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Mittwoch, 20. Februar 2019

Parkettnotizen

Comeback des Goldes?

Von Stefan Wolff | 10. Januar 2019 | Ausgabe 01

Gold ist wieder in aller Munde, und das nicht nur, weil kürzlich ein prominenter Fußballer in Dubai ein vergoldetes Steak verspeiste. Der gut informierte Anleger blickt in der Regel über den Tellerrand hinaus und sieht niedrige Zinsen in Europa, nur langsam steigende Zinsen in den USA, eine im vergangenen Jahr stark gebeutelte Börse.

Foto: privat

Stefan Wolff arbeitet als Finanzjournalist u. a. für das ARD-Börsenstudio.

Das alles findet vor dem Hintergrund eines sich deutlich abschwächenden Aufschwungs statt.

Das klingt nach einem idealen Nährboden für Gold. Und tatsächlich ist der Goldpreis seit seinem Jahrestief Mitte August 2018 von 1174 $ auf fast 1300 $ je Unze gestiegen. Allein im vergangenen Dezember gab es ein Plus um über 4,5 %. Grund genug für viele Börsengurus, das Jahr 2019 zum „Jahr des Goldes“ auszurufen.

Vieles spricht für eine solche Einschätzung. Einziger Wermutstropfen: Das hat schon 2018 nicht geklappt. Auch das vergangene Jahr sollte golden werden. Unterm Strich blieb ein kleines Plus – auf Eurobasis, wohlgemerkt. In US-Dollar gerechnet ist der Goldpreis gesunken.

Hier lauert schon die erste Gefahr für Goldanleger. Das Edelmetall wird in Dollar gehandelt. Wenn der gegenüber dem Euro durch die Decke geht, sind Preissteigerungen schnell dahin. Ein weiteres Risiko stellen die hohen Ausgabenaufschläge dar. Je kleiner die gekaufte Einheit ist, desto höher fällt die Gebühr aus. Eine kleine Münze kommt also unterm Strich teurer als ein großer Barren.

Gold ist Krisenwährung. Wenn Wirtschaft und Aktienmärkte brummen, ist der Goldrausch vorbei. Das hat sich immer wieder gezeigt. Ende der 70er-Jahre sorgte der Iran-Irak-Krieg für große Nachfrage. Die endete, als die US-Notenbank für sich selbst eine Gold-Obergrenze zog. Goldene Zeiten waren auch das Platzen der Hightech-Blase und die Finanzkrise. Als Griechenland die Pleite drohte und der Dax 2011 binnen eines Jahres um 40 % abschmierte, markierte die Unze Feingold ihr Allzeithoch. Davon ist das Edelmetall weit entfernt.

Schlechtes Timing dürfte Anleger das meiste Geld gekostet haben, denn die Finanzkrisenpreise hat Gold lange nicht wieder erreicht. Wer Anfang der 1980er-Jahre gekauft hatte, musste gar 30 Jahre auf den Einstiegspreis warten.

Zudem gilt Gold als Inflationsschutz, was langfristig nicht von der Hand zu weisen ist. Das Problem ist nur: Es gibt im Moment kaum Inflation. Die Preissteigerungen bleiben deutlich hinter den Erwartungen zurück.

All diese Argumente gegen Gold verhallen ungehört in den Ohren derer, die Gold als das ultimative Zahlungsmittel betrachten. Der große Währungscrash ist aber bislang ausgeblieben. Er ist auch in den vergangenen Monaten nicht wahrscheinlicher geworden.

Alles in allem ist ein Gold Rush nicht sehr wahrscheinlich. Langfristig orientierte Anleger können schnell auf dem falschen Fuß erwischt werden. Für kurzfristige Gewinne sind die Aufschläge zu hoch. Natürlich kann man Gold auch in Form von Zertifikaten oder Fonds günstig erwerben. Dann scheidet es aber als ultimatives Zahlungsmittel aus. Die meisten, die Gold kaufen, wollen es auch mal anfassen. Man muss es ja nicht gleich aufessen.