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Sonntag, 21. Januar 2018

Stromerzeugung

Wasserspeicherkraftwerke in Warteposition

Von Robert Donnerbauer | 20. September 2013 | Ausgabe 38

Flexible Pumpspeicherkraftwerke gelten als ideale Ergänzung zu den volatilen erneuerbaren Energieträgern Sonne und Wind. Eine der größten Anlagen mit rund 1000 MW plant Trianel derzeit in Thüringen. Doch ob das über 1,4 Mrd. € teure Projekt auch realisiert wird, hängt stark vom zukünftigen Strommarktdesign in Deutschland ab.

Das Oberbecken des geplanten Trianel-Wasserspeicher-Kraftwerks Schmalwasser (TWS) im Thüringer Wald wird keinen messbaren Einfluss auf die Schneeverhältnisse und damit auf den Wintersport am Rennsteig haben. So das Ergebnis eines jüngsten Gutachtens.

"Wir denken, dass mit dem Gutachten die Befürchtungen um den Wintersport am Rennsteig ausgeräumt werden können. Nach den Ergebnissen ist der nordische Wintersport durch das geplante Oberbecken nicht gefährdet", erklärte Christoph Schöpfer, Projektleiter Wasserspeicherkraftwerke bei Trianel und damit zuständig bei dem Stadtwerkeverbund für das Wasserspeicher-Kraftwerk Schmalwasser.

Das geplante, etwa 10 Mio. m3 fassende, rund 80 ha große Oberbecken (mit 45 ha Wasserfläche) soll in der Nähe der Loipe am Rennsteig westlich des Rosskopfes entstehen. Als Unterbecken wird die bereits bestehende Talsperre Schmalwasser bei Tambach-Dietharz (Kreis Gotha) genutzt, die seit 2005 nicht mehr für die Trinkwasserversorgung benötigt wird. Sie ist ein Vorteil dieses Standorts, betonte Schöpfer. "Wir halbieren den Eingriff in Natur und Landschaft."

Mit rund 1000 MW wird das TWS eines der größten Pumpspeicherkraftwerke in Deutschland sein. Der Wirkungsgrad wird bei rund 80 % liegen. Konzipiert ist eine Pendelwassermenge von 10 Mio. m3 bei einer Fallhöhe von rund 280 m. Die volle Leistung könne in nur etwa 1 min zur Verfügung gestellt werden, schwärmt Schöpfer ob der technischen Leistungsfähigkeit. Dann könne das Kraftwerk 6 h mit Volllast (also rund 1000 MW) betrieben werden. Cirka 8 h stünden anschließend wieder zum Auffüllen zur Verfügung.

Der Energiemarkt, vor allem der Strommarkt in Deutschland, befinde sich im Wandel. Damit ändere sich auch das klassische Geschäftsmodell für ein Pumpspeicherkraftwerk, erläuterte Schöpfer. Früher ging es darum, mit preiswertem Nachtstrom das Wasser hochzupumpen, um Nachfragespitzen am Mittag abzudecken. Heute nimmt an sonnigen Tagen allein der Solarstrom die Mittagsspitze weg.

Künftig gehe es darum, die Anlage im Minutentakt hin- und herzufahren, so Projektleiter Schöpfer. Er verglich die Funktion mit einem Stoßdämpfer: "Beim Auto gleicht er Fahrbahnunebenheiten aus, im Übertragungsnetz Schwankungen in der Einspeisung."

Pumpspeicher-Kraftwerke tragen zur Aufrechterhaltung eines stabilen Netzbetriebs bei und unterstützen so die Integration der erneuerbaren Energien, unterstrich Tobias Plöger, bei Trianel für das Thema Erzeugungsstrategie zuständig. Ihr besonderer Vorteil liege aufgrund ihrer hohen Flexibilität in der Systemdienstleistung, wie Regelleistung und Minutenreserve. Doch werde dies im aktuellen Energiemarkt nicht gebührend berücksichtigt.

Der Systemdienstleistungsmarkt habe derzeit in ganz Deutschland insgesamt nur ein Volumen von 200 Mio. €, weiß Plöger. Dies allein reiche aber nicht. Es brauche "ein vernünftiges Marktdesign", um die Versorgungssicherheit nicht zu gefährden.

Die Frage, wie sich der Strommarkt in Deutschland mit der Bundestagswahl verändert, schwebe denn auch wie ein Damoklesschwert über der Zukunft des TSW, ergänzte Schöpfer.

Das Vorhaben befindet sich seit April im Raumordnungsverfahren. Dies umfasst neben dem Bau des Oberbeckens auch die etwa 30 km lange Stromnetzanbindung an die 380-kV-Leitung westlich von Gotha bei Sonneborn (davon rund 10 km als Erdkabel). Laufen alle Genehmigungsverfahren nach Plan, könnte Ende dieses Jahrzehnts der Baubeschluss fallen. Man rechnet dann mit fünf Jahren reine Bauzeit und Baukosten von über 1,4 Mrd. €. Früheste Inbetriebnahme ist für Mitte des nächsten Jahrzehnts zu erwarten.

Doch: "Aus heutiger Sicht würden wir nicht investieren", konstatierte Schöpfer. Die notwendige Perspektive fehle, es gebe keine Sicherheit über den Zeitraum der Refinanzierung. Solch hochflexible Anlagen wie das TSW seien energiewirtschaftlich dringend erforderlich. Doch dafür müsse es Anreize geben, in welcher Form auch immer. "Wenn man keine Möglichkeiten hat, damit Geld zu verdienen, scheitert das Ganze."

"Der Handlungsdruck für eine Reform des Erneuerbare-Energie-Gesetzes und ein neues Energiemarktdesign steigt", betonte erst kürzlich Sven Becker, Sprecher der Trianel-Geschäftsführung. "Planungs- und Investitionssicherheit sind und bleiben die wichtigsten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Energiewende."

Vor allem neue flexible Kraftwerke könnten trotz ihrer Effizienz unter den aktuellen Marktbedingungen ihren Kapitaldienst nicht mehr erbringen und seien damit paradoxerweise im Nachteil gegenüber abgeschriebenen Altanlagen mit einer deutlich schlechteren CO2-Bilanz.

30 Pumpspeicher-Kraftwerke mit einer Leistung von insgesamt rd. 6500 MW sind in Deutschland bereits in Betrieb. Etwa zehn Anlagen mit einer Leistung von mehr als 4000 MW sind in Planung.

Erst Ende Juni hat Trianel die Projektentwicklung für das geplante Wasserspeicher-Kraftwerk Rur (am Rursee in der Eifel) aufgrund "fehlenden politischen Rückhalts" beendet. Nun konzentriert man sich neben dem TWS noch auf das Projekt Nethe im Weserbergland (auf dem Gebiet der Städte Beverungen und Höxter) – mit einem geplanten Speichervolumen von 4,2 Mio. m3 und einer Leistung von 390 MW.  ROBERT DONNERBAUER

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