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Samstag, 23. Februar 2019

Parkettnotizen

Der Öldruck steigt

Von Stefan Wolff | 16. November 2017 | Ausgabe 46

Das Fass Öl kostete mal über 100 $, zwischenzeitlich fiel der Preis auf 30 $, doch die Zeiten des ganz billigen Öls enden gerade wieder. Mit Preisen über 60 $ ist Rohöl der Nordseesorte Brent so teuer wie seit zwei Jahren nicht mehr. Es sind vor allem die politischen Unsicherheiten, die die Preise treiben.

Foto: privat

Stefan Wolff arbeitet als Finanzjournalist u. a. für das ARD-Börsenstudio.

In Saudi-Arabien tobt ein Machtkampf um die Vorherrschaft im Königshaus. Prinz Mohammed bin Salman hat eine Verhaftungswelle ausgelöst. Kritiker werden mundtot gemacht. Dazu kommt der eskalierende Konflikt mit dem Iran. Schon länger tobt im Jemen ein Stellvertreterkrieg. Nun droht der Konflikt noch heißer zu werden.

Inzwischen hatten die Verwerfungen sogar die Preise sinken lassen. Uneinigkeit innerhalb der Opec ließ Beobachter daraus schließen, dass es schwerer werden würde, die beschlossenen Förderkürzungen durchzusetzen. Doch in dieser Frage hält das Kartell zusammen. Es hat sogar geschafft, Nichtmitglied Russland auf seine Seite zu ziehen. In der Folge stiegen die Preise. Und daran soll sich erst einmal nichts ändern.

Die Opec sieht noch lange kein Ende des Ölzeitalters. Bis zum Jahr 2040 werde der Verbrauch von Öl und Gas um ein Drittel steigen, prognostizierte das Kartell jüngst in seinem World Oil Outlook. Die genannten Gründe sind einleuchtend. Zum einen wächst die Weltbevölkerung weiter rasant, bis zum Jahr 2040 auf 9,2 Mrd. Menschen. Auch die Wirtschaftsleistung wächst. Sie soll sich bis zum genannten Zeitpunkt fast verdoppeln. Verdoppeln – auf 2 Mrd.  Fahrzeuge – soll sich auch die Zahl der Autos.

Und so soll der Energiemix einen starken Fokus auf fossile Brennstoffe behalten. Im World Oil Outlook ist von einem Anteil von über 50 % die Rede, den allein Öl und Gas einnehmen sollen. Den Anteil erneuerbarer Energien sieht der Report gerade mal bei knapp über 5 %.

Diese Prognose dürfte ein Schlag ins Gesicht aller Ökologen sein. Weltweit laufen große Anstrengungen für neue Klimaziele, für eine Abkehr von Kohle, Öl und Gas und für die Elektrifizierung des Transports. Diesel-Fahrverbote und E-Auto-Quoten finden sich zumindest in den Regierungsprogrammen vieler Nationen. Nach Lesart der Opec könnten das nicht mehr als rührende Bemühungen sein.

Natürlich ist es nicht überraschend, dass eine Prognose eines Öl-Förderkartells Öl in die Favoritenrolle setzt. Hier eine Umweltoffensive zu erwarten, wäre so als würde der Verband der Füchse sicherere Zäune um Hühnerställe fordern.

Abtun sollte man den World Oil Outlook trotzdem nicht. Ein klares Bild ergibt sich zwar erst, wenn andere Prognosen und Forschungsergebnisse hinzukommen. Am Ende aber zeigt der Optimismus der Opec schon, dass eine Energiewende nicht ganz so leicht zu stemmen ist, wie es auf dem Reißbrett aussieht.