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Dienstag, 23. Januar 2018

Geldanlage

Der Druck auf die Finanzplaner steigt

Von Christoph Böckmann | 22. September 2016 | Ausgabe 38

Geringe Kosten und hohe Sicherheit sind für Mittelständler wichtiger als Erträge. Finanzierungslücken gibt es bei den Pensionsverpflichtungen.

BU_Anlageverhalten
Foto: panthermedia.net/thodonal

Mittelständler legen im Durchschnitt 4,7 Mio. € an.

Wie lege ich mein Geld an? Diese Frage plagt nicht nur private Sparer sondern, auch Mittelständler. Im Durchschnitt sind es 4,7 Mio. €, die sie beispielsweise auf Aktien, festverzinsliche Wertpapiere oder Festgeldkonten verteilen müssen. Das Geld so anzulegen, dass es mehr statt weniger wird, ist in Zeiten von Niedrig- und Negativzinsen auch für Unternehmen eine echte Herausforderung. So steigt der Druck auf die Finanzverantwortlichen. Wie Mittelständler in der Niedrigzinsphase ihr Geld anlegen, das hat sie die Fachhochschule des Mittelstands in Zusammenarbeit mit der Commerzbank gefragt.

Anforderungen: Gefragt nach der Wichtigkeit einer Anlage bewerten Mittelständler erstmals „geringe Kosten“ als deren wichtigste Eigenschaft. Im Vergleich dazu steht eine hohe Verzinsung einer Anlage an 7. Stelle der Anforderungen. Dahinter steht die Erkenntnis der Unternehmen, dass bei dem Großteil der verzinslichen und gleichfalls sicheren Geldanlagen im Niedrigzinsumfeld derzeit keine Rendite zu erzielen ist bzw. falls doch, diese von Anlagekosten wieder zunichte gemacht wird.

Die Sicherheit der Anlage war und ist für Mittelständler ebenfalls ein ganz wichtiges Kriterium: Eine Anlage muss aus Sicht des Großteils der Mittelständler vor allem sicher sein – hierfür werden auch Renditenachteile bzw. sogar Zinsverluste in Kauf genommen.

Anlagehorizonte: Die Geldanlage von unter drei Monaten hat an Bedeutung verloren. Während 2013 noch 34 % der Befragten den überwiegenden Teil der finanziellen Mittel nicht länger als drei Monate anlegten, sind es gegenwärtig nur noch rund 22 %. Ein Teil der Mittelständler hat sich stattdessen für Anlagen zwischen drei und sechs  Monaten entschieden. Dieser Teil ist nur bedingt geneigt, Liquidität deutlich länger anzulegen. Jedoch sind gleichfalls 31 % der Mittelständler bereit, ihre Anlagegelder länger als ein Jahr zu investieren.

Sichteinlagen: Die abnehmende Bedeutung kurzfristiger Anlagen zeigt sich auch bei den Sichteinlagen. So verfügen im Jahre 2016 nur noch 72 % der Befragten über Sichteinlagen. Glaubt man den Plänen der Befragten, wird deren Bedeutung sogar noch weiter abnehmen. Lediglich 30 % möchten in Zukunft ihre liquiden Mittel in Form von Sichteinlagen parken. Gleichläufig sieht es in der Kategorie Festgeld/Termineinlagen aus. Gegenwärtig verfügen nur noch 73 % der Unternehmen über Festgelder/Termineinlagen. Auch hier planen nur noch 36 % der Befragten, künftig zu investieren.

Fonds: Im Vergleich zur letzten Studie zeigt sich, dass die klassischen Fondslösungen in der Breite sowohl im Ist als auch im Plan auf dem Rückzug sind. Ausnahme bilden in der Planung nur Immobilien- und Garantiefonds, die beide wieder über die von Mittelständlern gewünschte Sicherungskomponente verfügen.

Während die klassischen Direktanlagen und Fondslösungen eher an Bedeutung verlieren, verfestigt sich der Trend aus dem Jahre 2015 zu nachhaltigen und alternativen Anlagen. Hier besteht der Wunsch, mehr in diese Anlageklassen investieren zu wollen. Die Gründe dafür sind vielfältig: So möchten einige mittelständische Unternehmen gemäß ihrer eigenen Philosophie und unternehmerischem Handeln nachhaltig investieren. Andere hoffen, durch diese Anlageklassen eine konstante Rendite zu erzielen, ohne von den Kapitalmärkten direkt abhängig zu sein.

Pensionsverpflichtungen: 50 % der Befragten verfügen über Pensionsverpflichtungen. Diese werden künftig viele mittelständische Unternehmen vor Herausforderungen stellen, da die bis heute gebildeten Rückstellungen nicht ausreichen, um die künftigen Verpflichtungen zu erfüllen. Während steuerlich nach EStG immer noch von einem Rechnungszins von 6 % ausgegangen wird, liegt die tatsächliche Verzinsung deutlich unter 6 %. Da der Abzinsungssatz in der Handelsbilanz nach der realitätsnäheren 10-jährigen Durchschnittsverzinsung ermittelt wird, ergeben sich hier gewaltige Differenzen, die dazu führen, dass die Rückstellungen durch den Zinseffekt in den nächsten 5 Jahren von jetzt ca. 4 % p. a. auf dann 2 % p. a. sinken werden. Dadurch sinkt der Deckungsgrad bei gleichbleibenden Deckungsmitteln um durchschnittlich ca. 35 %.

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