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Samstag, 20. Januar 2018

E-Mobilität

Der Run auf die knappen Kobaltreserven

Von Rolf Müller-Wondorf | 9. November 2017 | Ausgabe 45

Fast alle großen Autobauer setzen beim Elektroantrieb auf Lithium-Kobalt-Batterien. Die Folge: Die plötzlich steigende Nachfrage lässt die Preise für den Rohstoff Kobalt kräftig steigen.

S18 Kobalt (2)
Foto: imago/photothek/Thomas Trutschel

Wertvoller Rohstoff: Der Trend zur E-Mobilität führt zu einer Kobalt-Verknappung. Mit unterschiedlichen Strategien versuchen Automobilhersteller, ihren Bedarf zu decken.

Zu allem Überfluss sind die Kobaltreserven aus Sicht westlicher Industrieländer global recht unglücklich verteilt. Ein Großteil der Vorräte – über 60 % des Weltbedarfs – liegt in der Democratic Republic of Congo (DRC). Dort herrscht aber alles andere als Demokratie. Nur eine kleine Gruppe von Bergbau- und Rohstoffunternehmen traut sich noch in der politisch sehr unsicheren Region zu arbeiten. Dazu zählen China Molybdenum, Eurasian Resources Group (ERG) und die Schweizer Glencore-Gruppe.

Ein Umstand, der die Volkswagen-Gruppe zum Handeln animierte. „Volkswagen sucht nach langfristigen, strategischen Lösungen für wichtige E-Mobilitätsrohstoffe, um die Kapazität und die Preisstabilität zu sichern”, heißt es in einer Ausschreibung, die der Automobilhersteller erfolglos am Markt zu platzieren versuchte.

Die Wolfsburger hatten es darauf angelegt, den geschätzten Bedarf an Kobalt für die gesamte Gruppe in einem Fünfjahresvertrag einzukaufen – und dies deutlich unter dem aktuellen Marktpreis.

Dafür wurde das Unternehmen an der Börse scharf angegriffen, so scharf, dass die Financial Times sogar fünfspaltig unter der Überschrift „Cobalt traders dismiss VW‘s low-price bide to grab supplies“ aufgemacht hat.

Im Mittelpunkt der Kritik steht, dass VW in der Ausschreibung einen Liefervertrag ausdrücklich unter dem Marktpreis verlangt hat. Für weitere Missstimmung sorgte der Umstand, dass VW mit längerfristig zwischen 80 000 t und 130 000 t Konzernbedarf per anno mehr Kobalt haben will, als gegenwärtig der Weltmarkt umfasst (etwa 100 000 t). Zu den vielen Kritikern gehört beispielsweise der langjährige Kobalthändler Nick French.

Andere Autobauer wie Tesla und BMW gehen offenbar sehr viel geschickter zu Werke. Beide Unternehmen streben nach neuen Formen der Zusammenarbeit mit den großen Kobaltanbietern. Dabei wird beispielsweise über bestimmte Mengen verhandelt, nicht aber zeitgleich über Preise. Diese werden nach Marktnotierung an der Metallbörse gleitend vereinbart. Bei diesen Automobilherstellern steht die Sicherung der Kobaltmengen im Vordergrund.

Darum geht es in erster Linie auch bei den chinesischen Herstellern. Traditionell schon einer der größten Kobaltproduzenten der Welt, kauft das Reich der Mitte strategisch wichtige Metalle und Rohstoffe weltweit noch kräftig zu – auch Kobalt im Kongo. Das sichert der chinesischen Autoindustrie, zu der inzwischen auch die schwedische Volvo-Gruppe gehört, die notwendigen Rohstoffe. 

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