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Mittwoch, 20. Februar 2019

Additive Fertigung

„Das beste Material ist noch nicht entwickelt“

Von Stefan Asche | 20. September 2018 | Ausgabe 38

Michael Todd, Global Head of Innovation bei Henkel Adhesive Technologies, über die wachsende Bedeutung des 3-D-Drucks im Konzern.

VDI nachrichten: Sie entwickeln Klebstoffe für gedruckte Kunststoffteile. Warum? Die Bauräume der Drucker werden doch immer größer.

Foto: Henkel

Michael Todd ist Innovationschef in Henkels größtem Geschäftsbereich: den Adhesive Technologies.

Todd: Oft ist ein Endprodukt gefragt, das verschiedene Materialeigenschaften in sich vereint. Vielleicht soll es an einigen Stellen fest und anderenorts flexibel sein. Dann ist es unter Umständen sinnvoll, Photopolymere aus einer Stereolithografiemaschine zu verbinden mit Elastomeren aus einer Lasersintermaschine.

Henkel baut Innovationszentrum

Wo ist das Problem?

Ein Klebstoff sollte stets die gleiche Oberflächenenergie aufweisen wie das zu verklebende Material. Die beiden genannten Kunststoffe sind diesbezüglich aber verschieden. Also braucht es angepasste Klebstoffe.

Die Zahl druckbarer Kunststoffe wächst rasant. Brauchen die alle einen eigenen Klebstoff?

Zum Glück nicht. Aber es wird Familien auf Basis verschiedener Klebstofftechnologien geben.

Entwickeln Sie auch Klebstoffe für gedruckte Metall- und Keramikteile?

Unser bestehendes Portfolio für die Verklebung von Metall- und Keramikteilen kann auch im 3-D-Druck eingesetzt werden. Darüber hinaus liefern wir Versiegelungen und Beschichtungen. Denn gedruckte Teile sind ohne Nachbehandlung porös. Und das kann – je nach Einsatzbereich – zum Problem werden. Ein Beispiel sind Einspritzdüsen. Die sollten gasdicht sein. Dafür sorgen unsere Hochleistungspolymere.

Welche Beschichtungen entwickeln Sie für gedruckte Kunststoffteile?

Das reicht von aufsprühbaren, selbstnivellierenden Lösungen, die glänzende Oberflächen erzeugen, bis hin zu Rezepturen, die auf die Materialeigenschaften einwirken. So können wir die Abrasions- und Temperaturbeständigkeit eines Bauteils erhöhen oder die Bruchempfindlichkeit senken.

Welche Druckmaterialien haben Sie aktuell im Portfolio?

Viele! Neben lichthärtenden Acrylaten sind das u. a. Silikone und Polyamide. Und gemeinsam mit HP entwickeln wir für deren Multi-Jet-Fusion-Technologie immer neue Rezepturen.

Was ist das beste Druckmaterial der Welt? Und was der allerbeste Kleber?

Das beste Druckmaterial muss noch entwickelt werden. Es müsste auf einem Baukastensystem basieren, aus dem man die Zutaten auswählen kann – je nach gewünschter Teilefunktion. Und es müsste auf allen Druckern optimale Ergebnisse liefern. Da sind wir aber noch lange nicht.

Die Frage nach dem besten Kleber ist viel leichter zu beantworten. Das ist der „Pattex 60 Sekunden Universalkleber“. Eigentlich müsste ich nun jede Menge technische Details erläutern. Aber ich sage nur: Der funktioniert – fast immer und überall! Offengesagt weiß ich gar nicht, warum es noch andere Haushaltskleber gibt (lacht).