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Donnerstag, 14. September 2017, Ausgabe Nr. 37

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Elektromobilität

Streetscooter im Buggy-Format: Auf Tuchfühlung mit einem Prototypen

Von Heike Freimann | 23. Januar 2015 | Ausgabe 04

Mit ihrem elektrischen Postzustellfahrzeug hat die Streetscooter GmbH für viel Furore gesorgt. Der neueste Streich der Aachener Entwickler: Ein Elektro-Buggy für unter 10 000 €. Zur Serienreife bringen soll das Fahrzeug sein modularer Aufbau und eine konsequente Leichtbaustrategie.

street BU Aufmacher
Foto: H. Freimann

Stolzer „Vater“: Alexander Weis vor dem C16-Prototypen. Wie alle Außenteile wurde die Lampenmaske im 3-D-Druck gefertigt.

Geräuschvoll springt der Kompressor der Vakuumpumpe für den Bremskraftverstärker an. Ingenieur Alexander Weis hat den Elektromotor gestartet. „Wenn die Motorengeräusche des Verbrenners fehlen, hört man alle Aggregate“, erklärt der Projektleiter beim E-Lieferfahrzeughersteller Streetscooter lächelnd. Bis Herbst dieses Jahres wollen die Aachener ihr neues Elektro-Fahrzeug zur Vorserienreife weiterentwickeln.

Streetscooter: Eine modulare Erfolgsgeschichte

Der C16 ist als Derivat des bekannten Streetscooter-Modells (s. Kasten) angelegt. Mit dem Konzeptfahrzeug A12 (Compact) wollte das aus der RWTH Aachen ausgegründete Unternehmen ursprünglich ein bezahlbares, bedarfsgerecht konstruiertes und modular aufgebautes E-Mobil für den Stadtverkehr entwickeln. Es existiert bisher nur als Prototyp. Gebaut wurde dagegen der B14 (Work). Das E-Lieferfahrzeug wurde 2013 in enger Abstimmung mit der Deutschen Post entwickelt. Mit Erfolg: Zurzeit fahren rund 100 Fahrzeuge als Teil der gelben Zustellflotte im Testbetrieb.

Mit dem C16 nehmen die Aachener jetzt einen neuen Anlauf in Richtung Zweitwagenmarkt. Der neue Mini-Flitzer im Buggy-Design ist deutlich kleiner als das Nutzfahrzeugmodell und für die Fahrzeugklasse EG L7e, d. h. als Quad ausgelegt. Ein ehrgeiziges Ziel der Entwickler ist ein niedriger Anschaffungspreis. In der Basisausstattung soll das E-Mobil nicht mehr als 10 000 € kosten.

Deshalb habe man sich beim C16 intensiv im vorhandenen Baukasten der Streetscooter-Architektur bedient. „Wir wollten die Modularität hier auf die Spitze treiben“, verrät Projektmanager Weis. So sei etwa die komplette Bodengruppe mit integriertem Antriebsstrang, Batterie und Fahrwerk aus dem B14 übernommen worden. Beim Fahrwerk müsse man jetzt noch Gewicht abspecken, denn für die zum Zeitpunkt der Serienreife nötige Quad-Zulassung darf der C16 später ohne Batterie nur maximal 450 kg wiegen.

Auch der Antriebsstrang muss leichter werden. Zwei Asynchron-E-Motoren mit einem maximalen Drehmoment von 130 Nm aus dem Streetscooter-Baukasten sind zurzeit noch im Kofferraum verbaut. Demnächst sollen sie radnah auf der Achse für die Verteilung des Drehmoments auf die Hinterräder sorgen. „Wir suchen aber noch nach kleineren Motoren“, berichtet Weis. Mit einem großen Automobilzulieferer wolle man demnächst testen, wie sich Startergeneratoren aus der Mild-Hybrid-Technologie nutzen lassen, um ein Elektrofahrzeug permanent anzutreiben. Die Gründe dafür sind klar. „Die sind klein, leicht, kompakt und werden millionenfach hergestellt“, so Weis.

