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Montag, 22. Januar 2018

IT-Infrastruktur

Daten finden ihren Speicher automatisch

Von Harald Weiss | 2. November 2017 | Ausgabe 44

Software optimiert Speichernutzung über die Grenzen des eigenen Rechenzentrums.

BU Cloud
Foto: Billerbeck

Ab in die Wolke: Datenspeicherung in der Cloud wird durch plattformübergreifende Managementwerkzeuge optimiert. Beispielsweise wird nach Schreib-/Lesegeschwindigkeit, Netzwerkkapazität und Preis entschieden, wo welche Daten hinkommen.

Cloud-Computing setzt sich immer stärker durch. „Nach vielen Jahren der Zurückhaltung springen jetzt auch die kleinen und mittleren Unternehmen auf diesen Zug auf“, sagt Ahmed Guetar vom Netzwerkausrüster Juniper. Hierzu verweist er auf eine Studie der Beratungsgesellschaft Accenture, wonach bis 2019 fast 90 % aller Unternehmen in der Cloud sein werden. Das bedeutet aber nicht, dass damit das eigene Rechenzentrum komplett aufgegeben wird. Stattdessen wird die Kombination von beiden, also die Hybrid-Cloud, zur Norm.

Doch die Aufgaben werden jetzt neu verteilt. Besonders im Speicherbereich zeichnen sich Änderungen ab. „Der Trend geht eindeutig dahin, dass wir in Zukunft nur noch zwei Speicherkategorien haben werden“, sagt Dave Vellante, Chief-Analyst beim Marktforschungsunternehmen Wikibon. Das ist „In-Memory“, also im Arbeitsspeicher für zeitkritische Anwendungen wie Echtzeitanalysen, und die Cloud für praktisch alle anderen Daten.

Damit einher gehen neue und komplexere Anforderungen an das Managen aller Datenbestände. Diese müssen jetzt so koordiniert werden, dass sie einerseits immer dort vorhanden sind, wo sie benötigt werden, andererseits aber auch die Unterschiede der jeweiligen Speicher – z. B. in Sachen Geschwindigkeit, Kapazität oder Preis – optimal ausnutzen.

Das sind ähnliche Probleme, wie sie früher beim Aufkommen der Client-Server-Architekturen anfielen. Auch damals wurden Speichereinheiten mit unterschiedlicher Leistung und Netzanbindung nebeneinander installiert. Alle führenden Anbieter brachten hierzu entsprechende Datenmanagement-Software auf den Markt, mit der die Datenbestände mehr oder minder automatisch so verschoben wurden, dass eine bestmögliche Nutzung aller Speichermedien erreicht wurde. Einer der ersten Anbieter solcher herstellerunabhängigen Datenverwaltungswerkzeuge war Veritas.

Diese Produkte gibt es seit geraumer Zeit auch für hybride Cloud-Infrastrukturen. Ganz neu ist jetzt eine wesentlich erweiterte Managementsoftware für die komplette Datenverwaltung in Multi-Cloud-Umgebungen. Dabei wird die Flexibilität der einheitlichen Verwaltung von heterogenen Speicherlandschaften im eigenen Rechenzentrum (On-Premise) um die virtuelle Speichereinheit „Cloud“ erweitert. Und das sowohl für Anwendungs- wie Systemdaten. Das erlaubt dann auch die Datensicherung unter Einbeziehung der Cloud als kostengünstiger Speichereinheit.

Microsofts Cloud-Plattform Azure ist besonders eng mit der Veritas-Lösung verknüpft. „Mit wenigen Mausklicks können die Daten jetzt wahlfrei auf In-House- oder Azure-Speicher verteilt werden“, sagt Mark Russinovich, CTO der Azure-Plattform. Doch die Kombination von On-Premise- und Cloud-Storage beschränkt sich bei Veritas nicht nur auf Azure, auch mit IBM, Oracle und Google bestehen Anbindungen.

Dass diese Managementebene bei der weiteren Cloud-Nutzung immer wichtiger wird, hat inzwischen auch andere Anbieter auf den Plan gerufen. So hat Dell-EMC kürzlich etwas Ähnliches für Azure vorgestellt, und auch VMware, BMC, CA und NetApp haben Lösungen oder arbeiten zumindest daran.

Derzeit stecken alle gegenwärtigen Systeme noch in den Kinderschuhen, denn das Leistungsspektrum setzt auf den bisherigen In-House-Lösungen auf. Das heißt, sie nutzen noch nicht alle Optimierungsmöglichkeiten, die eine Hybrid-Cloud anbietet. Mithilfe von verschiedenen Variablen ließe sich z. B. festlegen, welche Daten zu welchem Zeitpunkt an welchem Ort gespeichert sein sollen. Diese Kontrollvariablen könnten die Netzwerkleistung und die Schreib-/Lesegeschwindigkeit der jeweiligen Cloud-Speicher mit einbeziehen, um die Verfügbarkeit der Daten sicherzustellen.

Auch andere Eingriffsmöglichkeiten bieten sich an. So kann der Speicherort der Daten auf bestimmte Regionen beschränkt werden. Die Software kann auch weitere Optimierungsmöglichkeiten eröffnen – vor allem durch die Berücksichtigung der jeweils aktuellen Preise für Speicherplatz und Rechenleistung. Sobald jedoch die Daten überwiegend aufgrund des Preises verschoben werden, verkümmern Cloud-Speicher zu austauschbarer Ware. Eine Vorstellung also, die für die Cloud-Anbieter nicht sonderlich attraktiv ist.

Deshalb wollen sie mit eigenen Multi-Cloud-Management-Tools dieses Segment selbst besetzen. Diesen Weg sind früher auch die Anbieter von Speicherhardware gegangen. Die Erfolge jedoch waren gemischt, da Anwender stets an der Neutralität der Managementsoftware gezweifelt haben.

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