Kollektoren für industrielle Prozesswärme finden derzeit oft Anwendung in Nischenmärkten. Die Hersteller tun sich daher inzwischen zusammen, um Zielmärkte wie die Lebensmitteltechnologie gezielt anzusprechen.

Die Maischipsfabrik Fritolay in der Türkei, die Molkerei Emmi im Schweizer Jura, der Aluminiumveredler Alanod bei Wuppertal und der Pharmakonzern RAM Pharma aus Jordanien haben etwas gemeinsam: Sie nutzen in ihren Produktionsprozessen Wärme aus konzentrierenden Solarkollektoren. Diese fokussieren Sonnenstrahlen auf ein Absorberrohr und erzeugen so höhere Temperaturen als gewöhnliche Flach- oder Vakuumröhrenkollektoren.

Projekte: Solarthermie für die Industrie

Der Ansatz, Solarwärme aus konzentrierenden Kollektoren in Industrie und Gewerbe einzusetzen, ist noch recht neu. Im Jahr 2004 installierte das deutsch-türkische Unternehmen Solitem mit Sitz in Aachen (VDI nachrichten, Ausgaben 35/01 und 9/10) die erste kommerzielle Anlage dieser Art. 2007 folgten Solarlite aus Duckstein und Industrial Solar aus Freiburg.

Mittlerweile haben laut einer weltweiten Umfrage der auf Solarthermie spezialisierten Marktforschungsagentur Solrico und des Fachmagazins Sun & Wind Energy 21 Hersteller konzentrierender Kollektoren kommerzielle Projekte zur Wärmeerzeugung umgesetzt. Mit der Zahl der Referenzprojekte wächst das Interesse.

"Wir bekommen mehr und vor allem gezieltere Anfragen als früher", berichtet Tobias Schwind, Geschäftsführer von Industrial Solar. Sein Unternehmen fertigt Fresnelkollektoren, die im Gegensatz zu den häufiger verwendeten Parabolrinnen mit flachen Spiegeln auskommen und weniger Windwiderstand bieten. Sie brauchen aber mehr Spiegelfläche für die gleiche Leistung.

Ein Selbstläufer ist die solare Prozesswärme nicht. In den Projekten steckt viel individuelle und teure Planungsarbeit. Doch in speziellen Fällen kann sich die Wärme von der Sonne schon heute mit fossilen Brennstoffen messen. Nach diesen Anwendungsnischen suchen die Solarfirmen nun gezielt.

Attraktiv sind Orte, an denen die direkte Sonneneinstrahlung hoch und das Öl teuer ist: Marokko, Jordanien, auch Italien, die Türkei oder die Schweizer Berge.

Besonders die Lebensmittelindustrie hat die Solarbranche ins Visier genommen, wie die Umfrage zeigt. Spülen, Pasteurisieren, Desinfizieren, Klimatisieren – solche Prozesse brauchen viel Wärme bei niedrigen bis mittleren Temperaturen, die sich selbst mit herkömmlichen Flach- und Vakuumröhrenkollektoren recht gut erreichen lassen.

"Mit den konzentrierenden Kollektoren kann man auch direkt Dampf erzeugen und somit direkt am Boiler ankoppeln. Das macht die Integration in den Prozessablauf deutlich einfacher", argumentiert Schwind.

Nun mühen sich die Hersteller der verschiedenen Kollektoren gemeinsam, den neuen Kundenkreis für die Sonnenenergie zu begeistern und knüpfen Kontakte (s. Kasten).

Bergbau- und Erdölindustrie sind vor allem in Amerika interessante Zielgruppen. Glasspoint Solar aus dem kalifornischen Freemont hat sich darauf spezialisiert, mit Sonnenenergie Dampf zu erzeugen, mit dem die Ölindustrie ihre Ausbeute erhöht. Die Parabolrinnenkollektoren sind durch riesige Gewächshauser vor dem rauen Wüstenklima geschützt.

Der spanische Konzern Abengoa hat die Kupfermine El Tesoro in Chile mit einer Solarwärmeanlage ausgestattet. Das dänische Unternehmen Sunmark hat für die weltgrößte Kupfermine Gaby, ebenfalls in Chile, die größte Solarthermieanlage der Welt gebaut. Das chilenische Energieministerium schätzt, dass noch viele solcher Anlagen folgen werden.

Dass die Sonnenkollektoren ausgerechnet in der Industrie im Preisvergleich mit fossilen Brennstoffen oft besser dastehen als im Eigenheim, liegt zum Teil daran, dass die Solarfirmen meist die ganze Wertschöpfungskette in der Hand haben. Von 33 Herstellern konzentrierender Sonnenkollektoren übernehmen laut der Solrico-Umfrage 26 auch gleich die Planung und Installation ihrer Solaranlagen. So können sie nicht nur gezielt nach geeigneten Projekten suchen, sondern auch das technische Potenzial ihrer Produkte weit besser ausreizen, als es dem durchschnittlichen Heizungsbauer gelingt.

Solar erzeugte Prozesswärme gilt als technisch innovativ, was sich in der staatlichen Förderung niederschlägt. Im deutschen Marktanreizprogramm für erneuerbare Energien oder im Förderprogramm für große Solarwärmeanlagen des Klima- und Energiefonds in Österreich sind jeweils bis zu 50 % Zuschüsse für solare Prozesswärme drin.  EVA AUGSTEN

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