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Mittwoch, 20. Februar 2019

Parkettnotizen

Bloß keine Bankenfusion

Von Stefan Wolff | 7. Februar 2019 | Ausgabe 06

Nur allzu gern würde die Politik die Deutsche Bank mit der Commerzbank vermählen. Bundesfinanzminister Olaf Scholz soll Berichten zufolge 23 Mal Vertreter beider Häuser getroffen haben.

Foto: privat

Stefan Wolff arbeitet als Finanzjournalist u. a. für das ARD-Börsenstudio.

Das ist sein gutes Recht, falls tatsächlich ein Zusammenschluss anstehen sollte. Schließlich ist der Bund Großaktionär bei der Commerzbank.

Die Frage nach dem Sinn ist damit allerdings noch nicht beantwortet. Was brächte eine Fusion, abgesehen vom Verlust Tausender Arbeitsplätze im Finanzwesen? Wenig, ist zu befürchten. Dafür sind Deutsche Bank und Commerzbank zusammengenommen zu klein, jedoch groß genug, um erneut vom Steuerzahler gerettet werden zu müssen, falls die Sache schiefgeht.

Aus der Not heraus zu fusionieren, ist selten eine gute Idee. Die Zahlen der Deutschen Bank zeigen deutlich, dass es noch nicht wirklich rund läuft. Zwar hat sie erstmals nach drei verlustreichen Jahren im Jahr 2018 wieder einen kleinen Gewinn eingefahren. Doch dieser Gewinn ist ein Muster ohne Wert. Zum einen ist die Vorsorge für Rechtsstreitigkeiten deutlich gekappt worden. Außerdem rutschte die Deutsche Bank im vierten Quartal 2018 wieder in die roten Zahlen. Vor allem das Investmentbanking fuhr Verluste ein. Das ist unter anderem der Handel mit Aktien und anderen Wertpapieren und der mit Abstand wichtigste Geschäftszweig der Deutschen Bank.

Dazu kommen jede Menge andere Probleme. Die lange Liste der Skandale ist noch nicht abgearbeitet. Der viel beschworene Kulturwandel hat nicht stattgefunden. Die Integration der Postbank bleibt eine Mammutaufgabe. Mit dem Kauf der Postbank wollte die Deutsche Bank ihr Privatkundengeschäft stärken. Ähnliche Effekte würde auch die Fusion mit der Commerzbank bringen. Die „Gelben“ setzen stark auf den Mittelstand und die Privatkunden.

Der Zusammenschluss hätte aber auch zur Folge, dass erneut zwei Unternehmenskulturen aufeinanderprallen würden. Das war schon bei der Vermählung der Dresdner Bank mit der Commerzbank der Fall. Auch zehn Jahre danach gestaltet sich dieser Prozess noch schwierig. Viele ehemalige Mitarbeiter der Dresdner Bank trauern den alten Zeiten hinterher, wahrscheinlich umso mehr, falls sie dem Rotstift zum Opfer gefallen sind. Die Fusion hat Tausende Arbeitsplätze gekostet. Mit der Dresdner unterm Dach ist die Commerzbank inzwischen kleiner als allein vor Ausbruch der Finanzkrise. Aus zwei Dax-Konzernen wurde ein M-Dax-Unternehmen.

Die Commerzbank ist ebenso Baustelle wie die Deutsche Bank. Mehr als drastische Sparmaßnahmen sind bei einem Zusammenschluss kaum vorstellbar. Ein europäischer Champion würde dadurch nicht entstehen. Der lässt sich nur länderübergreifend bilden. Der Wunschkandidat wäre dabei die französische BNP Paribas. Allerdings wird die an der Börse mehr als doppelt so hoch bewertet wie die Deutsche Bank. Ein Zusammenschluss auf Augenhöhe ist da kaum vorstellbar. Den Weg zu alter Größe muss die Deutsche Bank wohl aus eigener Kraft schaffen. Bis dahin werden europäische Championate ohne deutsche Beteiligung ausgetragen.