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Mittwoch, 17. Januar 2018

Datenverarbeitung

Twitter-Analysen von gestern uninteressant

Von Ariane Rüdiger | 11. Januar 2013 | Ausgabe 2

Social Media und die schnellen Reaktionen, die diese neuen Kommunikationswege erfordern, beeinflussen massiv den Markt für Datenanalysen wie Business Intelligence (BI). Echtzeitanforderungen und immer vielfältigere Datenquellen sind große Herausforderungen.

Twitter-Analysen von gestern uninteressant

"Niemand interessieren die Twitter-Analysen von gestern", vermerkt Andreas Gödde, Director Business Intelligence (BI) bei SAS, anlässlich einer Lünendonk-Marktstudie für den deutschen BI-Markt. Statt dessen gelte es, die unterschiedlichsten Datenquellen so zusammenzufassen und aufzubereiten, dass sie gemeinsam in kürzester Zeit analysiert und die Ergebnisse zu aussagekräftigen, handlungsleitenden Reports verdichtet werden könnten. Shitstorms, also massenweise negative Postings in sozialen Medien, ließen sich schließlich nur so sofort wirksam bekämpfen, nicht Tage später.

Die wichtigsten Herausforderungen für die BI-Anbieter liegen heute in der Konzeption analytischer Lösungen und ihrer Integration. Unternehmen brauchen zudem die Analyse großer Datenmengen und die Integration externer Daten, meinten die 19 Unternehmen mit mindestens 50 % BI-Umsatz , die an der Umfrage teilnahmen. Die Generalisten Microsoft, Oracle, IBM, SAP etc. waren übrigens von der Teilnahme ausgeschlossen. Gödde ist sich sicher: "In fünf Jahren gibt es den klassischen BI-Markt mit den heutigen Datenanalyseverfahren gar nicht mehr." Die neuen Aufgaben erfordern erheblich mehr Zusammenarbeit mit den Fachabteilungen.

Wie die erhobenen Daten zeigen, scheint BI tatsächlich gerade in krisenanfälligen Branchen gern eingesetzt zu werden, um schwierigen Situationen vorzubeugen oder sie abzuwenden: Große Umsatzanteile der befragten Anbieter kommen aus der Automobil-, der Konsumgüter- und der Finanzindustrie sowie dem Handel. Eine marode Handelskette setze heute darauf, alle im Unternehmen vorhandenen Daten zusammenzufassen und – wenn möglich – zu absatzfördernden Einsichten zu verdichten, erklärte Gödde die Vorgehensweise in Krisen.

Krisen und Probleme können wohl auch aus diesem Grund den BI-Anbietern nicht viel anhaben: Der deutsche BI-Markt wuchs sogar auf dem Höhepunkt der Krise 2009 noch um 9,1 %, während das Bruttoinlandsprodukt um 5,1 % sank. 2011 vermeldete Lünendonk ein sattes Plus von 19,3 %. Das gesamte BI-Marktvolumen in Deutschland lag in diesem Zeitraum bei 1,1 Mrd. € (Vorjahr: ca. 950 Mio. €). Neben dem erfreulichen Wachstum gibt es aber auch einen Wermutstropfen für die Spezialanbieter: Sie verloren gegenüber der Vorperiode rund 6 % Marktanteil (rund 35,5 % gegenüber 41 %). Doch die Befragten sind für die nächsten acht Jahre optimistisch: Sie rechnen bis 2020 mit jährlichen Wachstumsraten zwischen 10 % und 11,5 %.

Trotz eines Trends zu integrierten Business-Performance-Lösungen fühlen sich die Spezialanbieter weiter in einer guten Wettbewerbsposition. "Spezialfirmen können sich mit ihren Produkten in die Infrastrukturen für Maschinen wie SAP Hana oder Exadata einklinken", meinte SAS-Mann Gödde. Schon heute seien an den meisten BI-Projekten viele unterschiedliche Parteien – vom Unternehmen über den BI-Anbieter bis zu unterschiedlichen Beratungsfirmen – beteiligt.

Große Chancen ermittelt die Lünendonk-Studie für mittelständische Märkte. "Die Zahl der Mittelstandskunden wächst, obwohl viele eher kleine Projekte anfangen", berichtet Marco Zillmann, Leiter Professional Services bei Lünendonk und für die BI-Marktanalyse verantwortlich. Dem stehe auch nicht entgegen, dass die Umsätze der SAS-Märkte 2011 zu einem höheren Anteil von Unternehmen mit über 1000 Mitarbeitern stammten als bei der Vorerhebung. "Auch Mittelständler erkennen zunehmend, dass sie ohne eine saubere Datenbasis und deren Analyse auf globalisierten Märkten kaum eine Chance hätten."

Weiteren Marktdruck schaffen schärfere Regulierungsanforderungen – beispielsweise können Finanzunternehmen die Menge des bar vorzuhaltenden Kapitals umso niedriger halten, desto besser sie ihre einzelnen Risiken analysieren und dokumentieren. ARIANE RÜDIGER

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