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Samstag, 20. Januar 2018

BREITBAND

Vodafone hat Hunger auf Kabel-Infrastruktur

Von Simone Fasse | 28. Juni 2013 | Ausgabe 26

Der britische Mobilfunkriese Vodafone will den Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland übernehmen. Mit dem Kauf würde das Unternehmen neben der Deutschen Telekom zum größten Netzbetreiber auf dem hiesigen Markt.

Vodafone hat Hunger auf Kabel-Infrastruktur

Mit Koaxkabeln zum Kunden – das könnte künftig auch eine Offerte von Vodafone sein. Immerhin verspricht hier die Technik Docsis 3.0 Übertragungsraten von 100 Mbit/s und mehr. Foto: KDG

Die Braut hat sich lange hübsch gemacht, nun durfte sie sogar zwischen zwei Verehrern wählen. In dieser Woche hat die Kabel Deutschland (KDG) ihren Aktionären offiziell empfohlen, das Übernahmeangebot durch die Vodafone Group Plc anzunehmen. 87 € pro Aktie sollen die Anteilseigner erhalten, das Geschäft wird die Briten, die auch die Verbindlichkeiten des Kabelnetzbetreibers übernehmen, rund 10,7 Mrd. € kosten.

Im Vorfeld hatte der US-Kabelkonzern Liberty Global, zu dem auch der Betreiber Unitymedia gehört, Interesse an KDG bekundet, kam jedoch bislang nicht zum Zuge.

Bereits 2008 hatte der CEO des Kabelnetzbetreibers Adrian von Hammerstein im Interview mit den VDI nachrichten attestiert, dass die "technische Überlegenheit des Kabelnetzes" das Unternehmen auch für Telekommunikationsanbieter interessant mache, "die über den Einstieg bei einem Kabelnetzbetreiber eine eigene Netzinfrastruktur für die letzte Meile zum Kunden erwerben könnten".

In dieser Woche bekräftigte von Hammerstein: "Kabel Deutschland und Vodafone ergänzen sich ideal. Gemeinsam haben wir die Chance, der führende Telekommunikations- und TV-Anbieter in Deutschland zu werden und eine auf dem deutschen Markt einzigartige, schlagkräftige Kombination aus Festnetz und Mobilfunk zu schaffen."

Innerhalb der Vodafone-Gruppe soll Kabel Deutschland als separate Gesellschaft mit ihrer Unternehmenszentrale in Unterföhring bei München erhalten bleiben. Laut einer Grundsatzvereinbarung werde das Management von Kabel Deutschland künftig das gesamte Privatkunden-Festnetzgeschäft beider Unternehmen in Deutschland verantworten. Dazu zählen auch die Entwicklung und Vermarktung von Produkten in diesem Bereich. Zudem sollen die Kunden der Wohnungswirtschaft weiter von Kabel Deutschland betreut werden.

Mit milliardenschweren Investitionen haben die beiden Unternehmen in den vergangenen Jahren ihre Netze ausgebaut und ihr Angebot erweitert. Kabel Deutschland machte die Infrastruktur rückkanalfähig und bietet neben digitalen Fernsehdiensten und Telefonie in immer mehr Regionen Internetdienste bis 100 Mbit/s an, während selbst über das neue VDSL maximal bis 50 Mbit/s zum Kunden gelangen.

Triple Play heißt dieses Geschäftsmodell, das zum Wachstumstreiber der Kabelnetzbetreiber geworden ist und durch einen weiteren Ausbau künftig noch weiter Marktanteile gewinnen soll. In Feldtests gelangen bereits Übertragungsgeschwindigkeiten von bis zu 5 Gbit/s.

Vodafone konnte vor allem vom Boom des mobilen Internets profitieren und rollt derzeit die vierte Mobilfunkgeneration LTE aus, die ebenfalls rund 100 Mbit/s verspricht. Mit dem Kauf der deutschen Telekommunikationsgesellschaft Arcor hatte sich Vodafone zudem in der Festnetzsparte verstärkt, um mit DSL-Angeboten und Fernsehen via Internet neue Kunden zu erreichen.

Doch das Wachstum des Mobilfunkriesen ist in Gefahr, denn das mobile Breitbandinternet kann das bröckelnde DSL-Geschäft, das zunehmend unter Preisdruck gerät, nicht ersetzen. Zudem muss Voda-
fone für ein rundes Angebot mit IPTV (Fernsehen via Internet), Telefonie und schnellem Webzugang vielfach Leitungen von der Konkurrentin Deutsche Telekom anmieten. Die stößt jedoch inzwischen selbst mit ihren Kapazitäten an ihre Grenzen, da die Nutzer via Facebook, Youtube und Co. immer größere Datenmengen verschicken. Mit dem Kauf von Kabel Deutschland wird Vodafone zumindest in einigen deutschen Regionen unabhängiger von diesem Modell und erhält endlich den direkten Draht zum Endkunden.

Gehen die Rechnungen der neuen Partner auf, wird spätestens im Herbst ein ernst zu nehmender Anbieter mit 32,4 Mio. Mobilfunk-, 7,6 Mio. Fernseh- und 5 Mio. Breitbandinternet-Kunden entstehen.

Andere Breitbandanbieter wie Telefónica O2 und die Unitymedia Kabel BW GmbH hätten es dann mit einem Quasi-Duopol auf dem deutschen Markt zu tun. Sie dürften nun auf die Reaktion von Bundeskartellamt und Bundesnetzagentur schauen, die bislang ähnlichen Kaufvorhaben – wie zum Jahreswechsel die Übernahme von Telecolumbus durch Kabel Deutschland – eine Absage erteilten. SIMONE FASSE

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