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Samstag, 20. Januar 2018

Informationstechnik

Datenbank lernt stetig dazu

Von Jens D. Billerbeck | 12. Oktober 2017 | Ausgabe 41

Mit Methoden der künstlichen Intelligenz will Oracle die erste autonome Datenbank der Welt auf den Markt bringen und für mehr Cybersicherheit sorgen.

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Foto: J. D. Billerbeck

Auftakt: Judith Sim, Marketing-Chefin bei Oracle, begrüßt rund 20 000 Zuhörer bei der Firmenkonferenz und stimmt auf den Auftritt des Firmengründers Larry Ellison ein.

Wenn San Francisco rot sieht, ist wieder Oracle Openworld. Die alljährliche Nutzerkonferenz des weltweit zweitgrößten Softwarehauses setzt Zeichen: überall die roten Firmenlogos, ein ganzer Straßenzug in der Innenstadt gesperrt und über 60 000 Teilnehmer in den drei Teilen des Moscone-Konferenzzentrums und in diversen Hotels in der Umgebung.

„Fünf Tage Openworld-Konferenz sind so wertvoll wie ein Jahr Entwicklungsarbeit“, heißt es während der Begrüßungspräsentation. Der Star des Abends am ersten Konferenztag ist wie immer Larry Ellison: 1977 Mitgründer des Unternehmens, bis 2014 dessen CEO und seitdem unter dem Titel „Executive Chairman und CTO“ nach wie vor maßgeblich an der technologischen Ausrichtung beteiligt.

Ellison ist eine der charismatischen Führungspersönlichkeiten des Silicon Valley mit Ecken und Kanten. Er teilt gerne aus und schont seine Konkurrenten nicht. Von Altersmilde ist bei dem mittlerweile 73-Jährigen nichts zu spüren. Denn der Wettbewerb im Softwaregeschäft hat nicht an Schärfe verloren. Lange Zeit unangefochten im Geschäft mit relationalen Datenbanken, steht Oracle schon länger in herzlicher Rivalität zu SAP. Die Walldorfer sind zwar auch Kunde, doch wenn es um das Geschäft mit Software für die Unternehmenssteuerung geht, hört die Freundschaft auf. Seitdem dieses Geschäft zunehmend in die Cloud wandert, werden die Karten immer wieder neu gemischt. Auguren sehen mal bei der SAP, mal bei Oracle bessere Chancen, diesen Zukunftsmarkt für sich zu entscheiden, in dem auch noch andere Anbieter mitmischen.

Am späten Sonntagabend, dem 1. Oktober, gab sich Ellison zunächst bescheiden: Er nutze den Ausdruck „revolutionäre neue Technologie“ nicht jedes Jahr, da es laufend so viele neue Technologien gebe. „Aber diesmal ist es eine Revolution“, die laut Ellison erste „selbstfahrende“ Datenbank der Welt.

Die „Autonomous Database Cloud“ basiert auf der Oracle Database 18c und nutzt Machine-Learning-Technologien, um voll automatisiert zu arbeiten. Mit dieser Form künstlicher Intelligenz (KI) wird sie laut Ellison befähigt, sich selbst laufend zu aktualisieren, Kapazitäten nach Bedarf anzupassen sowie Fehler zu erkennen und zu beheben. Damit werde menschliches Eingreifen bei der Verwaltung der Datenbank obsolet, was Fehler vermeide und den IT-Verantwortlichen die Freiheit zu kreativeren Arbeiten gebe. Ellison: „Wir können auf dieser Grundlage eine Verfügbarkeit von 99,995 % garantieren.“ Umgerechnet bedeutet das pro Jahr maximal 30 min an geplanten oder ungeplanten Systemausfällen.

Im Dezember soll diese Datenbank zunächst für Analyseanwendungen verfügbar sein. Dann wird sich in der Praxis zeigen müssen, wie belastbar Ellisons Versprechungen sind. Eine Version für Online-Transaktionsverarbeitung soll im Frühjahr 2018 folgen.

Mit KI will Ellison auch den Albtraum aller IT-Verantwortlichen beenden: die allgegenwärtige Gefahr durch Hackerangriffe und Datendiebstähle. Er kündigte die „Management and Security Cloud“ an, die Cyberattacken automatisiert erkennen und bei deren Bekämpfung helfen soll.

Am Ende seiner gut einstündigen Präsentation ging es dann – typisch Ellison – gegen den Cloud-Weltmarktführer: Er verglich Leistung und Kosten von Datenbankanwendungen bei Amazon mit denen in der Oracle Cloud. Das wenig überraschende Ergebnis: „Wir garantieren vertraglich, Ihre Amazon-Rechnung zu halbieren“, versprach er Kunden, die in die Oracle-Cloud wechseln.

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