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Dienstag, 23. Januar 2018

Entwicklung

Systems Engineering motiviert mittelständische Maschinenbauer

Von Ulrich Sendler | 11. Januar 2013 | Ausgabe 2

Abteilungs- und unternehmensübergreifende Engineering-Software erobert die Industrie - vom Potenzial des Systems Engineering (SE) profitieren zunehmend auch Maschinenbauer und Zulieferer.

"Den Ursprung hatte Systems Engineering in der Luft- und Raumfahrt. Mit SE-Methoden sollte die absolute Zuverlässigkeit der Ergebnisse der Ingenieursarbeit sichergestellt werden", so Sven-Olaf Schulze, Präsident der Gesellschaft für Systems Engineering (GfSE) als deutscher Sektion des International Council on Systems Engineering (INCOSE). Schließlich gehe es um einen Bereich, in dem Reparaturen eigentlich nicht vorkommen dürfen: "Im All und in der Luft muss sicher funktionieren, was am Boden erdacht wurde."

Heute gibt es laut Schulze eine regelrechte Explosion des Bedarfs an SE-Methoden. Der Engineering-Experte sieht dafür vor allem zwei Gründe: "In der Luft- und Raumfahrt hat es vor allem im letzten Jahrzehnt eine enorme Verteilung des Engineerings auf Zulieferer und Dienstleister gegeben." Hier sei es vor allem das verteilte Arbeiten, das den Bedarf nochmals steigert. In den anderen Bereichen – besonders stark in der Medizintechnik – sei es der Zwang, neue Technologien in die Produkte zu integrieren. Mit den herkömmlichen Methoden der Spezialisierung und Arbeitsteilung funktioniere das immer weniger.

Die Gesellschaft für Systems Engineering hat mittlerweile rund 400 Mitglieder. Allein in den letzten zwei Jahren sind mehr als 110 beigetreten. "Die zunehmende Mischung von klassischem Ingenieurwesen und Informatik wird diesen Trend vermutlich noch verstärken", prognostiziert Schulze.

Denn in immer neuen Branchen sehen sich Unternehmen unvermittelt als Systementwickler bzw. -hersteller und dieser Trend erfasst zunehmend auch den mittelständischen Maschinenbau. Unter Federführung des Heinz Nixdorf Instituts führte das zur Bildung des Clusters Intelligente Technische Systeme Ostwestfalen-Lippe (It’s OWL), das als eines von fünf Netzwerken durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) als Spitzencluster ausgezeichnet wurde. 40 Mio. € Fördergelder fließen in das einzige Cluster, das sich in seinem Kern dem Systems Engineering verschrieben hat.

Roman Dumitrescu ist Geschäftsführer von It’s OWL und zugleich Leiter der Projektgruppe Entwurfstechnik Mechatronik am neuen Ableger des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnologie (IPT) in Paderborn. Er erläutert, was sich das Spitzencluster vorgenommen hat: "In Teilzielen strebt es an, durch seine Arbeit nicht nur 80 000 Arbeitsplätze in der Region zu sichern, sondern 10 000 weitere Stellen zu schaffen. 50 neue Unternehmen sind anvisiert, 34 Innovationsprojekte auf die Schiene gebracht."

Für den nötigen Erfolgsschub soll Systems Engineering sorgen. Dumitrescu: "Wir brauchen ein Systemmodell, das die verschiedenen Fachbereiche verstehen. Dann muss auf Basis dieses Modells ein Weg gefunden werden, die Disziplinen zu koppeln und ihre Zusammenarbeit effektiver und leichter als bisher zu gestalten." Ein Konfigurator soll dann die Beziehungen zwischen den Disziplinen herstellen und die Simulation von multidisziplinären Funktionen erlauben: "Insgesamt geht es um eine deutliche Steigerung der Leistungsfähigkeit der Produktentwicklung und dabei wollen wir mit dem Spitzencluster eine treibende Rolle spielen." ULRICH SENDLER

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