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Mittwoch, 17. Januar 2018

Messe IFA 2013

Zeitalter der smarten Armbanduhren hat begonnen

Von Harald Weiss | 13. September 2013 | Ausgabe 37

Mit weltweiten Ankündigungen haben Samsung (zur IFA in Berlin), Pearl, Google, Qualcomm und sogar der Autohersteller Nissan ihren Einstieg in den Markt der Smartwatches angekündigt. Doch Smartwatches sind beileibe nicht so neu, wie es der derzeitige Medienrummel suggerieren möchte. Sony stellte bereits seine Smartwatch 2 vor – den Nachfolger seiner ersten Smartwatch, die schon im April 2012 auf den Markt kam.

Zeitalter der smarten Armbanduhren hat begonnen

Wie spät ist es? Auch diese Frage beantwortet Samsungs Smartwatch Galaxy Gear, die auf der IFA in Berlin im Mittelpunkt des Interesses stand. Doch das intelligente Gerät kann mehr, wenn es mit einem Smartphone oder Tablet per Bluetooth verbunden ist. Foto: Billerbeck

Nahezu tagtäglich gab es in der letzten Woche Ankündigungen und Neuvorstellungen von Smartwatches, die in die Kategorie der neuen "Wearable Smart Electronics" gehören. Laut Gartner wird dieser Markt bis 2016 weltweit ein Volumen von rund 10 Mrd. $ umfassen. Auch in Deutschland steigt das Interesse an den neuen Handyuhren deutlich an. Laut dem IT-Verband Bitcom wollen sich 16 % der Bundesbürger ein solches Gerät zulegen, wobei es ein klares Votum bei den 14- bis 29-Jährigen gibt, von denen sich 27 % eine Smartwatch kaufen wollen.

Smartwatches sind eine Kombination aus Handy und elektronischer Armbanduhr, deren primäre Funktion aber nicht mehr das Anzeigen der Uhrzeit ist, sondern das Ausführen von Telefonaten sowie das Hinweisen auf eingegangene E-Mails und Nachrichten. Nahezu alle Uhren benötigen dafür ein zugehöriges Smartphone, auf dem die eigentlichen Funktionen ablaufen. Die Smartwatch ist praktisch nur ein abgesetztes kleines Terminal, das mittels Bluetooth mit dem Handy kommuniziert. Die größten Unterschiede bestehen derzeit bei den zusätzlichen Funktionen, den Preisen und den Batterielaufzeiten.

Die größte Beachtung unter den Smartwatch-Ankündigungen fand das Galaxy Gear von Samsung, das am Vortag der Konsumelektronikmesse IFA in Berlin vorgestellt wurde. Es ist mit einem 1,63-Zoll-Display, einer 1,9-Megapixel-Kamera sowie einem Lautsprecher und einem Mikrofon ausgestattet. Damit ist es die einzige Smartwatch, die fürs Telefonieren keinen Kopfhörer benötigt. Samsungs Handyuhr ist allerdings nur in Verbindung mit dem Galaxy Note 3 und dem Galaxy Tab 10.1 benutzbar.

Die zweitgrößte Beachtung gab es für Qualcomms Toq. Zunächst besticht die Helligkeit des 1,6-Zoll-Bildschirms, für den das Unternehmen auf seine bereits früher entwickelte Mirasol-Displaytechnologie zurückgegriffen hat. Bei dieser Technologie wird für die Bildschirmhelligkeit das Umgebungslicht genutzt. Je stärker also die Sonne auf das Display scheint, umso heller ist das Bild. Und Mirasol-Bildschirme brauchen für die Bildwiedergabe überhaupt keinen Strom. Nur wenn das Bild geändert wird, ist kurzfristig eine Stromaufnahme erforderlich. Qualcomms Toq benötigt für die Kommunikation das Android-System 4.0.3. Sowohl die Galaxy Smartwatch als auch Qualcomms Toq sollen für 300 $ zum Jahresende auf den Markt kommen.

Toq ist aber noch in einem anderen Bereich eine besonders interessante Neuvorstellung, denn es ist das erste Produkt des kaum bekannten Chipgiganten, das den Endkundenmarkt direkt angeht. Bislang verkauft Qualcomm überwiegend Mikroprozessoren an die Handyhersteller, und ist hierbei Marktführer. Qualcomms Chef Paul Jacobs begründet diesen Schritt damit, dass man zunächst den Bedarf testen will. "Wir werden zunächst nur eine begrenzte Stückzahl an den Markt bringen. Falls das gut aufgenommen wird, schauen wir weiter", sagte er anlässlich der Produktvorstellung in San Diego. Das aber bedeutet im Klartext, dass keiner der vielen Handyhersteller, die bereits Qualcomm-Kunden sind, das Risiko einer eigenen Smartwatch mit Qualcomm-Prozessor und Mirasol-Display eingehen wollte. Qualcomm muss jetzt auf eigene Faust beweisen, dass es für diese Uhren einen Markt gibt und das, obwohl Qualcomm bislang noch keine Erfahrungen im Endkundengeschäft aufweisen kann.

Die Gerüchte über die bevorstehenden Smartwatch-Ankündigungen wurden in den letzten Monaten immer intensiver. Doch das höchstgehandelte Gerücht erwies sich als falsch: Apple stellte bei seinem Mega-Event in San Francisco am Dienstag dieser Woche keine iWatch vor. Dort drehte sich alles nur um neue iPhones. Einige Analysten hat das nicht weiter überrascht. "Apple war bei seinen erfolgreichsten Produkten niemals der Erste", sagt Benedict Evans, Apple-Analyst in London. Und er verweist dabei auf das iPod, das erst sehr verspätet dem MP3-Boom folgte oder auf das iPhone, das erst Jahrzehnte nach den ersten Handys auf den Markt kam oder auch auf das iPad, das auch nicht das erste Tablet auf dem Markt war. "Apples Chefdesigner Jony Ive wird keine iWatch zur Produktion freigeben, die nicht seinen hohen Qualitätsansprüchen genügt", bestätigt Tim Bajarin, Chef-Analyst bei Creative Strategies.

Damit liegt er vermutlich sehr richtig, denn eines der Probleme von all den neuen Smartwatches ist der bestehende Markt für Armbanduhren. Da fast alle Armbanduhren bislang nur die Uhrzeit anzeigen, haben sich die Hersteller auf andere Unterscheidungsmerkmale eingerichtet das wichtigste ist das Design, wie man vor allem an Swatch-Erfolg sehen kann. HARALD WEISS

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