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Mittwoch, 20. Februar 2019

Telekommunikation

Datenhighways im Blick

Von Ilona Hörath | 4. Oktober 2018 | Ausgabe 40

Im Netzmanagement Center in Bamberg kontrollieren Mitarbeiter der Deutschen Telekom das deutschlandweite Transportnetz des Riesen.

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Foto: Ilona Hörath

Störungen auf der Spur: Die riesige Monitorwand im Bamberger Network Operations Center besteht aus 52 Einzelmonitoren. Unten werden Störungen angezeigt, oben Verkehrsstatistiken.

Die Szenerie wirkt wie das Mission Control Center der Nasa, schaut man von oben hinunter auf das Netzmanagement Center der Telekom im fränkischen Bamberg. Den Raum dominiert eine 70 m2 große Monitorwand, unten sitzen in langen Reihen Techniker vor Bildschirmen. Es herrscht konzentrierte Ruhe, gesprochen wird kaum. Und wenn doch, rücken sie zusammen und besprechen sich im Flüsterton.

Mit Weltraummissionen haben die Franken wenig zu tun. Ihre Aufgabe ist es vielmehr, die deutschen Datenhighways nicht aus den Augen zu lassen. „Bamberg ist ein ganz entscheidender Standort für die Überwachung des deutschlandweiten Transportnetzes der Telekom“, sagt Ralf Acker, Leiter des Network Management Centers. „Bei uns brennt immer Licht.“ Was bedeutet, dass 160 Mitarbeiter im Schichtbetrieb an 365 Tagen rund um die Uhr sämtliche Übertragungswege im Festnetz, zu dem das IP-Backbone-Netz als wesentlicher Teil gehört, beobachten: nicht die kleineren Landstraßen, aber die Autobahnen und Bundesstraßen, auf denen Telefonate und Daten von Firmen und Großkunden – vom TV-Sender bis zum Arbeitsamt – übertragen werden. „Unser Ziel ist es, Störungen im Netz zu erkennen, bevor der Kunde sie bemerkt“, sagt Kommunikationselektroniker Acker.

10-Gbit/s- oder 100-Gbit/s-Verbindungen gelten hier als Standard. Der „Massenmarkt“, also DSL-Anschlüsse von Anna und Otto Normalverbraucher sowie Mobilfunk, wird hingegen in Bonn überwacht, wo sich ein weiteres Netzmanagement Center befindet.

Derzeit liegen mehr als 460 000 km Glasfaser im Netz der Deutschen Telekom, jährlich kommen rund 60 000 km dazu. In den Gesamtnetzausbau investiert die Telekom pro Jahr rund 5 Mrd. €. Ackers Kollegen in Bamberg haben insgesamt 1 Mio. Übertragungswege im Blick und schauen auf rund 150 000 sogenannte Netzelemente, die eine Störung verursachen könnten: zum Beispiel ein Router oder Switch im IP-Bereich oder ein SDH-Knoten (Synchrone Digitale Hierarchie), bei dem mal eine Schnittstellenkarte oder ein Lüfter kaputtgehen kann. Über 150 000 Netzelemente befinden sich in den verschiedenen Netzwerken bzw. in Kundennetzen.

„Die große Wand wird benötigt, damit wir uns einen Komplettüberblick über alle Netze bundesweit verschaffen können“, sagt Ralf Acker. Zuunterst werden etwa Alarmlisten angezeigt, jede Zeile steht für eine einzelne kleinere Leitung und signalisiert, wenn irgendwo auf den Strecken der Lüfter eines Netzelements defekt ist.

Oben flimmern Grafiken in Form von Kreisen und Balken. Dargestellt sind hier die bundesweiten „Verkehrsverläufe“. Sie zeigen z. B. an, wie viel Internetverkehr von Deutschland aus in ausländische Internetnetze läuft. Schließlich soll auch der Datenverkehr ins Ausland und von dort nach Deutschland stabil laufen. Als Alarmanzeigen im weiteren Sinne fungieren auch die Wetterkarte und ein Nachrichtensender. So sind Acker und seine Mitarbeiter informiert, wenn dem Telekommunikationsnetz etwa Hochwasser- oder Hitzeschäden drohen.

Zum Einsatz kommen Netzwerkmanagementsysteme unterschiedlicher Hersteller wie Cisco, Ericsson, Adva und Nokia, die Störungen erkennen und Alarm auslösen. Zum Beispiel dann, wenn ein Autofahrer ein Verteilerhäuschen gerammt, ein Bagger ein Kabel beschädigt hat oder zum Jahreswechsel schlagartig die Anzahl der Telefonate und der Internetverkehr ansteigen. „20 min bis 25 min nachdem der Bagger das Kabel zerstört hat, wissen wir, wo die Störung ist“, erläutert Acker. Die Diagnose sei zu 99 % genau. Am Fuß der Monitorwand bearbeiten Techniker die Störungen: Reparaturtrupps werden losgeschickt, Tiefbaufirmen beauftragt. Acker weiß jedoch: Es kostet Zeit, wenn Kabel geflickt werden müssen. Im Störungsfall oder bei Überlast einer Strecke kommt eine Zwei-Wege-Übertragungsstruktur zum Tragen, die Daten werden über eine Ausweichstrecke gelenkt: „Bei einer Störung wird innerhalb von weniger als 50 ms automatisch umgeschaltet.“

Welche Daten durch die Leitungen flitzen, interessiert Acker nicht. Aber ähnlich wie bei städtischen Energieversorgern kann er anhand von flacher werdenden Graphen auf der Monitorwand das Nutzungsverhalten der Deutschen ablesen: „Deutschland geht um 23 Uhr ins Bett.“ Dann sorgen, so Acker, nur noch ein paar Hardcore-Gamer für Verkehr auf der Datenautobahn.