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Freitag, 22. Februar 2019

Solar

Auf dem Weg zurück ins Geschäft

Von Stephan W. Eder | 28. Juni 2018 | Ausgabe 26

Auf dem Branchentreff „The smarter E“ letzte Woche in München brummte es. Auf der früheren Intersolar verdrängt der Markt allmählich die Politik.

w - Intersolar BU
Foto: Solar Promotion GmbH

Reges Interesse zeichnete die diesjährige Intersolar in München aus. Die Traditionsmesse ist erstmals Teil des neuen Messekonzepts „The smarter E“.

SMA ist eine feste Größe im Weltmarkt für Wechselrichteranlagen und auf der Branchenleitmesse Intersolar ohnehin. Doch so etwas hatte man noch nicht erlebt: dass schon am ersten Tag, zu Messebeginn um 9 Uhr früh, alle Tische mit Interessenten besetzt waren, hieß es letzte Woche auf der Messe am Rande eines Pressegesprächs.

Da stellten die Hessen mit dem Mannheimer Energieversorger MVV eine gemeinsame Lösung namens SMA Spot zur Direktvermarktung von Solarstrom vor. Damit gebe es für Solaranlagen ab 100 kW Nennleistung erstmals eine wirtschaftliche Direktvermarktungslösung, die auch den Eigenstrombedarfsanteil berücksichtige. Marktzugang und -kenntnis kommen von MVV, SMA steuert seine neue Energiemanagementplattform ennexOS bei.

Ein Beispiel dafür, was die Solarbranche, die sich traditionell auf der Intersolar trifft, in den drei Messetagen vom Mittwoch bis Freitag letzter Woche in München bewegte. Es war viel vom Markt die Rede, viel von der Anwendung – und weniger von Politik.

Deren Prominenz blieb dem Industrietreff weitgehend fern. Allein der EU-Kommissar für die Energieunion, Maros Sefcovic, kam nach München, denn auf der „The smarter E“, wie die Gesamtmesse jetzt heißt, trifft sich seit Jahren auch die Energiespeicherbranche (s. Artikel rechts). Zum „smarter E“ wurde das Ganze durch neue Ausstellungsbereiche zur Elektromobilität (Power2Drive) und für Energiemanagement (EM-Power).

Neues Selbstverständnis: Die Messe München selbst setzt mit „The smarter E“ darauf, den gesamten Energiemarkt der Zukunft abzubilden, der auf erneuerbaren Energien basiert. „Die Investoren haben sich entschieden. 2017 sind zwei Drittel der weltweiten Kraftwerksinvestitionen in Erneuerbare gegangen, nur ein Drittel in Fossile und Atom“, so Markus Elsässer, Geschäftsführer des Veranstalters Solar Promotion.

Hinzu kommt: Nicht nur der Weltmarkt für Photovoltaikanlagen boomt, nein, auf dem deutschen Markt ging und geht es aufwärts (s. VDI nachrichten Nr. 24/2018). „Dank Digitalisierung und innovativer Hardware dringt Solarenergie zunehmend auch in die Bereiche Mobilität und Wärme vor“, sagte Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW), zur Messeeröffnung.

Foto: Solar Promotion

Photovoltaikmodule sind in Deutschland von den privaten Hausbesitzern wieder gefragt. Bald könnten sie auf mehr als rund 1 Mio. Dächern hierzulande installiert sein.

Und wie bei den zahlreichen Photovoltaikanlagen auf deutschen Dächern – rund 1 Mio. soll es laut BSW dieser Tage werden – könnte der Verbraucher der Schlüssel zum Erfolg in Deutschland sein. Dies macht eine Studie deutlich, die Forsa für den BSW erstellte.

Danach sind fast drei Viertel (73 %) der befragten Autofahrer in Deutschland der Meinung, dass die Solarenergie ausgebaut werden sollte, damit Elektroautos künftig umweltfreundlich mit Ökostrom betrieben werden können. 90 % würden bei gleichem Preis ein Elektroauto vorzugsweise mit Ökostrom laden.

„Die Menschen sind weiter als die Politik“, sagte BSW-Chef Körnig. Ihm zufolge reicht der Jahresertrag einer durchschnittlichen Solarstromdachanlage, um einem Elektroauto eine Reichweite von 14 000 km zu ermöglichen – das sei die durchschnittliche Jahresfahrleistung hierzulande.

