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Montag, 22. Januar 2018

Holzenergie

Zertifizierung träfe Kleinbetriebe von Kurzumtriebsplantagen hart

Von Heinz Wraneschitz | 25. Oktober 2013 | Ausgabe 43

Die Nutzung von Holz zur Strom- und Wärmegewinnung gilt als nachhaltig. Doch immer mehr Waldbauern legen sogenannte Kurzumtriebsplantagen an. Die noch junge Branche erreicht jetzt der Ruf nach einer Nachhaltigkeitszertifizierung, wurde auf der Holzenergietagung der Messe Renexpo in Augsburg deutlich. Das träfe vor allem kleinere Waldbauern empfindlich.

Auf der Messe Renexpo treffen sich alljährlich im Herbst die Praktiker aus dem Bereich der regenerativen Energien. Holzenergie ist traditionell ein Schwerpunkt, darunter in diesem September die Holzvergasung und die Wärme-Kraft-Kopplung (WKK). Beispiel Flughafen Münster-Osnabrück: 4 km entfernt laufen parallel 32 Blockheizkraftwerke der Firma Burkhardt aus Mühlhausen/Oberpfalz. Mithilfe von Holzvergasungstechnik stellen sie zusammen bis zu 8 MW Wärmeleistung für ein Fernwärmenetz bereit, an dem der Münsterländer Regionalflughafen hängt.

70 000 MWh Heizenergie soll dieses "Biomasseheizkraftwerk (BHKW) Ladbergen" ab jetzt jährlich produzieren. 7500 Betriebsstunden pro Jahr sind dabei für die einzelnen Holzvergaser-BHKW eingeplant. Die Holzpellets, die der Betrieb in den Burkhardt-Aggregaten vergast, stellt ein eigenes Pelletwerk am gleichen Standort her. Das reduziert bei den Burkhardt-BHKW den Zusatzaufwand, um den bei der Vergasung entstehenden Teer zu minimieren.

Berndt Kriete, Geschäftsführer des Mitbetreibers MEC Münsterland Energy Contracting, berichtete in Augsburg, dass sich das Ganze wirtschaftlich trage. Dass die Ladbergener Holzvergaser-BHKW neben Wärme auch 6,72 MW elektrische Leistung (pro Jahr 55 000 MWh Ökostrom) abgeben, ist der Sinn der WKK: Sie schafft den Umwelt-Mehrwert gegenüber reiner Holzheizung.

Positive Umweltwirkung von Holzenergie ist nur dann gegeben, wenn der Anbau der Stämme nachhaltig geschieht. Das gilt in Deutschland durch die traditionell nachhaltige Waldnutzung als gewährleistet: Der Mensch schlägt nicht mehr Bäume ein als nachwachsen. Doch immer mehr Waldbauern legen spezielle Energieholzflächen an, die Kurzumtriebsplantagen (KUP). Gepflanzt wird mit Steckmaschinen in für Vollernter optimalen Reihenabständen.

Kaum pflanzen die Landwirte solche KUP vermehrt an, denkt die EU-Kommission schon über "Nachhaltigkeitsstandards" nach. Umweltschützer fordern deshalb bereits KUP-Siegel. Und Zertifizierer wie Normungsverbände haben ein Forschungsprojekt dafür angestoßen. "Ein einfaches, praxisorientiertes und transparentes Zertifizierungsverfahren", verspricht Heiko Hagemann vom Waldzentrum NRW der Universität Münster.

Das fertige Zertifikat solle bereits ab 2014 angeboten werden, so Hagemann – zum Beispiel vom Projektpartner TÜV Rheinland. KUP-Flächen ließen sich nach einem Tag Vorbereitung in einem Ein-Tages-Audit zertifizieren, das dann fünf Jahre gelten würde. Nur der Preis sei bis heute "noch unklar", muss er zugeben. Und dass "erst im zweiten Schritt eine Gruppenzertifizierung" vorgesehen sei. Zurzeit gibt es in Deutschland gerade einmal 6500 ha KUP-Flächen, viele im 1-ha-Bereich. Weshalb die Einzelzertifizierung für viele KUP-Bauern zunächst uninteressant, weil völlig unwirtschaftlich sein dürfte.

"Das Thema Zertifizierung ängstigt uns etwas", gibt deshalb Wolfgang Kudlich zu. Der kennt wegen der über ganz Deutschland breit gestreuten Plantagen auch das zurzeit drängendste Problem der KUP-Bauern: Es gibt noch kaum geeignete Erntemaschinen.

Nur wenige Lohnunternehmer gehen das Risiko ein, für ihre Maisernte Zusatzaggregate im Wert von über 100 000 € zu beschaffen – Kudlich kennt deren drei. Seine Wald21 GmbH, mit 100 ha eine eher große KUP-Betreiberin, organisiert deshalb sogenannte "Erntezüge": Ein Tieflader liefert den Holzhäcksler zum Einsatzort, dort sägt und häckselt er für KUP-Bauern in der Gegend die Bäume nacheinander ab. Weiden, Robinien, Pappeln mit bis zu 15 cm Stammdurchmesser, 40 m3 Holzmasse in der Stunde, 12 ha in zwei Tagen. "Das kostet 10 000 €", weiß Kudlich durch jahrelange Holzerntezug-Erfahrung.

Doch er weiß auch: "Nach drei Jahren stehen die Bäume schon wieder 10 m bis 12 m hoch auf der Fläche." Und weil die Flächen zunehmen, braucht es auch immer mehr Erntemaschinen. Vielleicht eine reizvolle Aufgabe für Maschinenbauingenieure.  HEINZ WRANESCHITZ

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