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Montag, 22. Januar 2018

Internet der Dinge

Der steinige Weg zur passenden IoT-Plattform

Von Harry Jacob | 5. Oktober 2017 | Ausgabe 40

Der Geschäftsführer der Digitalagentur Tresmo, Bernd Behler, erläutert, wie er Kunden auf dem Weg zu IoT-Geschäftsmodellen hilft.

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Foto: panthermedia.net/nils.ackermann.gmail.com

Im Internet der Dinge gibt es viel Geld zu verdienen. Dafür braucht es die richtige Plattform, die den Anforderungen der eigenen Geschäftsmodelle entgegenkommt.

VDI nachrichten: Herr Behler, was erwarten Kunden, die sich in Sachen Internet der Dinge an Tresmo wenden?

Behler: Meist geht es ihnen darum, Maschinen, Anlagen oder Geräte aus dem bestehenden Produktportfolio so zu erweitern, dass sie Teil des IoT werden können. In selteneren Fällen haben wir die Gelegenheit, bereits bei der Entwicklung eines neuen Geräts von Anfang an dabei zu sein.

IoT-Plattformen

Das klingt jetzt nach einem sehr breiten Angebotskatalog ...

Bernd Behler und Tresmo

... der sich aber aus unserer praktischen Erfahrung speist. Wir haben bereits über 30 IoT-Projekte realisiert, und die sind oft recht komplex, umfassen also zahlreiche verschiedene Anforderungen, die wir erfüllen müssen. Im einfachsten Fall entwickeln wir ein externes oder sogar ein internes Gateway für die Produkte unseres Kunden, komplett mit Hardware, Firmware und Kommunikation. Für einen Werkzeugmaschinenhersteller designten wir eine konsistente Nutzeroberfläche sowohl für Web- wie für Mobilanwendungen.

Noch komplexer war die Aufgabe eines Herstellers für Heizungs-, Klima- und Lüftungstechnik, der mit unserer Hilfe seine Thermostate ins Internet der Dinge gebracht und fernsteuerbar gemacht hat. Über 100 Personen waren hier involviert, Kundenmitarbeiter, Zulieferer und Tresmo-Experten.

Ihre Aufgaben liegen also nicht nur auf technischer Seite?

Nein, das würde zu kurz greifen. Wir gehen sogar noch weiter und überprüfen bei Bedarf sogar, ob die vorhandenen Strukturen und Prozesse des Unternehmens zu den Plänen passen, damit das Projekt erfolgreich wird. Da sind teilweise tief greifende Anpassungen nötig.

Wenn es dann ans Projekt geht, wo sind denn die häufigsten Stolperfallen?

Manchmal werden wir damit konfrontiert, dass für das benötigte Interface die Hardware bereits festgelegt ist, nach den Kriterien, die man für das Gerät selbst auch angelegt hat, also beispielsweise Preis, Verfügbarkeit, Formfaktor – aber mit den Softwareentwicklern hat dann noch niemand gesprochen. Jedoch sind diesbezüglich schon am Anfang viele Dinge zu beachten, beispielsweise bezüglich der Leistungsfähigkeit, der Unterstützung geplanter Funktionen oder vorhandener Tools und Bibliotheken oder auch der Kompatibilität der Hardware zu den Busprotokollen.

Vom Gateway gehen die Daten in die Cloud, welche Klippen muss man da umschiffen?

Ein erstes Problem ist bereits die schiere Masse, aus der Sie auswählen können. Wir kennen bereits über 380 Anbieter von IoT-Plattformen. Allerdings haben viele nur Teile einer echten Plattform realisiert.

Gibt es Faktoren, nach denen man bestimmte Angebote von vornherein ausschließen kann?

Nein, das würde ich nicht so sagen, sondern es kommt immer auf den konkreten Anwendungsfall an. Da lässt sich wahrscheinlich für jedes Angebot ein passendes Szenario finden. Es ist tatsächlich immer eine Einzelfallentscheidung. Für diesen entscheidenden Schritt haben wir eine strukturierte Checkliste mit 75 Fragen in zehn Kategorien entwickelt, damit wir möglichst effizient zu einem Ergebnis kommen.

Und die füllen Kunden zu Projektbeginn aus?

Nein, die Checkliste dient der Vorbereitung des Kunden für einen initialen Workshop. Im Verlauf des Workshops sprechen wir die verschiedenen Themenbereiche gemeinsam durch – in der Regel sind die Kunden dann schon sehr gut vorbereitet und wir können zügig durch die Fragen gehen.

Was passiert, wenn Hersteller sich für die falsche IoT-Plattform entschieden haben?

Im schlimmsten Fall stellen die Unternehmen dann irgendwann fest, dass sie in ihrem Projekt fast wieder bei null anfangen müssen, beispielsweise wenn sie mit dem Anbieter auch das Protokoll für die Datenübertragung ändern und dafür die Firmware des Gateways anpassen müssen. Das kostet Zeit und verzögert damit die wichtigen IoT-Projekte beträchtlich – ganz abgesehen von den zusätzlichen Kosten. Eine weitere typische Falle ist der Message-Broker, also die Instanz in der Cloud, die vom Gateway die Daten entgegennimmt.

Welche Stolpersteine gibt es hier?

Da ist zunächst auch wieder die Frage nach den eingesetzten Protokollen. Die nächste ist die der Leistungsfähigkeit des Brokers. Es macht eben einen Unterschied, ob Ihr Geschäftsmodell darauf beruht, nur einige wenige Geräte direkt mit der Cloud zu verbinden, oder ob es potenziell mehrere Hunderttausend sind. Ebenso sind die Zahl der abgefragten Datenpunkte und die Abfragefrequenz entscheidend. Das fällt beim Test mit einem Prototypen nicht auf, kann aber schnell zu Problemen führen, wenn man in den Livebetrieb geht. Und nicht zuletzt rechnen kommerzielle Anbieter die Nutzung des Brokers nach Datenaufkommen ab. Auch hier können Sie böse Überraschungen erleben, wenn nach der Testphase das Datenvolumen ansteigt.

Ist Open Source dafür eine Alternative?

Wenn es um den Broker geht, ja, damit können Sie Kosten sparen. Dafür tun sich an anderer Stelle Fragen auf: Wer pflegt das Ganze, wer kümmert sich beispielsweise zeitnah um Updates? Und die kommerziellen Cloud-Anbieter – insbesondere die drei großen, also Microsoft Azure, Amazon Web Services und IBM Bluemix inklusive Watson – sind oft schon an anderer Stelle gesetzt. Dann macht es durchaus Sinn, keine zweite Cloud daneben zu verwenden, sondern das IoT-Angebot in die bestehende Lösung zu integrieren, z. B. gemeinsam mit dem ERP- oder CRM-System. Daraus können sich ja auch Synergien ergeben.

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