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Samstag, 23. Februar 2019

Kommentar

Ärmel hochkrempeln!

Von Jens D. Billerbeck | 16. November 2017 | Ausgabe 46

Es herrschte so etwas wie Goldgräberstimmung auf der Productronica, der Münchner Fachmesse für Elektronikfertigung. Erstmals fand sie zeitgleich mit der Semicon Europa statt, der Kongressmesse der Semi, des Verbands der Zulieferer der weltweiten Chipindustrie.

Foto: VDI nachrichten

Jens Billerbeck, Redakteur, fordert Kreativität und Mut von Europas Chipindustrie.

Man wolle eine global wegweisende Plattform für die Mikroelektronikindustrie schaffen, sagte Semi-CEO Ajit Manocha. Und obwohl die großen Player dieser globalen Industrie primär in den USA und in Asien beheimatet sind, hat er ein Herz für Europa.

Europa und Mikroelektronik? Das passt nicht nur für Manocha zusammen. Gewiss, die ersten beiden großen Wellen des chipgetriebenen Fortschritts sind weitgehend an Europa vorbeigegangen: Die PC-Revolution war US-dominiert; der Mobilfunk ist seit dem Smartphone-Zeitalter in den Händen asiatischer Anbieter – und von Apple.

Aber die Mikroelektronik made in Europe hat sich weltweit beachtete Spitzenpositionen erobert: mit Forschungseinrichtungen wie Leti, Imec und der Fraunhofer-Gesellschaften; mit Chipzulieferern wie ASML, dem Marktführer für Maschinen zur Chipbelichtung, und nicht zuletzt mit Firmen wie Bosch, Infineon, STMicroelectronics und Globalfoundries – um nur einige zu nennen. Ihre Chips sind dank Spezialisierung weltweit konkurrenzfähig.

Auf die Herausforderungen des Internets der Dinge scheinen sich Europas Chipstrategen zu freuen. Die Unmenge der Anwendungen, die Vielzahl von Hardware- und Softwarekomponenten, die es sinnvoll zu verbinden gilt – je komplexer, desto besser.

In einer Welt, in der praktisch alle Produkte irgendwie „smart“ sind, erinnern Strategen daran, dass Chips die Grundlage für alles sind. „Keine Halbleiter – keine Intelligenz“, bringt es Manocha auf den Punkt. Auf der Productronica spürte man, dass Europas Chipzulieferer und -hersteller die Herausforderung annehmen wollen.

Der Schlüssel zum Erfolg liegt – neben der Rückendeckung aus der Politik – vor allem in Kooperationen. Gefragt sind aber gerade im Internet der Dinge auch Fantasie und der Blick über den Tellerrand des Erprobten. Die Kreativität, sich Lösungen auszudenken, an die bisher keiner gedacht hat, und der Mut diese auch umzusetzen. Also: Ärmel hochkrempeln und die Goldgräberstimmung in Taten umsetzen.