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Freitag, 22. Februar 2019

Bergbaumaschinen

Der lachende Dritte

Von Eckart Pasche | 6. Dezember 2018 | Ausgabe 49

Die deutschen Hersteller bauen mit dem Ende des heimischen Steinkohlenbergbaus ihre Umsätze aus. Sie profitieren vom Streit zwischen den USA und China.

w - Bergbaumachinen BU
Foto: imago/biky

Abbaumaschinen für den Bergbau aus deutscher Produktion – im Bild ein Walzenschrämlader von Eickhoff – sind weltweit gefragt.

Erstmals seit 2013 konnten die in Deutschland produzierenden Bergbaumaschinenhersteller ihre Umsätze erhöhen. Aufgrund der aktuellen Zahlen für die ersten neun Monate dieses Jahres rechnen die im Fachverband VDMA Mining organisierten Firmen für 2018 mit einer Umsatzsteigerung von 12 % auf rund 3,1 Mrd. €.

Die deutsche Bergbaumaschinenindustrie

Die Branche, die rund 11 600 Beschäftigten Arbeit gibt, zeigt sich optimistisch: „Denn die Nachfrage nach Rohstoffen und damit auch nach unseren Maschinen und Anlagen wird weiter steigen“, sagt der Vorsitzende Michael Schulte Strathaus. Die OECD geht davon aus, dass sich der weltweite Rohstoffbedarf bis 2060 nahezu verdoppelt.

Eine verstärkte Nachfrage nach deutschen Bergbaumaschinen wird vor allem von Unternehmen erwartet, die Rohstoffe gewinnen, die bei alternativen Formen der Energieumwandlung Verwendung finden. Hier nennt Schulte Strathaus, hauptberuflich geschäftsführender Gesellschafter der FESS Group in Werl, Lithium für die Herstellung von Batterien, Kupfer und Seltene Erden.

Immer mehr Menschen auf der Welt gehe es zudem besser, namentlich in Indien. Damit stiegen die Ansprüche nach Mobilität, beim Wohnen, in der Kommunikation und beim Konsum. Um all das zu befriedigen, würden Rohstoffe benötigt. „Die Maschinen, um sie zu gewinnen, liefern wir. Allein durch Recycling wird sich der steigende Bedarf bei Weitem nicht decken lassen“, sagt der Vorsitzende.

Die Branche müsse die steigenden Anforderungen an die Gewinnungsindustrie mit ihrer Technik lösen. Hier gehe es um Nachhaltigkeit, neudeutsch „green mining“, sowie gesunde, sichere und geschlechtsneutrale Arbeitsplätze. Der Bediener müsse aus dem Gefahrenbereich herausgeholt werden – die Steuerung solle per Joystick und Bildschirm direkt aus der sicheren Zentrale heraus erfolgen.

Schon heute gewönnen an Maschinen angebrachte Sensoren eine Fülle von Daten. Die Kunst sei, daraus die entscheidenden Parameter herauszufiltern und sie für die Steuerung der Maschinen und damit für den Gesamtprozess nutzbar zu machen. „Genau darin liegt eine unserer Stärken“, ist Schulte Strathaus überzeugt.

Der Inlandsmarkt – ob Steinkohlen-, Kali- und Salzbergbau oder die Gewinnung mineralischer Rohstoffe – spielt für die Maschinenhersteller eine untergeordnete Rolle. Von den 3,1 Mrd. € Gesamtumsatz werden nur noch 90 Mio. € hierzulande eingenommen – gegenüber 2017 ein weiterer Rückgang um 22 %. Auch in Zukunft würden die Umsätze bestenfalls stagnieren. Die Exportquote von 96 % werde auch weiterhin steigen. Hinzu komme eine wachsende Produktion von Maschinen der Fachverbandsmitglieder in den Zielländern.

Die meisten Exporte gehen mit 25 % in die EU, im Jahr 2017 waren es allerdings noch 31 %. Die zweitgrößte Exportregion USA werde ihren Anteil von 15 % auf 17 % steigern. Als Grund dafür nennt Schulte Strathaus die unter Trump geänderte Energiepolitik. Sie habe zu einem verstärkten Einsatz von US-Steinkohle im dortigen Heimatmarkt und somit zu einer verstärkten Nachfrage nach Maschinen und Anlagen geführt.

Auf Platz drei der größten Ausfuhrregionen liegt China. Die Exportquote stieg von 7 % (2017) auf 10 %. Der Grund hierfür liege in den von der chinesischen Regierung politisch gewollten Hochleistungsbergwerken, die sich mit eigener Technik noch nicht realisieren ließen. Auch die Streitigkeiten zwischen China und den USA hätten geopolitisch geholfen. Die deutschen Bergbaumaschinenhersteller sehen sich hier als der lachende Dritte, weil US-amerikanische Wettbewerber in China derzeit einen schweren Stand hätten.

„Noch haben wir in der Gewinnungstechnik, vor allem im untertägigen Bergbau, einen Vorsprung“, sagt Schulte Strathaus. „Vor allem in den Bereichen Sensorik, Datenerfassung, Datenauswertung und Verknüpfung sind wir Weltspitze.“ Er geht deshalb davon aus, dass die Ausfuhren nach China auch im kommenden Jahr zulegen können. Die internationale Normung in der Datentechnik werde die Hauptarbeit der Branche in den nächsten zehn Jahren sein, daran werde Deutschland weiter mitarbeiten.

Die Exporte in den Nahen und Mittleren Osten seien von 7 % auf 6,8 % gefallen. Russland dagegen habe seine Importe von 5,8 % auf 6,3 % gesteigert. Die Ausfuhren nach Lateinamerika stiegen von 5 % auf 6 %.

Große Hoffnung legt die Branche auf die Messe bauma, die vom 8. bis 14. April 2019 in München stattfinden wird. Erfahrungsgemäß bringe die bauma den beteiligten Branchen einen gewissen Schub, der sich positiv auf die Verkaufszahlen auswirke. „Deshalb gehen wir davon aus, dass unsere Umsätze im kommenden Jahr weiter steigen“, sagt Schulte Strathaus.

Doch die weitere Entwicklung werde maßgeblich davon abhängen, inwieweit es gelinge, Antworten nicht nur auf technische Fragen, sondern auch auf gesellschaftliche Entwicklungen zu finden. Die demografische Situation sei die größte Herausforderung, machte der Fachverband deutlich: Die Unternehmen suchten händeringend neue Mitarbeiter, seien aber zuversichtlich, dass sie einige Engpässe durch Automatisierung werden lösen können.  swe

Die Mitgliedsunternehmen des VDMA Mining haben eine Road Map erarbeitet, um abzuschätzen, wohin sich die deutsche Bergbaumaschinenindustrie entwickeln wird, beziehungsweise muss, um auch 2035 noch existieren zu können.