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Dienstag, 23. Januar 2018

Medien

Virtuelles 3-D erobert Studios

Von Wilfried Urbe | 17. Dezember 2010 | Ausgabe 50

Spätestens seit dem Film "Avatar" setzt die Medienbranche auf das Thema 3-D. Stereoskopische Aufnahmen, die dem Publikum das Gefühl einer dreidimensionalen Ansicht geben, sollen zukünftig auch in Fernsehen und Internet zum Alltag werden. Die neueste Entwicklung: stereoskopische Aufnahmen im virtuellen Studio.

Für Dirk Konopatzki von der Film- und TV-Produktionsfirma VR3, der in Düsseldorf ein virtuelles Studio betreibt, liegen die Vorteile klar auf der Hand: "Stereo-3-D bietet ein tolles visuelles Erlebnis. In einem virtuellen Studio lassen sich damit noch eindrucksvollere Bilder erzeugen. Die virtuellen Kulissen erscheinen viel realer und Grafiken wesentlich prägnanter." Aber auch für die Macher wird es einfacher: "Man kann mit nur einer Kamera arbeiten, die zwei Perspektiven werden dann im Renderer gerechnet. Der Computer macht alles automatisch korrekt. Optische Probleme, die z.  B. beim Zoomen mit Kamera-Lösungen üblich sind, entfallen."

So wie VR3 arbeiten zurzeit alle virtuellen Studios daran, stereoskopische Aufnahmen zu realisieren. Allerdings gibt es auch einiges zu beachten, damit die virtuellen 3-D-Bilder ihre Wirkung nicht verfehlen. "Da sich der 3-D-Fernseher in der Wahrnehmung als ‚Fenster in eine hinter der Wand liegende Parallelwelt‘ darstellt, machen aus Sicht des Zuschauers nur bestimmte Dinge wirklich Sinn", erklärt Ingo Nadler von
More3D, "man kann sich vorstellen, tatsächlich einen Bilderrahmen ohne Inhalt vor die Durchreiche zur Küche zu hängen. Alles, was dort funktionieren würde, sieht auch im 3-D-TV gut aus."

Nadler gibt folgendes Beispiel: "Der Bildregisseur möchte einen Moderator in der Totalen zu zeigen, der dann ‚vor dem Fernseher‘ schweben soll. Der Zuschauer begreift aber den vor ihm schwebenden Moderator, der auf seinem neuen 50"-3-D-Plasma dann ca. 30 cm groß abgebildet wird, als tatsächlich ca. 30 cm groß – ist er näher am Bildschirm, steigt die gefühlte Größe ein wenig. Beeindruckend ist das jedenfalls nicht, bestenfalls ‚witzig‘."

3-D-Bildregisseure müssen sich also um die Endwirkung beim Zuschauer besondere Gedanken machen. Auf großen "Screens" darf die Szene daher "totaliger" sein als auf kleinen. Im Zweifel muss die Tiefe wieder reduziert werden, um zurück zur Abstraktion eines 2-D-Bildes zu gelangen.

Eine Roadshow der Firma Wellen + Nöthen hat kürzlich rund 500 Fachbesuchern in Berlin, München und Köln den neuesten Stand der Dinge gezeigt – mit der Vorführung einer Liveproduktion im virtuellen Studio. Geschäftsführer Peter Nöthen: "Die 3-D-Aufbereitung von Übersichten, Grafiken oder Bildern ist schon heute fester Bestandteil in TV-Studios, etwa bei News-Programmen. Neu ist allerdings, dass sich dies nun auch mit stereoskopischen Filmaufnahmen verbinden lässt. Das heißt, neben einer virtuellen Studioumgebung kommt nun auch der Tiefeneindruck im gesamten Bild hinzu." Weiterentwickeln würden sich solche stereoskopische Produktionen in virtuellen Studios zunächst sicherlich in der Filmbranche, da hier bereits eine wirtschaftlich attraktive Verwertungskette vom Kino bis zum Home-Entertainment vorgezeichnet sei.

Nicht nur Nöthen glaubt, dass Stereo-3-D-Produktionen vom Stand der Technik her prinzipiell keine Grenzen gesetzt sind, vorausgesetzt sie refinanzieren sich: "Neben den angesprochenen Film- und Spieleproduktionen sind hier zum Beispiel Sport-Events, Serien, Dokumentationen oder Messe- und Produktpräsentationen vielversprechende Geschäftsfelder."

Eine rasche und breite Zunahme an dreidimensionalen TV-Programmen, so die Meinung der Branche, wird es in Deutschland aber noch nicht geben. Nöthen: "Denn dazu müssen zunächst die entsprechenden Geschäftsmodelle entwickelt bzw. auf ihre Realisierbarkeit hin überprüft und eine klare Definition von Produktions- sowie Übertragungsstandards geschaffen werden."

Der Leiter des "Expanded 3Digital Cinema Laboratory" an der Hochschule für Gestaltung (HfG) in Karlsruhe, Ludger Pfanz, geht davon aus, dass die Fußball-WM 2014 in Brasilien ein Vehikel sein wird, um Stereoskopie durchzusetzen: Dann dürften auch virtuelle Studios gefragt sein, um den Zuschauern einen durchgängigen Sendebetrieb in 3-D zu bieten.  WILFRIED URBE

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