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Donnerstag, 21. März 2019

Mobilität

Autodaten aufgepeppt

Von Christiane Schulzki-Haddouti | 21. Februar 2019 | Ausgabe 08

Autohersteller entdecken die Blockchain. Sie soll Tachomanipulationen verhindern, den 3-D-Druck für Ersatzteile lizensieren und das Mietwagengeschäft revolutionieren.

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Foto: panthermedia.net/chesky_wa

Sensoren erfassen im Fahrzeug unzählige Daten. Diese könnten zum Nutzen sowohl des Fahrers als auch des Herstellers verwendet werden.

Automobilhersteller arbeiten schon lange daran, Fahrzeugdaten auszuwerten. Doch sogenannte DLT-Technologien und Blockchain erweitern jetzt das Spektrum. So sieht sich etwa BMW über alle Geschäftsbereiche hinweg an, ob und wie sich Distributed-Ledger-Technologies (DLT) einsetzen lassen. Unter DLT versteht man eine Technik, die für die Dokumentation bestimmter Transaktionen benutzt wird. Eine Spielart davon ist Blockchain, also eine Kette von „Blöcken“, die alle Daten zusammenhängender Aktionen verschlüsselt enthalten. BMWs Experte Heiko Musa betont: „Blockchain wird da wichtig, wo Vertrauen ein Thema ist. Was digital abgebildet wird, muss dem realen Zustand entsprechen.“

Von DLT könnten auch Fahrzeugbesitzer profitieren. So könnte auf Basis von Blockchain die proaktive Wartung von Fahrzeugen deutlich verbessert werden, wenn Daten für eine Beurteilung von Fahrstil und Fahrzeugzustand laufend ausgewertet werden. Werkstattaufenthalte ließen sich deutlich besser planen. Die Sensoren protokollieren laufend, was mit dem Fahrzeug geschieht. Da dabei auch jeder Unfall und jede Reparatur registriert wird, ist z. B. ein realistischer Restwert des Fahrzeugs für potenzielle Käufer jederzeit feststellbar.

Darüber hinaus ergeben sich fahrerspezifische Modelle. So könnten gemeinsam mit Versicherungen die Leasingkonditionen an den Fahrstil des Fahrers angepasst werden. Auch Privatbesitzer profitieren – wer sein Fahrzeug nachweisbar schonend behandelt, bekommt unter Umständen beim Verkauf mehr dafür. Mehr noch: Der Fahrstil muss nicht zwangsläufig dem Fahrzeug zugeordnet sein, sondern könnte auch mit dem Fahrer verknüpft werden. Softwarehersteller SAP stellte kürzlich vor, wie etwa eine Mietwagenfirma Fahrzeugdaten mit Machine Learning laufend auswerten könnte, um kundenbezogene Preisempfehlungen und -rabatte geben zu können: So könnte etwa ein materialschonender Fahrer nach jeder Fahrt mit Rabatten oder Punkten belohnt werden, wobei die Fahrer ihr aktualisiertes persönliches Fahrerprofil – mit Blockchaintechniken abgesichert – zum nächsten Vermieter „mitnehmen“ könnten und auch dort verbesserte Konditionen erhielten.

Automobilzulieferer Bosch stellte bereits 2017 eine auf Blockchain basierende Datenbank vor, um Tachomanipulationen den Garaus zu machen. Das Auto sendet dazu in regelmäßigen Abständen den aktuellen Tachostand an eine sichere und weltweit verfügbare dezentrale Datenbank. Die Echtheit der Angaben wird über ein Zertifikat nachgewiesen. Alle übertragenen Daten werden zudem kryptografisch verschlüsselt und können ausschließlich vom Fahrzeugbesitzer gelesen werden.

Weder Bosch noch Projektpartner TÜV Rheinland noch der Erstausrüster können in der Cloud die Verknüpfung von Fahrzeugidentifikationsnummer mit dem zugehörigen Tachostand einsehen. Beim Fahrzeugverkauf kann der Besitzer selbst entscheiden, ob er das Zertifikat erstellen und somit die Echtheit der aufgezeichneten Daten bestätigen möchte – oder eben nicht, weist Bosch-Sprecherin Annett Fischer auf das Recht auf informationelle Selbstbestimmung hin.

DLT ist imstande, nicht nur Dienstleistungen, sondern auch interne Unternehmensprozesse zu verändern. Es gibt beispielsweise Konzepte, die Bauteilrückverfolgung über eine DLT-Anwendung entlang der klassischen Wertschöpfungskette von Entwicklung bis Vertrieb zu realisieren. In der BMW Group wird etwa diskutiert, wie die Nachweispflichten für Originalteile gelöst werden können. Eine Idee ist, sie beim Händler vor Ort durch lizensierte 3-D-Drucker auf Basis der digitalen BMW-Konstruktionspläne ausdrucken und den Druck mit Blockchaintechnik absichern zu lassen.

Das ist nicht völlig aus der Luft gegriffen: Die Luftfahrtindustrie erprobt in dem vom Bundeswirtschaftsministerium bis 2019 geförderten Projekt „Secure Additive Manufacturing Platform“ (SAMPL), eine Ende-zu-Ende-Security-Kette. Sie könnte von der Entstehung digitaler 3-D-Druckdaten über den Austausch mit dem 3-D-Druckdienstleister bis in das gedruckte Produkt hinsichtlich Urheber- und Produkthaftungsrecht reichen. Eine Lizenz regelt beispielsweise, wie oft ein Bauteil gedruckt werden darf. Damit sollen Originale von Fälschungen unterschieden werden können. An SAMPL sind unter anderem Daimler EvoBus und Airbus beteiligt.

Bei Datentransaktionen jedoch, in denen es um Geschwindigkeit geht – etwa Bezahlvorgänge an Ladesäulen –, wird das Prinzip der Blockchain, Aktionen einfach hintereinander zu heften, allerdings zum Bremsklotz.