Passwort vergessen?  |  Anmelden
 |  Passwort vergessen?  |  Anmelden
Suche

Mittwoch, 20. Februar 2019

Kommunikationstechnik

Datenreise per Laserstrahl

Von Matilda Jordanova-Duda | 7. Februar 2019 | Ausgabe 06

Mynaric ist im vergangenen Jahr mit der Serienproduktion von Bodenstationen für Laserkommunikation an den Start gegangen.

Mynaric BU
Foto: Mynaric

Per Infrarotlaserstrahl schickt Mynaric Bytes von einer Bodenstation auf den Weg.

Datenautobahnen in der Luft und im Weltall, um große Datenmengen mit hoher Geschwindigkeit über lange Strecken kabellos zu übermitteln: Die Technologie dafür will Mynaric liefern. Das Unternehmen aus Gilching bei München schickt die Bytes per Infrarotlaserstrahl auf den Weg.

Mynaric AG

Im September 2018 hat Mynaric angefangen, optische Bodenstationen in Serie zu produzieren. Es gibt sie in zwei Versionen: gedacht für die Laserkommunikation mit bis zu 10 Gbit/s zwischen Luftfahrzeugen wie Flugzeugen und Drohnen und dem Boden bzw. zwischen Satelliten und dem Boden. Künftig wäre noch deutlich mehr machbar, verspricht Mynaric: 100 Gbit/s oder gar 1000 Gbit/s.

Mit der ersten Produktversion ist es nach Angaben des Unternehmens möglich, Breitbandverbindungen in beide Richtungen über Distanzen von 50 km zu realisieren. Die zweite Version überbrücke bis 1400 km und binde Satelliten im niedrigen Erdorbit an. Die Stationen verwendeten fortgeschrittene Softwarealgorithmen, um atmosphärische Störungen auszugleichen, hätten einen innovativen Ausrichtemechanismus mit niedrigem Energiebedarf und eine Wärmeableitung, die stationäre und mobile Anwendungen unterstütze. „Damit positioniert sich Mynaric als einziger in der Serienproduktion befindlicher kommerzieller Zulieferer von optischen Bodenstationen im boomenden Markt für Laserkommunikation“, teilt das Unternehmen mit.

Der Weg bis dahin war lang. Mynaric wurde 2009 aus dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen ausgegründet. Die beiden Laserforscher Markus Knapek und Joachim Horwath hatten das Marktpotenzial ihrer Arbeit erkannt und sich mithilfe des DLR-Technologietransfers selbstständig gemacht. 2013 gelang es, die erste Verbindung zwischen einem Flugzeug und dem Boden mit der hochpräzisen Technologie herzustellen. Seitdem produzierte Mynaric mehrere Prototypen im Kundenauftrag. Auftraggeber seien, so der Leiter Kommunikation und Wachstum, Sven Meyer-Brunswick, große internationale Unternehmen: vom Internetriesen bis zum Hersteller für Luft- und Raumfahrt. Ihre Namen darf er nicht nennen. Mit Ausnahme von Facebook, mit dem Mynaric einen Prototyp validiert habe.

Foto: Mynaric

Die führenden Köpfe von Mynaric (v. li.): Joachim Horwath, Wolfram Peschko, Markus Knapek.

„Nun wollen die Kunden nicht mehr testen, sondern anwenden“, sagt Meyer-Brunswick. Sie bräuchten Bodenstationen und Terminals für die Datenübertragung zwischen Flugzeugen, Ballons, Drohnen, Satelliten untereinander und dem Boden. Man benötige sie in hoher Stückzahl: Hunderte, vielleicht auch Tausende, um Netzwerke fliegender Objekte zu bilden und schnelles Internet an jeden Ort der Erde zu liefern. „Vor fünf Jahren hätte es den Markt dafür noch gar nicht gegeben“, erklärt Meyer-Brunswick, warum es jetzt mit der Serienproduktion losgeht.