Neue Dienste, neue Märkte: Die Energieversorger präsentierten sich in München als diejenigen, die für dieses Umfeld die passenden Dienste zur Verfügung stellen. So stellte Eon erstmals auf der Messe das Drive-Ready-Paket vor, mit dem selbst erzeugter Solarstrom zum Laden des Elektroautos genutzt werden können soll. Die geplante Neuanlage wird von vornherein entsprechend dimensioniert und mit allen entsprechenden Teilen, wie einer Ladebox, konfektioniert.

Der Punkt dabei ist nicht die Technik, sondern es dem Verbraucher so einfach wie möglich zu machen. So bietet Noch-Eon-Konkurrent Innogy seine Wallbox namens eBox als „leicht zu installieren“ an. Noch einfacher soll es per Installationsservice durch qualifizierte Fachbetriebe und den Onlinekonfigurator gehen. Vor allem: Alles aus einer Hand.

Energiespeicherbranche wartet auf Schub ab 2020: Auch bei technologiegetriebenen Akteuren wie dem Solarsystem- und Speicherhersteller Solarwatt stand vor allem der Nutzwert in diesem Jahr im Vordergrund. Olaf Wollersheim, Geschäftsführer des Forschungsbereichs Solarwatt Innovation, verweist auf die Notstromfunktion, die der Hersteller aus Dresden fortan mit den MyReserve-Batteriespeichern anbietet. Zwar gilt das deutsche Stromnetz als eines der sichersten und stabilsten weltweit, aber die Notstromfunktionalität ist ein Thema am Markt, wenn auch nur für bestimmte Kundengruppen. Dies bestätigten in München auch andere Anbieter wie Varta Storage.

Generell wartet die Stromspeicherbranche auf „den Schub für Nachrüstspeicher“, der laut BSW-Hauptgeschäftsführer Körnig nach dem Ende der 20-jährigen Förderung alter Solarstromanlagen ab 2020 voraussichtlich einsetzen wird. Und nach Angaben des New Energy Outlook, den die Marktforscher von Bloomberg New Energy letzte Woche vorstellten, werden die sinkenden Batteriespeicherpreise einer der maßgeblichen Treiber dafür sein, dass sich der Ausbau der erneuerbaren Energien zulasten der Energieträger Kohle, Gas und Kernkraft beschleunigen werde.

Dennoch treiben alte Probleme die erstarkte Branche um. So fordern in einem offenen Brief mehr als 30 deutsche Solarunternehmen und Forschungsinstitute von der Bundesregierung „schnellstmögliche Maßnahmen zum Erhalt und erfolgreichen Ausbau der Solartechnologie“. Sie mahnen eine „effektive industriepolitische Strategie“ an, sonst drohten in der Folge Anlagenbauer, Materialhersteller und Forschung nach Asien abzuwandern.

BSW-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig hob auf der Pressekonferenz zum Messestart hervor, noch habe man Expertise und Player in allen Bereichen der Wertschöpfungskette. „Wir bieten Qualität – vom Silizium über Maschinen- und Anlagenbau bis zu Batteriesystemen. Die Wertschöpfungskette ist sehr breit. Aber im Modulbereich haben die Unternehmen schwer zu kämpfen“, nennt er das wohl größte Problem der Branche.

Noch sind die Sorgen der Branche also nicht vorbei. Dabei scheint sogar der mittelfristige Wegfall der Einspeisevergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) irgendwie bei den Branchengrößen eingepreist zu sein. Die eher hoffnungsfrohe Vorbereitung auf das Ende der EEG-Vergütung bei den älteren Solaranlagen legt das nahe.

Eines aber, das bestätigt zum Beispiel IBC-Solar-Chef Udo Möhrstedt, würde die Branche wohl wirklich beunruhigen: Wenn die Politik den Einspeisevorrang für Ökostrom, der im EEG festgeschrieben ist, kippen würde.

Im globalen Maßstab treiben die großen Zell- und Modulhersteller die enormen Effekte des chinesischen Markts um. Wenn die Ausbauzahlen erreicht sind, droht der Baustopp. Selbst die führenden Hersteller des Landes reagieren. So verkündete Trina Solar in München, in Zukunft verstärkt auf das Lösungsgeschäft zu setzen.

Laut Europachef Gonzalo de la Vina würden auf Dauer nur jene chinesischen Hersteller eine dauerhafte Überlebenschance haben, die wie Trina Solar nennenswert im internationalen Geschäft sind und damit nicht komplett abhängig vom stark regulierten chinesischen Binnenmarkt. Trina hatte daher mit Nclave im Mai einen weltweit aktiven spanischen Spezialisten für Solar-Tracker-Systeme übernommen.