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Samstag, 23. Februar 2019

Raumfahrt

„Alles andere als fairer Wettbewerb“

Von Wolfgang Heumer | 19. April 2018 | Ausgabe 16

Alain Charmeau, CEO der ArianeGroup, spricht im Interview über SpaceX, den Entwicklungsstand der Ariane 6 und seine Vertriebspläne für die ILA in Berlin.

VDI nachrichten: Seit 2014 entwickeln Sie die Ariane 6, 2020 soll der Prototyp starten – für Raumfahrtverhältnisse Rekord. Wie weit sind Sie?

Charmeau: Die Ariane 6 ist auf dem Papier fast fertig. Die Herausforderung besteht jetzt darin, weitere Kunden für die unterschiedlichen Versionen 6.2 mit zwei und 6.4 mit vier Boostern zu begeistern und die entsprechenden Verträge zu schließen. Und natürlich müssen wir die Produktion hochfahren – parallel zur weiterlaufenden Fertigung der Ariane 5.

Alain Charmeau

Die Produktion ist für elf bis zwölf Ariane 6 gegenüber fünf bis sechs Ariane 5 pro Jahr ausgelegt. Sind Sie sicher, dass Sie diese Zahl erreichen?

Zwei Ariane 6 haben wir für 2021 und 2022 bereits fest an die Europäische Kommission verkauft. Wir haben die Zusage der ESA, dass wir pro Jahr fünf Trägerraketen für europäische institutionelle Nutzer, also die EU, die ESA, Eumetsat oder die einzelnen Länder, verkaufen können. Natürlich ist diese Zusage noch in konkrete Verträge umzusetzen. Das ist eines unserer Themen auf der ILA. Auf dem kommerziellen Markt haben wir ebenfalls gute Aussichten, eine Reihe von Ariane 6 zu vermarkten. Auch das ist ein Thema für die ILA.

Die Ariane 6 darf am Ende pro Start nur etwa halb so viel kosten wie die Ariane 5. Ist das zu schaffen?

Um die Kosten um 40 % bis 50 % zu reduzieren, haben wir einen neuen industriellen Ansatz umgesetzt. Erstmals werden wir in Europa Trägerraketen nach den Prinzipien der Lean-Methode bauen. Auch das Zusammenspiel mit der Europäischen Raumfahrtorganisation ESA wurde vereinfacht und wir haben deutlich mehr Freiheiten bekommen. Aber die Dauer von Entscheidungen ist nach wie vor ein Thema, es müssen eben viele Länder beteiligt werden. Und in einigen Punkten haben wir immer noch staatliche Raumfahrtagenturen, die sich mit der neuen Führungsstruktur und der neuen Rolle der Industrie schwer tun.

Zu den Entscheidungen nach dem Geo-Return-Prinzip gehörte es, dass im Gegenzug zu einem höheren deutschen Beitrag für die Ariane 6 die Hälfte der Booster in Bayern produziert werden soll. Nun bleibt die Produktion doch komplett in Italien. Welche Auswirkung hat das?

Es wurde zwischen den staatlichen Raumfahrtagenturen ein Abkommen ausgearbeitet, welches einerseits das Gleichgewicht zwischen Deutschland und Italien bei den Produktionsaktivitäten sicherstellt und andererseits Investitionen in die Zukunft von Ariane 6 in für Deutschland attraktive Schlüsseltechnologien ermöglicht. Dieses Abkommen würde zu einem effizienten Start der Produktionsphase von Ariane 6 beitragen und gerade der Industrie in Deutschland sehr gute Perspektiven geben.

Über solche Dinge müssen sich Elon Musk und SpaceX keine Gedanken machen. Fürchten Sie deren Konkurrenz?

Elon Musk hat ein großes Polster von institutionellen Aufträgen, das macht es leicht, einen effizienten Weg zu gehen. Musk erhält mehr öffentliches Geld als wir in Europa, zudem sind die beiden Systeme in den USA und in Europa nicht vergleichbar. Wir bauen Trägerraketen auch aus anderen Motivationen. Wir sollen den europäischen Zugang zum All sichern und dafür in Europa High-End-Technologie entwickeln und erhalten. Und Konkurrenz? Wenn man die Konkurrenz genau betrachtet, stellt man bei SpaceX klar fest, dass es ihnen möglich ist, die gleichen Träger den öffentlichen Kunden in den USA zum doppelten Preis als anderen potenziellen Kunden zu verkaufen. Dies ist alles andere als fairer Wettbewerb und in Europa so nicht möglich. Da müssen wir uns in Europa auch gegen schützen und dies rasch umsetzen. Gleichwohl, und das ist gut so, arbeiten wir seit Jahren eng mit allen zukünftigen Kunden von Ariane 6 zusammen und deren Rückmeldung ist, dass unsere neue Raketenfamilie mit Ariane 6.2 und Ariane 6.4 genau das ist, was unsere Kunden erwarten.

Wie viele Launcher werden Sie auf der ILA verkaufen?

Wir werden viele Gespräche führen und ich bin überzeugt, dass wir gut dastehen werden.