Als Energiespeicher kommen Lithium-Ionen-Akkus zum Einsatz. Die Nutzleistung der Batterie ist in der L7e-Klasse auf 15 kW begrenzt. In der Basisausstattung soll der C16 mit einer Reichweite von 60 km zu haben sein. In der höheren Ausstattungsvariante peilen die Aachener 100 km an. Geladen wird das 2,65 m lange und bis zu 100 km/h schnelle Kleinfahrzeug an der 230-V-Steckdose, auch Schnellladung sei bei Bedarf möglich.

Die Fahrzeugaußenhaut des C16 besteht aus ABS-ähnlichen Kunststoffen. Hiermit ist nicht das gleichnamige Antiblockiersystem gemeint, sondern ein Copolymer aus Acrylnitril-Butadien-Styrol, das zu den amorphen Thermoplasten gehört. Die Karosseriebauteile über einem Chassis aus Stahl wurden für den Prototypen komplett im 3-D-Druck gefertigt. Auch für die Vorserie sollen später Thermoforming-Prozesse genutzt werden. Sie sind nicht nur kostengünstiger, sondern helfen auch beim Leichtbau: „Durch einen intelligenten Verfahrensmix können wir das Gewicht deutlich reduzieren“, sagt Weis.

Aber nicht nur Gewicht sparen soll das Designkonzept des C16, das die Fachhochschule Aachen in einem Ideenwettbewerb erarbeitet hat. Dach, Motorhaube und Cockpit des Zweisitzers verzichten auf die sonst übliche Beplankung und sind stattdessen mit blauer Persenning bespannt. „Das Design ist unkonventionell, aber da sehen wir die Chance, uns abzuheben“, sagt der Projektmanager selbstbewusst.

In welchen Bereichen der schmutz- und wasserabweisende, bisher vor allem aus dem Bootsbau bekannte Abdeckstoff, den man bei Automobilen auch von Cabrio-Verdecken kennt, tatsächlich in der Serie zum Einsatz kommt, sollen später Tests zum Crashverhalten klären. „Wir wollen auf jeden Fall ein sicheres Fahrzeug“, stellt Weis klar. Wie ein Pkw soll der C16 deshalb auch über ABS, ESP und Airbags verfügen – und damit weit über die gesetzlichen Anforderungen in der Quad-Klasse hinausgehen.

„Bei der E-Quad-Zulassung liegt unser Hauptaugenmerk auf der elektrischen Sicherheit“, erzählt Steffen Hladik. Der Fachgebietsverantwortliche „Komplettfahrzeuge“ im Dekra Automobil Test Center im brandenburgischen Klettwitz hat schon die Postfahrzeuge aus Aachen auf Herz und Nieren geprüft. Zwar gebe es z. B. für die Anordnung der Batterie im Quad noch keine gesetzlichen Vorschriften. Doch die Dekra ziehe hier vergleichbare Anforderungen zu anderen Fahrzeugklassen mit E-Antrieb heran.

Beim Thema Insassenschutz seien in der L7e-Klasse heute nur Sicherheitsgurte vorgeschrieben. Hersteller e-mobiler Kleinstfahrzeuge könnten entscheiden, ob sie freiwillig die Zulassung als Pkw in der Fahrzeugklasse M1 anstreben. „Das bedeutet zwar härtere Prüfungsanforderungen, aber auch mehr Insassenschutz und Komfort“, meint Hladik.

 Ende Oktober wurde der Prototyp des C16 erstmals auf einer Elektromobilitätsschau in der Aachener Innenstadt vorgestellt. Die Reaktionen des Publikums seien überwiegend positiv gewesen. Bis zur vermutlich für 2016 angepeilten Serienreife des Buggy ist es aber ein weiter Weg.

Fest steht im Moment nur, dass das unkonventionelle E-Mobil nicht als Flottenfahrzeug, sondern als Zweitfahrzeug für Privathaushalte gedacht ist. In dieser Richtung werde das bestehende Konzept in den kommenden Monaten weiterentwickelt, heißt es hierzu aus dem Umfeld des Unternehmens.

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