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Mittwoch, 20. Februar 2019

Energie

Solarindustrie muss sich neu erfinden

Von Jörn Iken | 29. Mai 2015 | Ausgabe 22

Die deutsche Solar-industrie muss sich umstellen. Im Volumengeschäft kann sie nicht mithalten, neue Produkte und Dienstleistungen müssen her.

Wer glaubt, die fetten Jahre der europäischen – und ganz besonders der deutschen – Solarindustrie mit ihren zweistelligen Margen kommen noch mal wieder, ist ein Träumer. Indizien deuten darauf hin, dass es die Branche weiter schwer haben wird. Abzulesen ist das auch an sinkenden Ausgaben für PR-Maßnahmen und an großen Branchentreffen. Vor allem die Ausstellerzahlen gehen da zurück.

Die Messe Intersolar Europe

Die Messe Intersolar sei da ein Spiegelbild der Branchenentwicklung, sagt der Erfinder und Chef der Veranstaltung, Markus Elsässer. In der Solarbranche sieht es nicht gut aus. Mindestens ein Drittel der Solarunternehmen in Deutschland ist vom Markt verschwunden, weiß Elsässer. „Natürlich merken wir das“, gesteht er. „Von 2000 bis 2011 hatten wir ein extrem dynamisches Wachstum und mit jedem Jahr neuen Rekordzahlen, seit 2012 geht es in die andere Richtung. Die Ausstellerzahl der Intersolar Europe hat sich in dem Zeitraum von 2011 bis 2014 von 2200 auf etwa 1100 halbiert.“

Die Probleme sind bekannt – manche sagen: hausgemacht. Die Produktion von Wafern, Zellen und Modulen hat sich weitgehend aus Deutschland in Richtung Asien verabschiedet.

Das liegt nicht nur an den niedrigen Lohnkosten. Insgesamt sind die Produktionsbedingungen in Südostasien besser als in Deutschland: günstige Energiepreise und Steuern, billiger Grund und Boden, geringe Finanzierungskosten. Dazu kommt die Bereitschaft zu kurzen Innovationszyklen. Fast alle großen asiatischen Hersteller verfügen über neuestes Equipment.

„Mr. Intersolar“ Elsässer kündigt daher inhaltliche Erweiterungen des Ausstellungs- und Konferenzkonzeptes an. Die Weiterentwicklung der Intersolar spiele sich eher in der inhaltlichen Erweiterung der Themen ab, wie in den Bereichen Energiespeicherung und -management, Netzintegration und Power-to-Heat.

Die Volumenproduktion überlässt man also den Asiaten, für Deutschland sieht man die Zukunft in der Systemtechnik und in den technisch anspruchsvollen Produkten. Insbesondere die Netzintegration und das Netzmanagement könnten sich angesichts maroder Netze allerorten zum Exportschlager entwickeln. Schließlich stehen alle Industrieländer vor der Aufgabe, ihre vor 100 Jahren geplanten Netze an die Erfordernisse einer wie auch immer konzipierten Energiewende anzupassen.

Gleiches gilt für die Speichertechniken. Gerade hier können wirtschaftliche Lösungen auch im Residentialmarkt der Solarindustrie noch mal einen gehörigen Schub verpassen. Von Vorteil ist es, dass die vergangenen Jahre in Deutschland einen enormen Zubau photovoltaischer Anlagen mit sich brachten. Ein starker Heimatmarkt ist immer noch ein starkes Argument im Export.