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Donnerstag, 21. Februar 2019

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Der Handel mit den Autodaten

Von Christiane Schulzki-Haddouti | 5. Juli 2018 | Ausgabe 27

Die Automobilindustrie arbeitet an Konzepten und Standards, um Fahrzeugdaten zu verwerten.

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Foto: mauritius images/imageBROKER/Jochen Tack

Wie lange noch? Bald schon könnten Autofahrer das Parkticket im Tausch gegen ihre Fahrzeugdaten bezahlt bekommen. Modelle dazu gibt es.

Künftig könnte das Auto selbst sein Parkticket lösen oder an der Ladesäule bezahlen – mit einer Kryptowährung. Wobei hinter den Kryptomünzen nicht Euros stehen müssen, sondern geldwerte Fahrprofile oder Reisedaten, die der Fahrzeughalter zuvor zum Verkauf freigeschaltet hat. Auch Sharing-Dienste könnten so funktionieren.

Um dieses neue Mobilökonomie in Gang zu bringen, schlug das Bundesverkehrsministerium im vergangenen Jahr die Einführung eines „Datenausweises“ vor. Über ihn sollten Fahrzeughalter ihre personenbezogenen Mobilitätsdaten verwalten, die sie an Dritte veräußern können. Daten sollen außerdem über ein neues Recht an Dateneigentum verkaufbar gemacht werden. Technisch soll das über Distributed-Ledger-Technologien (DLT) erfolgen. Dort werden die Daten dezentral organisiert und können über flexible Kleinstverträge veräußert werden.

Start-ups, aber auch etablierte Unternehmen setzen derzeit auf die Blockchain, die bekannteste der Distributed-Ledger-Technologien. Die in Berlin beheimatete Iota-Stiftung hat bereits einige Mobilitätsunternehmen von ihrem Konzept überzeugt: Neben Konzernen wie der Deutschen Telekom und Volkswagen ist auch die Robert Bosch Venture Capital bei Iota im Aufsichtsrat vertreten. Die Stiftung will Transaktionen im Internet der Dinge ermöglichen und hat dafür die Digitalwährung Miota aufgesetzt. Mit Miota sollen autonome Fahrzeuge etwa Parktickets selbstständig bezahlen, aber auch über einen Onlinemarktplatz Daten von Wetterstationen temporär nutzen können.

BWM zeigt sich noch skeptisch und sieht sich über alle Geschäftsbereiche hinweg an, ob und wie sich DLT einsetzen lässt. Zum einen könnte, so Sprecher Michael Ortmeier, eine Anwendung entlang der klassischen Wertschöpfungskette von der Entwicklung bis zum Vertrieb stattfinden. Im Forschungskonsortium „Mobility Open Blockchain Initiative“ (Mobi) arbeitet BMW nun mit Partnern wie General Motors und Renault an diversen Themen, z. B. Fahrzeugidentität, -historie und -daten, Lieferkettenverfolgung und -effizienz oder den sicheren Handel im Mobilitätsökosystem. Mit anderen Automobilherstellern hat sich BMW außerdem über die Teilnahme an der Mobility Open Blockchain Initiative verständigt, „um begünstigende Standards zu schaffen und den Zugang zu den neuesten aufkommenden Technologien zu sichern“.

Die Rechtsanwältin Claudia Otto hält die Frage des rechtssicheren Einsatzes von Blockchain in der Mobilität im Moment aber „noch für problematisch“. Da die Entwicklung in Richtung öffentlich zugänglicher Plattformen ginge, müsse man sich gerade bei der Übermittlung personenbezogener Daten die verschiedenen Anwendungsfälle genau ansehen. Denn in diesen Fällen könne grundsätzlich jedermann die Daten einsehen, gleichzeitig könne aber nicht darüber informiert werden, wohin die Daten gehen.