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Donnerstag, 21. Februar 2019

Stromnetze

Der Grünstrom kanns im Feldversuch

Von Heinz Wraneschitz | 12. April 2018 | Ausgabe 15

Die Lechwerke erproben den Krisenfall in einem Inselkraftwerk.

w - Linda 3 BU
Foto: LEW/Timian Hopf

Wasserkraftwerk Feldheim war beim Feldversuch eines grünen Inselstromnetzwerks in alle Versuchsphasen eingebunden.

Bekanntlich sind aller guten Dinge drei. Deshalb war der dritte auch der „abschließende Feldversuch“ im Projekt mit dem Kürzel „Linda“: Die im Süden Bayerns tätige LEW Verteilnetz GmbH (LVN) bewies in den Kommunen Niederschönenfeld, Feldheim und in Teilen von Rain am Lech, dass ein Inselnetz, basierend auf Solarstrom, zusammen mit Wasser- und Biogaskraftwerken in der Nähe stabil betrieben werden kann.

„Linda“ – warum das Forschungsprojekt „lokale Inselnetzversorgung und beschleunigter Netzwiederaufbau mit dezentralen Erzeugungsanlagen bei großflächigen Stromausfällen“ mit diesem Frauennamen abgekürzt wird, dazu hüllt sich die Pressestelle der Lechwerke AG (LEW) in Veröffentlichungen in Schweigen. Wenn es um das Ergebnis des – mit Bundesmitteln geförderten – dritten Feldversuchs geht, sind die LEW-Netztochter LVN und ihre Projektpartner jedoch offen: „Wir haben ein Inselnetz mit mehreren Ortschaften, Photovoltaikanlagen, zwei Wasserkraftwerken und einer Biosgasanlage aufgebaut und die Erweiterbarkeit des Konzepts unter Beweis gestellt.“

Sprich: Auch in Deutschland sind Inselnetze mit Kraftwerken auf Basis regenerativer Energiequellen möglich. Zum Beispiel, wenn durch den länger dauernden Ausfall des Übertragungsnetzes die Stromversorgung ganzer Regionen aus der Ferne nicht mehr funktioniert.

„Eine technische Nachrüstung der eingebundenen Photovoltaikanlagen war nicht nötig. Dadurch lässt sich das Konzept besonders gut übertragen und kann so einen wichtigen Beitrag zur Krisenvorsorge leisten“, darauf weist LVN besonders hin. Am 21. März war es so weit: In dem laut LGN „bisher umfassendsten Inselnetzversuch in Deutschland“ wurden rund 1100 Haushalte sechs Stunden lang aus 185 Photovoltaikanlagen, zwei Wasserkraftwerken und einer Biogasanlage versorgt. Eine Batterie zur Stabilisierung gab es nicht, wie Thomas Renz, Leiter Kommunikation der Lechwerke AG, auf Nachfrage mitteilt.

Herausforderung Inselnetz: Es galt daher, dass „jeder Verbrauch im Inselnetz sofort und jederzeit durch die vorhandene Erzeugung gedeckt wird“, so Renz. Auch überschüssige Erzeugung habe nicht zu anderen Verbrauchern transportiert werden können. „Dies ist der Grund, weshalb das Konzept nur für eine Notversorgung gedacht ist und ein Einsatz im ‚Normalbetrieb‘ nicht sinnvoll ist“, erläutert er die Einschränkungen einer so gestalteten regionalen Regenerativ-Insel.

Für LVN-Projektleiter Georg Kerber war ganz „entscheidend, die Frequenzen des Inselnetzes und des Verbundnetzes exakt anzugleichen, um unterbrechungsfrei wieder in das Verbundnetz zurückzuschalten“: Auch das gelang offenbar problemlos. Eine weitere Erkenntnis von Linda 3: „Wenn genügend Erzeugungsleistung aus einer Biogasanlage zur Verfügung steht, könnte diese prinzipiell die Rolle des Führungskraftwerks im Stromnetz übernehmen.“ Das hat sich laut Kerber ebenfalls im Versuch bestätigt.

Wissenschaftlich begleitet wurden die Versuche von der Technischen Universität München (TUM) sowie der Hochschule Augsburg (HSA). HSA-Professor Michael Finkel will mit seinem Team „in den nächsten Monaten die Daten und Erkenntnisse aus den Feldversuchen auswerten und sie für die weitere Umsetzung in praktische Handlungsanleitungen aufbereiten“. Doch schon jetzt sieht Finkel „die Projektziele des Feldversuchs erreicht“. Denn „wir konnten die Versuchsreihen wie geplant abarbeiten“.

Foto: LEW/Michael Hochgemuth

Das Projektteam untersuchte mit Lastbänken, wie sich das Inselnetz und die angeschlossenen Erzeuger – 185 Photovoltaikanlagen, zwei Wasserkraftwerke und eine Biogasanlage – bei Veränderungen der Stromlast verhalten.

Was danach mit den Erkenntnissen aus dem Feldtest konkret passiert, darauf gab uns die LVN auch auf Nachfrage keine Antwort. Doch die bereits jetzt veröffentlichten, laut LVN übertragbaren Ergebnisse lassen hoffen, dass sie in Krisenszenarien von Verteilnetzbetreibern einfließen.