Als Ausgangspunkt dient die Annahme, dass die bisherige Infrastruktur der Datenübertragung bald an ihre wirtschaftlichen Grenzen stoßen wird. Während Glasfaserkabel in den Ballungsregionen Breitbandzugänge ermöglicht, haben rund 3 Mrd. Menschen in dünn besiedelten Gegenden vor allem in Entwicklungsländern gar kein Internet. Funk ist bisher die einzige kabellose Alternative. Laser ließe jedoch eine hundertfach schnellere, zudem sicherere Übertragung zu, weil die verwendeten Strahlen kaum abhörbar seien.

„Es geht nicht darum, den Funk zu ersetzen, sondern eine neue Infrastruktur, ein Internet über den Wolken aufzubauen“, sagt Meyer-Brunswick – überall, wo das Verlegen von Glasfaser nicht möglich oder zu teuer ist. Mit Laserkommunikation arbeiten mehrere Hightechunternehmen, unter anderem Google und SpaceX – in eigenen Projekten wie auch zusammen mit Start-ups. „Auf dem Reifegrad der Technologie, den wir erreicht haben, sind nur eine Handvoll Wettbewerber auf der ganzen Welt“, so der Kommunikationschef. Zudem produzierten sie in einem ganz anderen, hochpreisigen Segment. Mynaric will keinen Ferrari, sondern einen erschwinglichen Volkswagen für die himmlische Datenautobahn bauen.

Die ersten Bodenstationen in Serie hat das Jungunternehmen Ende 2018 zu Preisen zwischen 500 000 € und 1 Mio. € ausgeliefert. Das sei ein Preisverfall um den Faktor 20. Mit steigenden Stückzahlen sollen die Kosten um weitere 50 % bis 70 % sinken. Günstig wird die Herstellung dadurch, dass Mynaric sich auf ein Netzwerk branchenfremder Zulieferer stützt. „Unsere Zulieferer kommen etwa aus der Autoindustrie und Medizintechnik. Da sind andere Preise üblich als in der Luft- und Raumfahrt“, so Meyer-Brunswick. Die Endmontage und die Qualitätskontrolle erfolgen in Gilching.

Für den Übergang aus der Entwicklungs- in die Produktionsphase nutzte das Jungunternehmen einen in Deutschland ungewöhnlichen Weg. Es ging vor einem Jahr an die Frankfurter Börse und gehört nun zum Börsensegment Scale. Mit einem Teil des Erlöses von 27 Mio. € bauten die Bayern die Produktion auf, der Rest soll in die Weiterentwicklung der Technologie wie auch in die Gründung von Tochtergesellschaften fließen. Eine Niederlassung in den USA hat Mynaric bereits 2016 eröffnet, weil dort gegenwärtig der größte Markt sei. Das größte Wachstumspotenzial sieht die Firma jedoch in Asien, eine chinesische Repräsentanz ist wenige Wochen alt.

Im Dezember lag der Aktienkurs bei 37 €, Anfang des Jahres waren es 61 €. „Wir haben in den letzten Wochen Federn gelassen, obwohl wir gleich mehrere sehr wichtige Kunden und Produktmeilensteine vermeldet haben.“ Aber das sei in der aktuellen Stimmung auf dem Parkett untergegangen, meint Meyer-Brunswick. Der Börsengang habe sich aus Sicht des Unternehmens ausgezahlt. „Es war ein guter Weg, an Wachstumskapital zu kommen, und für unsere Kunden sind wir so viel transparenter.“

Mit ihren Produkten hat die Hightechfirma 2017 mehr als 3 Mio. € verdient, in diesem Jahr wird sich die Summe voraussichtlich mehr als verdoppeln. Profitabel wird sie allerdings erst 2020, wenn es nach Plan läuft. Dank des Börsengangs ist sie aber noch gut mit Cash versorgt. Aktuell hat Mynaric rund 90 Mitarbeiter, die meisten in Gilching. Ungefähr die Hälfte der Mannschaft sind laut Meyer-Brunswick Ingenieure, die vor allem in F&E sowie der Qualitätskontrolle arbeiten.