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Mittwoch, 20. Februar 2019

Erben

Am Ende geht es immer um das Geld

Von Barbara Willms | 7. Februar 2019 | Ausgabe 06

Ohne Testament gilt die gesetzliche Erbfolge. Die muss aber nicht mit dem Willen des Verstorbenen übereinstimmen.

BU Testament
Foto: mauritius images / Manfred Rutz

Frau, Tochter oder Sohnemann?Ohne Testament bestimmt die gesetzliche Erbfolge, wer wie viel bekommt.

Im Krimi ist sie ein Klassiker: die Testamentseröffnung. Edles Büro, gut gekleidete Hinterbliebene, gegenüber ein einzelner Herr. Wenn er vorliest, wem was zufallen soll, entsteht Tumult, weil die Villa mit Seeblick ausgerechnet an das schwarze Schaf der Familie gehen soll. Die Realität sieht profaner aus. Mal abgesehen davon, dass es nur selten um eine Villa mit Seeblick geht: In der Regel gibt es keinen gemeinsamen Termin, sondern die Erben werden schriftlich benachrichtigt. Und häufig gibt es nicht einmal ein Testament.

Testament oder Erbvertrag?

In bis zu drei Viertel aller Erbfälle in Deutschland liegt kein oder kein gültiges Testament (oder Erbvertrag) vor. Dann gilt die gesetzliche Erbfolge. Sie orientiert sich am traditionellen Versorgungsmodell in der Familie. Ehepartner bzw. eingetragene Lebenspartner, Kinder und Enkel erben bevorzugt. Wie viel jeder erhält, hängt davon ab, welche potenziellen Erben leben und welcher Güterstand vereinbart wurde. Susanne Grote, Rechtsanwältin in Köln, erklärt: „Ein einfaches Beispiel: Bei einer Zugewinngemeinschaft und zwei Kindern stehen Witwe oder Witwer die Hälfte und jedem Kind ein Viertel des Erbes zu.“

Der Verwandtschaftsgrad entscheidet. Gesetzliche Erben früherer Ordnung haben Vorrang. Kinder und Enkelkinder (nicht aber Stief- und Pflegekinder) sind gesetzliche Erben erster Ordnung, Eltern und Geschwister zweiter Ordnung. Großeltern, Onkel, Tanten und deren Nachkommen sind gesetzliche Erben dritter Ordnung. „Leben Kinder oder Enkel, erben nach der gesetzlichen Erbfolge Bruder oder Tante des Verstorbenen nichts“, weiß Grote. Ob eine solche Verteilung immer im Sinne der Verstorbenen ist, darf bezweifelt werden. Die gesetzliche Erbfolge birgt noch einen Nachteil: Bei einer Erbengemeinschaft kommt es häufig zum Streit, wie das Erbe aufgeteilt werden soll. Im Testament dagegen kann festgelegt werden, wer die Eigentumswohnung bekommt und wer welchen Teil eines Unternehmens übernehmen soll. Darüber hinaus können Freunde oder andere Personen bedacht werden, die nicht zur Erbengemeinschaft gehören.

Enterbt werden heißt nicht leer ausgehen. „Ich enterbe dich!“– diese Drohung gegenüber Sohn oder Tochter gehört ebenfalls zu den Klischees im Krimi. In der Realität hat sie nur begrenzte Wirkung. Kindern, Eltern und Ehegatten steht meist der Pflichtteil zu. Er beträgt die Hälfte dessen, was sie nach der gesetzlichen Erbfolge erhalten würden. Nur in seltenen Fällen, etwa bei Straftaten, fällt der Anspruch auf den Pflichtteil weg.

Form und Inhalt zählen. Damit ein Testament Gültigkeit besitzt, müssen bestimmte Anforderungen erfüllt werden. „Wird das Testament vom Verfasser eigenhändig verfasst, muss es in voller Länge handschriftlich geschrieben und unterzeichnet werden“, erklärt Grote, „zudem sollte man eine Überschrift wie ‚Testament‘ oder ‚Mein letzter Wille‘ wählen, leserlich schreiben, Ort und Datum angeben und mit Vor- und Nachnamen unterzeichnen.“ Wird das Testament mithilfe eines Notars verfasst, muss es nicht handschriftlich sein, es reicht die eigenhändige Unterschrift unter dem Dokument. In jedem Fall muss der Erblasser testierfähig sein, darf zum Beispiel nicht unter hochgradiger Demenz leiden. Beim Inhalt zählt Präzision: „Es kommt in der Praxis weniger oft vor, dass ein Testament ungültig ist“, berichtet Grote, „aber es kann sehr schwierig werden, den letzten Willen zu ermitteln und umzusetzen, wenn er ungenau und nicht juristisch korrekt formuliert wurde“.

Wer sichergehen will, dass sein letzter Wille realisiert wird, sollte zu Lebzeiten etwas Aufwand und Kosten in Kauf nehmen. Sie richten sich beim Verfassen eines Testaments mit Anwalt oder Notar nach der Vermögenshöhe – das ist der größte Posten. Die Hinterlegung beim Nachlassgericht kostet 75 €, die damit verbundene Registrierung beim Zentralen Testamentsregister maximal 18 €.

Am Gericht führt kein Weg vorbei: Auch wenn das Testament vom Erblasser dort nicht hinterlegt, sondern z. B. einfach in der Küchentischschublade aufbewahrt wurde, ist derjenige, der es findet, verpflichtet, es zum Nachlassgericht zu bringen – und dort wird es offiziell eröffnet. Ohne Pomp und Gruppentermin.