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Mittwoch, 20. Februar 2019

Wohnungsbau

Baubeschleuniger

Von Fabian Kurmann | 7. Juni 2018 | Ausgabe 23

Eine neue Rahmenvereinbarung soll helfen, schneller Wohnraum zu schaffen. Dazu war eine ungewöhnliche Kooperation nötig.

BU Rahmenvereinbarung für serielles Bauen
Foto: Lechner Immobilien Development

Für sein Modellhaus sammelte Lechner Immobilien Development aus Frankfurt die meisten Punkte von der Expertenjury.

Wir müssen es schaffen, dass neu gebaute Mietwohnungen auch ohne Förderung für die Mitte der Bevölkerung wieder bezahlbar werden“, sagte Axel Gedaschko, Präsident des Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW), vergangene Woche. Die Wohnungspreise in Städten steigen, auch weil nicht genügend bezahlbarer Wohnraum neu gebaut wird.

Dafür gibt es mehrere Ursachen. Eine davon sind langwierige und aufwendige Ausschreibungsprozesse, gerade im öffentlichen Vergaberecht. „Es bestehen relativ geringe Einspruchshürden für nicht erfolgreiche Bieter, die ein Verfahren weiter stark aufhalten können“, sagt Fabian Viehrig, Referent beim GdW im Referat Energie, Technik und Normung.

Er betreut die kürzlich veröffentlichte Rahmenvereinbarung für serielles und modulares Bauen. Für die 3000 Mitglieder des Verbands soll sie Abhilfe schaffen und den Wohnungsbau beschleunigen.

Die Rahmenvereinbarung konzentriert sich auf serielle und modulare Wohnungsbaukonzepte. Das heißt, große Teile oder ganze Module der Mehrfamilienhäuser werden in Fabriken vorgefertigt und auf der Baustelle nur noch zusammengebaut, was die Baustellenzeit inklusive Keller auf etwa drei Monate sinken lässt.

Am meisten werden voraussichtlich die 700 GdW-Mitglieder profitieren, die der Pflicht zur öffentlichen Ausschreibung unterliegen. „Wir haben durch die Rahmenvereinbarung bereits ein großes Stück der EU-Vergabe vorweggenommen: die Ausschreibungsbedingungen festgelegt, die EU-Bekanntmachung des Verfahrens durchgeführt, Zuschlagskriterien erarbeitet und einen Bieterkreis von neun Unternehmen bezuschlagt“, sagt Viehrig.

Diese Unternehmen haben sich im Prozess unter 50 Bewerbern vor einem Expertengremium durchgesetzt. Bewertet wurden etwa technische, ökologische und architektonische Qualitäten, aber auch Preis, Lieferfähigkeit innerhalb Deutschlands und der Wartungsaufwand.

Die Kompetenzen beim Planen und Bauen wurden dabei zusammengefasst: „Unsere Bietergemeinschaften bestehen aus Planern und aus Baufirmen. Das hat zu sehr interessanten Diskussionen mit Vertretern der Architekten und der Bauindustrie geführt“, sagt Viehrig. Normalerweise versteht sich der Planer als Berater und Treuhänder des Bauherrn. Er hat aber nicht primär den Anreiz, möglichst günstige Gebäude zu entwerfen. Nun stehe der Architekt nicht mehr primär an der Seite des Bauherrn, sondern ihm gegenüber, näher am Bauunternehmen. „Diese Rolle ist für einige Architekten Neuland.“

Die Rahmenvereinbarung ist ein Gemeinschaftswerk des GdW, der deutschen Bauindustrie, der Bundesarchitektenkammer und des Bundesbauministeriums. Letzteres hat die Erarbeitung der Rahmenvereinbarung gefördert, weil es juristisches Neuland ist. Außerdem ist der Bund durch das Bündnis für bezahlbaren Wohnraum dazu angehalten, Lösungen für die Engpässe am Wohnungsmarkt zu finden.

Die GdW-Mitglieder müssten künftig nur noch eine Mini-Ausschreibung unter den neun Firmen für die Anpassung vom Modellgebäude auf das reale Grundstück durchführen, so der Wirtschaftsingenieur mit Fachrichtung Bauwesen. Der übliche Ausschreibungsaufwand und das Risiko von Klagen entfallen.

Die Kosten pro 1 m2 lägen mit 2000 € bis 3200 € unter den durchschnittlichen Kosten für Mehrfamilienhäuser, hieß es bei der Vorstellung der Rahmenvereinbarung vergangene Woche. Gültig ist sie in Deutschland für die nächsten fünf Jahre.

Laut GdW-Präsident Gedaschko haben sich erstmals maßgebliche Akteure des Wohnungsbaus zusammengeschlossen, um partnerschaftlich innovative Lösungen für den Mietwohnungsbau zu entwickeln. „Jetzt muss die Politik dafür sorgen, dass ausreichend bezahlbare Grundstücke für die neuen Wohngebäude bereitgestellt und eine bundesweit gültige Typengenehmigung geschaffen werden“, sagt er. Ansonsten drohten lange Verfahren in den Bauämtern die innovativen Bauvorhaben auszubremsen.

Barbara Ettinger-Brinckmann, Präsidentin der Bundesarchitektenkammer, mahnte: „Das serielle Bauen und die hier vorgestellten Bautypen können nur Teil der Lösung bei der Schaffung möglichst vieler bezahlbarer Wohnungen sein.“ Um bestehende Lücken in den begehrten Städten zu schließen und den Flächenverbrauch nicht zu steigern, werde man weitere Instrumente benötigen, etwa beim Einfügen neuer Wohnungen in den urbanen Raum.