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Donnerstag, 21. März 2019

Parkettnotizen

Aktienrückkäufe verpuffen schnell

Von Stefan Wolff | 21. Februar 2019 | Ausgabe 08

Die Nachricht elektrisiert und wirkt so gut wie immer. Wenn Unternehmen ihre eigenen Aktien kaufen, dann sorgt das für Applaus.

Foto: privat

Stefan Wolff arbeitet als Finanzjournalist u. a. für das ARD-Börsenstudio.

Aktienrückkäufe gelten als probates Mittel, um den Kurs zu pflegen. In den vergangenen Wochen und Monaten haben immer mehr Unternehmen auf dieses Mittel zurückgegriffen oder eine solche Maßnahme angekündigt.

Die Allianz will Aktien zurückkaufen, ebenso der Gasehersteller Linde, der Internethändler Zalando und die Münchner Rück. Sie alle nehmen Milliarden in die Hand, um sich mit eigenen Papieren einzudecken. Im vergangenen Jahr sind in Deutschland Aktienrückkäufe auf ein neues Rekordniveau gestiegen. Auch international sorgen diese Programme für Furore. Technologieriese Apple und der japanische Softbank-Konzern gehören zu den prominenten Beispielen. Experten gehen davon aus, dass allein in den USA die Unternehmen im Jahr 2018 eine Billion Dollar für Aktienrückkäufe ausgegeben haben. In Deutschland waren es 8,6 Mrd. €.

Die Effekte, die damit erzielt werden, sind klar. Der Unternehmensgewinn verteilt sich nach dem Rückkauf auf weniger Aktien. Das sieht in der Bilanz gut aus, in der ja diese Kennzahl – Gewinn pro Aktie – ausgewiesen und viel beachtet wird. Außerdem bedeutet ein höherer Gewinn je Aktie tendenziell auch eine höhere Gewinnbeteiligung. Unternehmen, die Aktien vom Markt nehmen, stellen den Anlegern indirekt eine steigende Dividende in Aussicht. In Zeiten niedriger Zinsen ist das für viele Anleger ein nicht zu unterschätzender Kaufanreiz.

Ein Konzern, der eigene Aktien kauft, bekennt sich darüber hinaus zu sich selbst. Wir glauben an uns und unsere Zukunft“, lautet die Botschaft. Auch das ist ein Grund, warum Aktienrückkäufe grundsätzlich ein positives Image genießen.

Dabei dienen Aktienrückkäufe auch als Selbstverteidigungsinstrument. Im Zuge der Finanzkrise haben viele Unternehmen viel Substanz verloren. Mit Aktienrückkäufen macht sich das Unternehmen optisch teurer und damit für potenzielle Käufer unattraktiv.

Ein weiterer Grund für diese Programme kann in der Schadensbegrenzung liegen. Infolge des Zusammenschlusses von Bayer und Monsanto ist der Kurs mächtig unter die Räder gekommen. Ein von der Konzernspitze in Aussicht gestellter Aktienrückkauf soll nun die Anleger wieder versöhnen. Denn das knappere Angebot treibt den Kurs. Das konnte man jüngst bei Linde und der Allianz schön beobachten. Kurzfristig steigen die Kurse. Langfristig lassen sich, Studien zufolge, keine positiven Kurseffekte messen. Außerdem haben Aktienrückkäufe einen entscheidenden Haken. Sie binden Kapital der Unternehmen, das dann nicht mehr in zukünftiges Wachstum und damit in zukünftige Gewinne investiert werden kann. Aktienrückkäufe werden zwar als eine Investition angesehen, sind es aber nicht.

So gesehen zeugen Aktienrückkäufe von einer gewissen Ideenlosigkeit und fehlenden Visionen. Sie sind also ein teures Geschenk an die Aktionäre.