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Samstag, 17. Februar 2018

Handelsrecht

Stellvertreterkrieg um Rohstoffe

Von Katharina Otzen | 22. November 2013 | Ausgabe 47

Drei Jahre tobt nun schon der Streit um Exportbeschränkungen von Metallen, den China und Japan vor der WTO austragen. Nun sieht es so aus, als habe China verloren. Japan allerdings ging es ohnehin eher vordergründig um die metallischen Rohstoffe. Den Kern der Auseinandersetzung bildet ein territorialer Konflikt: Es geht um eine Inselgruppe und um einen anderen Rohstoff - Gas.

Minenarbeiter in China
Foto: Reuters/Stringer

Ungesund: Die Seltenerdproduktion schadet Mensch und Umwelt. Die Zigarette dieses Minenarbeiters in China macht es dann auch nicht mehr aus.

China und Japan liegen im Clinch. In dem Streit geht es vordergründig um die Gruppe der 17 Seltenerdmetalle. In Wirklichkeit aber geht es um Vorkommen eines ganz anderen Rohstoffs. In der Nähe einer Inselgruppe – die Chinesen nennen sie Diaoyu, die Japaner Senkaku, beide erheben Gebietsanspruch – lagern riesige Mengen Gas.

Als China dann im Jahr 2010 Exportbeschränkungen auf einige Rohstoffe einführte, darunter Seltenerdmetalle, Wismut und Molybdän, nahm Japan das zum Anlass, um sich bei der Welthandelsorganisation (WTO) zu beschweren. In den USA und der Europäischen Union fand Japan wirtschaftlich betroffene Mitkläger: China war zu dieser Zeit nahezu alleinige Produzentin für schwere Seltenerdmetalle auf dem Globus.

Seit drei Jahren läuft das Verfahren, nun glauben viele, dass China verloren hat. Auch, wenn eine offizielle Bestätigung von der WTO noch aussteht. Einiges spricht dafür, dass China im Falle einer Niederlage Berufung einlegt. Mei Xinyu, einer der Top-Analysten im chinesischen Handelsministerium, ist fest überzeugt, dass Beijing völlig Recht damit habe, den Export solcher potenziell die Umwelt belastender und energieintensiver Stoffe wie Seltenerdmetalle einzuschränken. Ein gutes Drittel aller Länder weltweit hätten schon ihre Exporte beschränkt, die meisten zwar bei Nahrungsmitteln, aber die USA bis heute noch bei Rohöl.

Andererseits tippen viele Metallhändler darauf, dass Beijing die Exportrestriktionen einfach zurückziehen wird. Denn verglichen mit 2010 hat sich die Welt bei den Seltenerdmetallen, den Lanthanoiden, inzwischen schon drastisch verändert. Das frühere Quasimonopol von China beginnt zu bröckeln, statt über 95 % der Weltproduktion kommen heute nur noch gut 80 % aus dem Reich der Mitte.

Ohnehin verfügt China nur über ein Drittel der Weltreserven, anderswo liegen erheblich mehr Lanthanoide. Das Problem liegt im Wesentlichen in der Höhe der Reserven: Yttrium ist zum Beispiel 200 Mal so häufig wie Silber. Die Schwierigkeit liegt aber in der überaus kostspieligen Gewinnung.

Weil die Lanthanoide als sogenannte Gesellschaftsmetalle eben nicht allein, sondern vor allem in Verbindung mit anderen Stoffen vorkommen, ist der in vielen Fällen sehr aufwendige Prozess der Abscheidung teuer und birgt meist zugleich auch Gefahren für die Umwelt.

Darin liegt einer der Gründe, warum aus der EU und aus Nordamerika die Gewinnung von Seltenerdmetallen weitgehend verschwand. Erst in jüngerer Zeit beginnt in Australien, den USA und ganz neu auch in Grönland die Produktion wieder anzulaufen.

Auch China hat seit 2009/10 plötzlich bei der Produktion von Seltenerdmetallen eine Art Umweltbewusstsein entwickelt. Beijing und die Provinzregierungen – vor allem jene von Guandong in Südchina – haben mit dem sogenannten Stripmining, aufgeräumt, dem unkontrollierten und ungenehmigten Tagebau mit angeschlossenen Altanlagen, aus denen radioaktive Brühe in die Umwelt gelangt. Stattdessen ist die Hauptproduktion in die Wüste Gobi verlegt worden, wo neue Produktionsanlagen keinerlei Wasser gefährden können.

Mit der international bis in die jüngste Zeit konjunkturell schwächeren Nachfrage nach Smartphones, speziellen Super-Fernsehern und anderen technischen Produkten, die Seltenerdmetalle enthalten, ist auch der Bedarf an den Lathanoiden gefallen und dementsprechend purzeln die Preise. Der sparsamere Umgang mit den Lanthanoiden selbst hilft ebenfalls die amerikanische Molycorp mischt – verglichen mit 2010 – nur noch etwa die Hälfte an Dysprosium in ihr Magnetpuder. Der Preis für Dysprosium, vor zwei Jahren noch bei 1135 $ je Pound (453 g) sank aktuell auf nur noch 243 $.

Die bisher in China offiziell noch geltenden Exportquoten haben ohnehin nicht verhindert, dass die Ausfuhr kräftig gestiegen ist: Mit 13 537 t Seltenerdmetallen in den ersten acht Monaten 2013 hat China 63 % mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres exportiert. KATHARINA OTZEN

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