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Donnerstag, 21. Februar 2019

Robotik

Cobot-Markt in Bewegung

Von Martin Ciupek | 1. November 2018 | Ausgabe 44

Nach der Pleite von Rethink Robotics übernimmt die deutsche Hahn Group wichtige Patente. Auch Wettbewerber schlafen nicht und treiben kollaborierende Roboter voran.

Cobot-BU
Foto: M. Ciupek

Übernahme: Der von der US-Firma Rethink Robotics konzipierte kollaborierende Roboter Sawyer wird künftig unter deutscher Führung weiterentwickelt.

Große Erwartungen werden mit Cobots und der Mensch-Roboter-Kollaboration verbunden. Roboter arbeiten dabei ohne Schutzzäune mit Menschen zusammen und könnten die Fabrikarbeit revolutionieren. Einem der Pioniere in diesem Bereich half das nichts. Die vor zehn Jahren im Raum Boston gegründete Rethink Robotics meldete Anfang Oktober Insolvenz an.

Das ist allerdings nicht das Ende des Rethink-Roboters Sawyer. Ende Oktober wurde bekannt, dass der deutsche Systempartner Hahn Group mit Sitz in Frankfurt am Main die Robotertechnologie der US-Amerikaner übernimmt. „Durch die Transaktion erzielen wir einen deutlichen Zugewinn an innovativer Technologie und hochspezialisiertem Know-how in einem der wachstumsstärksten Schlüsselmärkte der Zukunft“, erklärte Thomas Hähn, CEO der Hahn Group.

Konkret übernimmt die Hahn Group in dem Zusammenhang die Patente und Namensrechte rund um das Cobot-Modell Sawyer sowie die dazugehörige Softwareplattform Intera5. Damit stellt das Unternehmen die Versorgung bestehender Kunden mit Ersatzteilen und Service sicher. Mit deutscher Ingenieurkompetenz und 30-jähriger Anwendungserfahrung soll darüber hinaus nun die Technologie von Rethink Robotics weiterentwickelt werden. Auf Anfrage der VDI nachrichten teilte die Hahn Group mit, ihr Portfolio an kollaborierenden Robotern zudem um entsprechende Produkte von Doosan Robotics Inc. und Mobile Industrial Robots Aps (MiR) zu ergänzen.

Auch beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) erwartet man durch die Pleite keine negativen Folgen für den insgesamt positiven Markttrend. „Es passiert immer wieder, dass einzelne Marktteilnehmer ausscheiden, ohne dass das Auswirkungen auf den Markt hat“, erklärte VDMA-Präsident Carl Martin Welcker Mitte Oktober auf dem Maschinenbaugipfel in Berlin. Der Verband geht weiterhin von einem Wachstum des noch jungen Marktes für kollaborierende Roboter aus.

Dafür spricht auch die komplett gegensätzliche Geschäftsentwicklung des dänischen Cobot-Pioniers Universal Robots (UR). Das Unternehmen wurde 2005 gegründet, also drei Jahre vor dem US-Wettbewerber Rethink. Im Jahr 2017 erreichte UR mit einem Umsatzplus von 72 % gegenüber dem Vorjahr einen Rekordumsatz von 151 Mio. €. Seit 2015 ist das dänische Unternehmen allerdings in Besitz des US-Konzerns Teradyne. Der Spezialist für automatisierte Prüfsysteme hatte das große Potenzial frühzeitig erkannt und den dänischen Roboterhersteller für zunächst 285 Mio. € übernommen. Weitere Millionen dürften hinzukommen, da bis zu 65 Mio. € für das Erreichen der Umsatzziele bis zum Jahr 2018 im Vertrag festgeschrieben sind.

Jürgen von Hollen, Präsident von UR, sagte auf Anfrage der VDI nachrichten: „Die Erfahrung von Teradyne in der Akquisition und Integration von Unternehmen hat entscheidend dazu beigetragen, dass auch die Übernahme von Universal Robots bis heute einen sehr positiven Einfluss auf unsere Geschäftsentwicklung hat.“ Teradyne gebe UR weiterhin den nötigen Freiraum, um eigene Strategien zu entwickeln und umzusetzen. „Unterstützung erhalten wir konkret im Operations- und Supply-Chain-Management, wodurch wir unsere Lieferkette stetig optimieren“, konkretisiert er. Sowohl mit Blick auf die Investitionskraft als auch auf die Marktpräsenz weltweit und in den USA, profitiere UR dabei von der Muttergesellschaft.

Auch bei Kuka in Augsburg blickt man positiv in die Zukunft: „Wir sehen sehr großes Potenzial im Cobot-Markt, da sich künftig zahlreiche Anwendungen auftun, die mit großen Industrierobotern so nicht umsetzbar sind. Für kleine und mittlere Unternehmen ergeben sich ebenso neue Möglichkeiten wie bei der Automatisierung kleiner Stückzahlen“, erklärte Albrecht Hoene, Director Human Robot Collaboration in der Forschung und Entwicklung von Kuka. Gleichzeitig räumte er ein, dass sich der Markt für kollaborierende Roboter noch in den Kinderschuhen befindet. Endanwender und Systemintegratoren sammelten jetzt Erfahrungen zur Konzeption und Implementierung.

Als Stärke im Vergleich zu reinen Cobot-Anbietern betrachtet Hoene das breite Portfolio und den damit verbundenen Erfahrungsschatz von Kuka sowohl in der Industrierobotik als auch der sensitiven Leichtbaurobotik. Kuka habe somit eigene Technologien für die Sensivität der Roboter entwickeln können und böte damit Cobots mit einer Vielzahl von Sicherheitsfunktionen. Anwender könnten damit sichere Applikationen aufbauen.